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Spezial-Anwendung

Prozesswärme: Wärmepumpe in der Industrie

Industrie-Prozesswärme ist 30 % des deutschen Energiebedarfs. Wärmepumpen ersetzen Erdgas zunehmend — Konzepte und Förderung 2026.

5 Min. Lesezeit6 Abschnitte·Xpora-Redaktion · geprüft 2026

Industrie-Prozesswärme im Überblick#

Industrie-Prozesswärme macht ca. 30 % des deutschen Endenergiebedarfs aus. Anwendungen je Temperatur-Niveau:

(1) Niedertemperatur 30-100 °C: 35 % der Prozesswärme. Anwendungen: Reinigung, Beheizung von Räumen, Niedertemperatur-Trocknung. Hier Wärmepumpen ideal.

(2) Mitteltemperatur 100-300 °C: 30 %. Anwendungen: Kunststoff-Verarbeitung, Lebensmittel-Pasteurisation, Lackier-Trocknung. Mit Hochtemperatur-WPs erreichbar.

(3) Hochtemperatur 300-800 °C: 25 %. Anwendungen: Metall-Verarbeitung, Glas-Schmelzen, Zement-Brennen. Aktuell schwer mit Wärmepumpen abdeckbar — Forschungs-Stand.

(4) Hochtemperatur über 800 °C: 10 %. Anwendungen: Stahl-Schmelzen, Aluminium-Schmelzen. Nur mit Direkt-Strom-Heizung oder Wasserstoff machbar.

Für Wärmepumpen-Anwendung ist die Niedertemperatur-Prozesswärme das größte Marktsegment in Deutschland. Branchen mit hohem Niedertemperatur-Bedarf: Lebensmittel-Industrie, Chemie, Papier-Industrie, Textil, Pharma, Galvanik, Lackier-Industrie.

Hochtemperatur-Wärmepumpen 2026#

Marktreife Hochtemperatur-Wärmepumpen 2026 (siehe auch Pillar 'Bauteiltrocknung'):

(1) R290 (Propan) HT-WPs: bis 75 °C. Hersteller Vaillant aroVAIR FT, Viessmann Vitocal 350-G, NIBE F1255 HT.

(2) R1234ze HT-WPs: bis 90 °C. Hersteller AERMEC HighTemp, Carrier 30HX, Trane CGAQ-HT. Investition 50-100 % höher als R290-WP.

(3) R1233zd HT-WPs: bis 110 °C. Hersteller Spezial-Anbieter wie ITS Vahterus, EKM Industrial.

(4) CO2-Wärmepumpen (R744): bis 130 °C. Hersteller Mayekawa, Bitzer, GEA. Investition 80-150 % höher.

(5) Großanlagen 1-10 MW: spezielle Industrie-Wärmepumpen. Hersteller MAN ES, Siemens Energy, Mitsubishi Heavy Industries.

Fortschritt 2024-2026

  • HT-WPs werden zunehmend Standard, Marktanteil im Industrie-Bereich steigt von 5 % (2020) auf 25 % (2026).
  • Lieferzeiten 6-18 Monate (höher als Standard-WPs).
  • Service-Netzwerk noch begrenzt — wenige spezialisierte Servicetechniker.
  • Forschung an > 200 °C-WPs (DLR, Fraunhofer-IEG): Marktreife voraussichtlich 2028-2030.

Für Industrie-Anwendungen wichtig: enge Abstimmung mit Hersteller-Service und Spezialisten-Heizungsbauer.

Abwärme-Nutzung als Wärmequelle#

Bei Industrie-Anwendungen ist oft Abwärme vorhanden, die kostenlos als Wärmepumpen-Quelle genutzt werden kann:

(1) Druckluft-Anlagen: Verdichter geben 80 % der eingesetzten Energie als Wärme ab. Bei einem 100-kW-Verdichter: 80 kW Abwärme bei 70-90 °C. Direkt nutzbar oder für WP als Quelle.

(2) Kältemaschinen: Kälteanlagen geben Kondensator-Wärme bei 30-45 °C ab. Mit Wärmepumpe auf höheres Niveau gehoben.

(3) Industrie-Prozesse: Abkühlung von Produkten, Brüdenkondensation, Galvanik-Kühlung. Wärme bei 30-80 °C.

(4) Lüftungs-Anlagen: Abluft mit hoher Wärmedichte (z. B. Rechenzentrum 25-35 °C, Großküche 30-50 °C).

(5) Kühl-/Klimaanlagen: Wärme aus Klima-Anlagen-Außengeräten.

Abwärme-Wärmepumpe hat extrem hohen COP (oft 5-8), weil Wärmequelle bereits warm ist. Beispiel

  • Druckluft-Abwärme bei 70 °C
  • Heizkreis-Vorlauf 80 °C
  • Temperatur-Hub nur 10 K
  • COP entsprechend 7-8

Voraussetzung: Abwärme-Quelle muss räumlich nahe der Wärme-Senke sein (Wärmeleitungen kosten Energie und Investition).

ROI Abwärme-Wärmepumpe: 1-3 Jahre durch hohe COP und kostenlose Wärmequelle. Investition typisch 30-50 % höher als Standard-WP wegen spezieller Wärmequellen-Anbindung.

Sektor-Kopplung Industrie#

Sektor-Kopplung kombiniert Strom-Erzeugung (PV, Wind), Strom-Nutzung (Wärmepumpe), Wärme-Speicherung und ggf. Wasserstoff-Erzeugung in einem System:

(1) PV-Anlage auf Industrie-Dach: 100 kWp - 5 MWp je Standort. Investition 600-900 Euro/kWp.

(2) Stromspeicher (Lithium-Ionen): für Lastverschiebung und Spitzenlast-Reduktion. Investition 400-600 Euro/kWh.

(3) Wärmepumpe für Prozesswärme: erzeugt Wärme aus PV-Strom oder Netz-Strom.

(4) Großwärme-Speicher (Wasser oder Latentwärme): puffert Wärme zwischen Erzeugung und Bedarf.

(5) Optional Wasserstoff-Erzeugung: bei großem PV-Überschuss Elektrolyse für Hochtemperatur-Anwendungen.

(6) Lastmanagement-System: optimiert Strom-/Wärme-Flüsse.

Beispiel mittelständischer Industrie-Betrieb in BW

  • 1 MW PV auf Hallendach
  • 500 kWh Stromspeicher
  • 200 kW Hochtemperatur-Wärmepumpe für Prozesswärme
  • 50 m³ Wärmespeicher
  • Investition gesamt 2,2 Mio Euro
  • Förderung BEG-NWG + KfW + BMWi-EEW: 1,1 Mio Euro
  • Eigenanteil 1,1 Mio Euro
  • Energiekosten-Ersparnis 350.000-500.000 Euro/Jahr (gegenüber Erdgas-Prozesswärme)
  • ROI 3-4 Jahre

Neben-Effekt: Klima-Neutralität-Argument bei Kunden, Image-Vorteil, ggf. Sustainability-Reporting (CSRD-Pflicht ab 2024).

Förderung BMWi-EEW und BEG-NWG#

Förder-Programme für Industrie-Prozesswärme 2026:

(1) BEG-NWG: 30 % Grundförderung. Nicht primär für Prozesswärme, aber bei Gebäude-bezogenen Komponenten der Wärmepumpen-Anlage.

(2) BMWi-EEW 'Energieeffizienz und Prozesswärme aus erneuerbaren Energien': 30-60 % Zuschuss je Effizienz-Klasse. Hauptförder-Programm für Industrie-Prozesswärme.

(3) BAFA-Großwärmepumpen-Modul: Anlagen über 100 kW thermisch.

(4) KfW 295 'Klimaschutz Mittelstand': Tilgungs-Zuschuss 50 % auf Investition.

(5) IPCEI 'Important Project of Common European Interest': für sektor-relevante Modernisierungen.

(6) CO2-Steuer-Vermeidung: bei Wärmepumpe entfällt CO2-Anteil im Strom (im Industrie-Bereich erheblich, weil Strom-Mix oft erneuerbare Anteile hat).

(7) EU-Modernisierungs-Fonds: zusätzliche Mittel für CO2-arme Industrie-Modernisierung.

Kombinations-Möglichkeiten: BMWi-EEW + KfW + EU-Fonds kann 70-80 % der Investition decken.

Antrags-Reihenfolge bei BMWi-EEW: Antrag VOR Beauftragung des Heizungsbauers, Verwendungsnachweis innerhalb 36 Monaten. Spezial-Beratung durch BMWi-akkreditierte Energie-Berater (höhere Anforderungen als BAFA-Berater).

ROI-Verbesserung durch Förderung: bei 60 % Förder-Quote sinkt ROI von 6-8 Jahren auf 2-3 Jahre. Wirtschaftlich für fast alle Industrie-Anwendungen.

Anwendungs-Beispiele 2024-2026#

Erfolgs-Beispiele Industrie-Wärmepumpen 2024-2026:

(1) Tafelapfelsaft-Hersteller (Bayern): 250-kW-R1234ze-HT-WP für Pasteurisation 90 °C. Investition 380.000 Euro, BMWi-EEW 60 % Zuschuss = 152.000 Euro Eigenanteil. Energie-Einsparung 65.000 Euro/Jahr. ROI 2,3 Jahre.

(2) Pharma-Hersteller (Hessen): 150-kW-CO2-WP für Niedertemperatur-Reinigung 60 °C. Investition 280.000 Euro, kombinierte Förderung 65 % = 98.000 Euro Eigenanteil. Energie-Einsparung 35.000 Euro/Jahr + CO2-Steuer-Ersparnis 8.000 Euro = 43.000 Euro/Jahr. ROI 2,3 Jahre.

(3) Galvanik-Betrieb (NRW): Abwärme-Wärmepumpe 200 kW aus Galvanik-Bädern (50 °C) auf Heizkreis (35 °C) für Hallen-Heizung. Investition 220.000 Euro, BMWi-EEW + BEG-NWG 60 % Förderung = 88.000 Euro Eigenanteil. Energie-Einsparung 55.000 Euro/Jahr. ROI 1,6 Jahre.

(4) Großmolkerei (Niedersachsen): 1.500-kW-Großwärmepumpe für Milch-Pasteurisation und Trocknung. Investition 1,8 Mio Euro, IPCEI + BMWi 70 % Förderung = 540.000 Euro Eigenanteil. Energie-Einsparung 350.000 Euro/Jahr. ROI 1,5 Jahre.

(5) Mittelständischer Lackier-Betrieb (Sachsen): 300-kW-R1234ze-WP für Lackier-Trockenkammern 80 °C. Investition 480.000 Euro, BMWi-EEW 60 % = 192.000 Euro Eigenanteil. Energie-Einsparung 80.000 Euro/Jahr + CO2-Steuer-Ersparnis 18.000 Euro = 98.000 Euro/Jahr. ROI 2 Jahre.

Lehrer aus den Beispielen: Industrie-Anwendungen mit hohem Förderanteil haben extreme ROI-Vorteile. Wirtschaftlichkeit fast immer gegeben, aber Spezial-Knowhow für Antrag und Auslegung wichtig.

Häufige Fragen — Wärmepumpe für Industrie-Prozesswärme

Lohnt sich eine Wärmepumpe für Industrie-Prozesswärme?
Sehr stark. ROI typisch 1,5-3 Jahre durch hohe Energie-Bedarfe und kombinierte Förderung BMWi-EEW + KfW + BEG-NWG bis 70-80%.
Bis welche Temperatur sind Wärmepumpen geeignet?
R290 bis 75°C, R1234ze bis 90°C, R1233zd bis 110°C, CO2 (R744) bis 130°C. Über 130°C aktuell schwer wirtschaftlich, Forschung läuft. Hochtemperatur-WPs 50-150% teurer als Standard.
Was bringt Abwärme-Nutzung?
COP von 5-8 statt 3-4 bei Standard-WP. Druckluft-Abwärme, Kälteanlagen, Industrie-Prozesse als Wärmequelle. Investition 30-50% höher, ROI aber sehr kurz (1-3 Jahre).
Welche Förderung ist der wichtigste?
BMWi-EEW 'Energieeffizienz und Prozesswärme': 30-60% Zuschuss, Hauptförder-Programm für Industrie. Plus BEG-NWG 30%, KfW 295 50% Tilgungs-Zuschuss, EU-Modernisierungs-Fonds.
Was ist Sektor-Kopplung?
Kombination von PV-Strom, Wärmepumpe, Stromspeicher und Wärmespeicher. Industrie-Anwendungen mit 1 MW+ PV + 200-500 kW WP haben ROI 3-4 Jahre und werden Klima-neutral.

Spezial-Anwendung mit Energieberater

Spezial-Wärmepumpen-Anwendungen sind komplex. BAFA-zugelassener Energieberater begleitet Auslegung und Förderung.