Bifaziale Solarmodule: Mehr Ertrag durch Rückseitenstrom
Bifaziale PV-Module nutzen Sonnen- und Streulicht von beiden Seiten. Wie viel mehr Ertrag bringen sie? Anwendungsfälle, Kosten und wann bifaziale Module die bessere Wahl sind.

Bifazial: Strom von vorne und hinten
Standard-Solarmodule erzeugen Strom nur aus dem auf die Vorderseite fallenden Licht. Bifaziale Module haben auf der Rückseite ebenfalls eine aktive Solarzellschicht, die reflektiertes und diffuses Licht von unten nutzt.
Technischer Aufbau
Bifaziale Module bestehen aus:
- Aktiver Zellschicht (Vorder- und Rückseite)
- Klarglas auf der Rückseite (statt opaker Rückseitenfolie) – lässt Licht durch
- Rahmen (optional – rahmenlose Module sind ebenfalls möglich)
Die Rückseite erzeugt typisch 10–30 % der Vorderseitenleistung (je nach Albedo-Bedingungen).
Albedo: Der Schlüsselfaktor
Die Effizienz des Rückseitenstroms hängt vom Reflexionsgrad (Albedo) des Untergrunds ab:
| Untergrund | Albedo | Rückseiten-Ertrag |
|---|---|---|
| Frischer Schnee | 80–90 % | Sehr hoch |
| Kiesschicht (weiß) | 25–35 % | Gut |
| Betonfläche | 20–30 % | Gut |
| Asphalt/dunkle Folie | 5–10 % | Gering |
| Gras/Vegetation | 15–25 % | Mittel |
| Rotes Ziegeldach | 10–15 % | Gering |
Wann lohnen sich bifaziale Module?
Ideal: Freiflächen und Flachdächer
- Hohe Montage über hellem Untergrund (Kies, Beton)
- Gute Belüftung (höherer Abstand zur Fläche → mehr Rückseitenstrahlung)
- Vertikale Montage (Agri-PV, Lärmschutzwände, Fassaden)
Weniger geeignet: Schrägdächer
- Rückseite zeigt auf dunkle Dacheindeckung (Albedo < 10 %)
- Geringe Abstände zwischen Modul und Dach
- Mehrertrag oft < 3 % → Mehrpreis kaum amortisierbar
Produktionsbeispiel
10 kWp bifazial auf Flachdach (Kies, 30°):
- Vorderseitenertrag: 10.000 kWh × 0,85 (PR) = 8.500 kWh
- Rückseitenertrag (+12 %): +1.020 kWh
- Gesamtertrag: 9.520 kWh (statt 8.500 kWh monofazial)
- Mehreinnahmen (8 Ct/kWh Einspeisung): 82 €/Jahr → Amortisation des Mehrpreises in 3–5 Jahren
Kombination mit Trackern
Auf Freiflächenanlagen mit Einachs-Trackern (die Module folgen der Sonne) und bifazialen Modulen sind Mehrerträge von 20–30 % gegenüber feststehenden monofazialen Anlagen möglich.
Fazit
Bifaziale Module sind heute in vielen TOPCon-Anlagen Standard. Auf Schrägdächern ist der Mehrertrag minimal; auf Flachdächern und Freiflächen rechnen sie sich gut. Planen Sie beim Kauf die Albedo des Untergrunds ein.
Häufige Fragen
Was sind bifaziale Solarmodule?
Bifaziale Module können von beiden Seiten Strom erzeugen. Die Rückseite nutzt reflektiertes und diffuses Licht (Albedo) vom Untergrund. Mehrerträge von 5–25 % sind möglich, abhängig vom Reflexionsgrad des Untergrunds.
Wann lohnen sich bifaziale Module?
Bifaziale Module lohnen besonders: a) auf Flachdächern mit hellem Untergrund (Kiesschicht, helle Folie), b) auf Freiflächen mit schneebedecktem Boden im Winter, c) bei vertikaler Montage (Fassade, Zäune). Auf Schrägdächern ist der Mehrertrag gering (Rückseite zeigt auf dunkle Dachoberfläche).
Was kostet ein bifaziales Solarmodul?
Bifaziale Module kosten 5–15 % mehr als monofaziale Pendants. Der Mehrertrag kompensiert dies meist in 2–4 Jahren. Heute sind viele TOPCon-Module standardmäßig bifazial.
Wie viel mehr Ertrag bringt ein bifaziales Modul auf einem Flachdach?
Auf einem Flachdach mit Kiesschicht (Albedo 20–30 %) und 30° Modulneigung: ca. 8–15 % Mehrertrag auf der Rückseite. Gesamt-Mehrertrag der Anlage: 5–10 % gegenüber monofazial.
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