Energieberatung im Neubau: KfW-Anforderungen erfüllen
Energieberatung beim Neubau: KfW-Effizienzhaus-Standards (QNG, EH 40, EH 55), Wärmepumpen im Neubau, Planungsbegleitung und Fördermittel 2025.
Inhaltsverzeichnis
- GEG im Neubau: Was ist Pflicht?
- KfW-Standards: EH 40, EH 55 und QNG
- Wärmepumpe im Neubau: Die Standard-Heizlösung
- Rolle des Energieeffizienz-Experten im Neubau
- KfW-Förderung für Neubau 2025
- Energieausweis für den Neubau
- Planungsoptimierung: Worauf der EE achtet
GEG im Neubau: Was ist Pflicht?
Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) stellt Anforderungen an Neubauten in zwei Bereichen:
Primärenergiebedarf (Qp)
Der Jahres-Primärenergiebedarf darf das GEG-Referenzgebäude nicht überschreiten:
- Referenzgebäude: Fiktives Gebäude gleicher Geometrie mit definierten Bauteil-U-Werten
- Neubau muss ≤ 100 % des Referenzgebäudes erreichen (in der Praxis meist besser)
Transmissionswärmeverlust (H'T)
- Maximal 70 % des Referenzgebäudes (vereinfacht)
- Begrenzung der Wärmeverluste durch Außenbauteile
65 %-Erneuerbare-Pflicht (§ 71 GEG ab 2024)
- Jede neue Heizungsanlage im Neubau muss mindestens 65 % erneuerbare Energie nutzen
- Wärmepumpe: Erfüllt dies automatisch (Umweltwärme > 65 %)
- Gas-Heizung allein: Nicht mehr zulässig im Neubau (Ausnahmen: Biomasse, grüner Wasserstoff)
KfW-Standards: EH 40, EH 55 und QNG
Effizienzhaus-Nummern erklären sich selbst
Die Zahl gibt den Primärenergiebedarf als Prozentsatz des Referenzgebäudes an:
| Standard | Primärenergiebedarf | H'T-Grenzwert | WP-JAZ (Luft) |
|---|---|---|---|
| GEG-Minimum | ≤ 100 % | ≤ 70 % | 3,5–4,0 |
| EH 55 | ≤ 55 % | ≤ 70 % | 4,0–4,5 |
| EH 40 | ≤ 40 % | ≤ 55 % | 4,5–5,0 |
| EH 40 + QNG | ≤ 40 % + Nachhaltigkeitsklasse | 5,0+ | 4,8–5,5 |
QNG – Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude
Seit 2023 Voraussetzung für den höchsten KfW-Zinsvorteil:
- Ökologische Qualität (Primärenergiebedarf, Ökobilanz)
- Soziale Qualität (Barrierefreiheit, Schallschutz)
- Technische Qualität (Raumluft, Licht, Erdbebenresistenz)
- Zertifizierung durch akkreditierte Stelle (z. B. DGNB, BNB, NaWoh)
Wichtig: QNG erhöht Baukosten um ca. 5.000–15.000 € aber verbessert KfW-Konditionen erheblich.
Wärmepumpe im Neubau: Die Standard-Heizlösung
Warum WP im Neubau ideal ist
Der Neubau bietet optimale Voraussetzungen für Wärmepumpen:
1. Fußbodenheizung von Anfang an geplant
- 35–40 °C Vorlauftemperatur → JAZ 4,5–5,5
- Gleichmäßige Wärmeverteilung
- Kein Heizkörpertausch nötig
2. Niedrige Heizlast durch gute Dämmung
- EH 40: Heizlast nur 20–40 W/m² Wohnfläche
- 150 m² Neubau: oft nur 5–8 kW Heizlast
- Kleine, günstige WP ausreichend
3. Primärenergiefaktor-Vorteil
- WP Strom: fp = 1,8 (GEG Anlage 4)
- Umweltwärme: fp = 0,0
- Kombination → sehr günstiger Primärenergieausweis
WP-Typen im Neubau
| WP-Typ | Neubau-Eignung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Luft-Wasser-WP | ✅ Sehr gut | Günstigste Option, kein Grundstückseingriff |
| Sole-WP (Erdsonde) | ✅ Sehr gut | Höchste JAZ, ideal wenn Grundstück erlaubt |
| Sole-WP (Erdkollektor) | ✅ Gut | Wenn großes Grundstück vorhanden |
| Energiepfähle | ✅ Ideal (Neubau) | Nur bei Pfahlgründung, null Mehrkosten für Wärmequelle |
| Grundwasser-WP | ✅ Gut (wenn genehmigt) | Höchste JAZ, Genehmigung frühzeitig prüfen |
Dimensionierung im Neubau
Faustformel Neubau EH 40:
Heizlast = 25–35 W/m² × Wohnfläche
Beispiel: 160 m² EH 40:
Heizlast = 30 × 160 = 4.800 W = 4,8 kW
WP-Größe: 6 kW (+ Reserve für WW-Aufheizung)
Rolle des Energieeffizienz-Experten im Neubau
Planungsphase (vor Baubeginn)
- Analyse der Architektenplanung auf energetische Qualität
- Berechnung des Primärenergiebedarfs (KfW-Nachweis)
- WP-Empfehlung und Dimensionierungshinweise
- Ausstellung BzA (Bestätigung zum Antrag) → Pflicht vor KfW-Antrag
Baubegleitung (während Bau)
- Kontrolle der Umsetzung dämmrelevanter Details (3–5 Besuche)
- Prüfung: Wärmebrücken-Minimierung, Luftdichtheit
- Vorbereitung Blower-Door-Test (am Bautag)
- Protokollierung der Ausführungsqualität
Nach Fertigstellung
- BnD (Bestätigung nach Durchführung) ausstellen → Pflicht für KfW-Auszahlung
- Energieausweis (Bedarfsausweis) erstellen
- Einweisung Eigentümer in optimalen WP-Betrieb
KfW-Förderung für Neubau 2025
BEG WG (Wohngebäude) – Hauptprogramm
KfW 297/298 – Klimafreundlicher Neubau:
| Standard | Zinsvorteil | Kreditbetrag (je WE) |
|---|---|---|
| EH 40 | Günstige Zinsen | Bis 150.000 € |
| EH 40 + QNG | Noch günstigerer Zins | Bis 150.000 € |
Aktueller Zinssatz: Marktabhängig; KfW-Zins historisch 0,5–2,0 % unter Markt.
KfW 431 – Energieeffizienz-Experten-Kosten
- 50 % Zuschuss auf EE-Honorar
- Max. 5.000 € Zuschuss (= 10.000 € EE-Kosten)
- Antrag über KfW (nicht BAFA)
- Voraussetzung: EE aus Bundesliste
Nicht mehr: KfW EH 55 (eingestellt)
KfW 55 wurde 2022 eingestellt und nicht reaktiviert. EH 40 ist der jetzige Mindeststandard für KfW BEG WG.
BAFA für die WP selbst
WP im Neubau: Grundsätzlich nicht über BAFA BEG EM förderbar (BEG EM gilt für Bestandsgebäude). Die WP im Neubau wird über den KfW-Kredit (BEG WG) mitfinanziert.
Energieausweis für den Neubau
Bedarfsausweis (Pflicht im Neubau)
Im Gegensatz zum Altbau (Wahlrecht) ist im Neubau der Bedarfsausweis Pflicht:
- Berechnet nach normiertem Nutzungsverhalten (DIN V 18599)
- Erstellt vom Energieeffizienz-Experten
- Wird beim Verkauf/Vermietung vorgelegt
- Pflichtinhalt: Energieeffizienzklasse (A+ bis H), Primärenergiebedarf, Endenergiebedarf, Heizungstyp
Energieeffizienzklassen
| Klasse | Primärenergiebedarf |
|---|---|
| A+ | ≤ 30 kWh/m²·a |
| A | 30–50 kWh/m²·a |
| B | 50–75 kWh/m²·a |
| C | 75–100 kWh/m²·a |
Neubau mit WP und EH 40: Typisch Klasse A oder A+ (18–45 kWh/m²·a Primärenergie).
Planungsoptimierung: Worauf der EE achtet
Wärmebrücken-Minimierung
Wärmebrücken können 10–30 % des Transmissionsverlustes ausmachen:
| Planungsdetail | Wärmebrücken-Einfluss |
|---|---|
| Auskragende Balkonplatte | Hoch → thermisch getrennte Balkone |
| Fensteranschluss | Mittel → Laibungsdämmung, ISO-Blöcke |
| Kellerwand-Anschluss | Mittel → Perimeterdämmung |
| Dachranddetail | Gering–Mittel → Überstand planen |
Optimale WP-Planung in der Entwurfsphase
- Rohrleitungsführung kurz halten (Kältemittelleitungen Split, Sole-Leitungen)
- Außeneinheit-Standort in Planungsphase festlegen (Schallschutz, Abstand)
- Pufferspeicher-Raum einplanen (mind. 0,5–1 m² im Technikraum)
- Elektro-Hausanschluss: 3×25A für WP + Hausanschluss (mit Elektriker abstimmen)
- SG-Ready-Verkabelung: Signalleitung PV→WP vorbereiten
Lüftung und Luftdichtheit
EH 40 erfordert oft kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL):
- KWL + WP: Synergie (KWL liefert vortemperierte Luft → weniger WP-Last)
- Blower-Door-Zielwert: n50 ≤ 1,5 h⁻¹ (KfW-Anforderung EH 40)
- EE überwacht Luftdichtheit während Bauphase
→ Neubau-Energieberatung und KfW-Förderung anfragen
Verwandte Ratgeber:
Häufige Fragen
Brauche ich für einen Neubau einen Energieeffizienz-Experten?
Für KfW-Förderung: Ja – Energieeffizienz-Experte (EE) aus der Bundesliste ist Pflicht. Der EE begleitet die Planung (Baubegleitung), prüft die energetischen Eigenschaften und stellt die Bestätigungen aus (BzA vor Antragstellung, BnD nach Fertigstellung). Ohne EE: Keine KfW BEG WG Förderung. Für reine GEG-Erfüllung (ohne Förderung): Kein EE nötig, aber empfohlen.
Was ist KfW Effizienzhaus 40 und warum ist es wichtig für die WP?
KfW Effizienzhaus 40 (EH 40): Primärenergiebedarf ≤ 40 % des GEG-Referenzgebäudes. Transmissionswärmeverlust H'T ≤ 55 % des Referenzgebäudes. In der Praxis: Sehr gut gedämmtes Gebäude mit niedriger Vorlauftemperatur (30–40 °C). Ideal für Wärmepumpen: JAZ 4,5–5,5 erreichbar. Voraussetzung für KfW-Kredit BEG WG (297/298) mit günstigem Zinssatz.
Was kostet die Energieberatung beim Neubau?
EE-Kosten Neubau: Energetische Planung (Nachweisführung GEG): 1.000–2.500 €. KfW-Baubegleitung (3–5 Besuche): 1.500–3.500 €. Gesamt: 2.500–6.000 €. Förderung: 50 % Zuschuss über KfW 431 (Energieeffizienz-Expertenliste); max. 5.000 €. Effektive Eigenkosten: oft 1.250–3.000 €. Im Vergleich zu Gesamtbaukosten: 0,3–1 % – gut investiert.
Jetzt kostenlose Beratung anfordern
Finden Sie qualifizierte Energieberater und Wärmepumpeninstallateure in Ihrer Region.