Fassaden-Photovoltaik: PV-Module in der Gebäudehülle
Fassaden-PV (BIPV): Solarmodule in Fassaden integrieren – Möglichkeiten, Ertrag, Kosten, Ästhetik und für welche Gebäude sich Fassaden-Photovoltaik lohnt.

Fassaden-PV: Photovoltaik an der Wand
Die Fassade eines Gebäudes ist oft die größte ungenutzte Solarpotenzialfläche. Besonders bei Hochhäusern und städtischen Gebäuden mit wenig Dachfläche bietet die Fassade enorme Potenziale zur PV-Integration.
Ertragspotenzial
Senkrecht montierte Module erhalten weniger direkte Sonneneinstrahlung als optimal geneigte Dachanlagen. Dafür profitieren sie von:
- Diffusem Himmelslicht (großer Anteil bei bedecktem Himmel)
- Reflektiertem Licht von Straßen und benachbarten Gebäuden
- Niedrigem Sonnenstand im Winter (ideal für senkrechte Flächen)
Jahresertrag einer Südfassade: ca. 550–700 kWh/kWp (vs. 950–1.100 kWh/kWp Dach Süd) Westfassade: ca. 450–600 kWh/kWp Ostfassade: ca. 400–550 kWh/kWp Nordfassade: wirtschaftlich kaum sinnvoll
Systemvarianten
1. Hinterlüftete Fassade mit PV-Modulen
Standard-PV-Module werden in eine hinterlüftete Fassadenkonstruktion eingebaut. Die Hinterlüftung kühlt die Module und verbessert den Ertrag. Austausch einzelner Module einfach möglich.
2. Glas-Glas-Module als Fassadenelement
Semitransparente Module lassen Licht ins Gebäudeinnere – ideal für Büros und öffentliche Gebäude. Lichtdurchlass je nach Zelldichte: 10–40 %.
3. Farbige oder texturierte Module
Hersteller bieten Module in verschiedenen Farben und Oberflächenstrukturen an (schwarz, blau, rot, Betonstruktur). Ideal für Gestaltungsanforderungen und Denkmalschutzbereiche.
4. Solarfenster
Teiltransparente PV-Gläser ersetzen Fenster. Noch in früher Markteinführungsphase, aber technologisch realisierbar.
Anwendungsbereiche
- Bürogebäude: Westfassade für Nachmittagsertrag, Sonnenschutz für Büros
- Wohnhochhäuser: Südfassade für maximalen Ertrag
- Industriehallen: Großflächige Süd- oder Westfassaden
- Lärmschutzwände: Senkrechte PV entlang Autobahnen und Bahntrassen
- Carports und Überdachungen: Schrägdach-Module über Parkflächen
Kosten
Fassaden-PV ist deutlich teurer als Dachanlagen:
- Standardmodule in Fassadenkonstruktion: 200–400 €/m²
- Spezialglas-Fassadenmodule: 400–800 €/m²
- Design-/Farbmodule: 600–1.200 €/m²
Die höheren Kosten relativieren sich, wenn die Fassade ohnehin erneuert werden muss – PV-Module ersetzen dann teure Glasfassadenelemente.
Genehmigung
Fassaden-PV an der eigenen Fassade ist meist genehmigungsfrei (nach LBO je nach Bundesland). Bei Denkmalschutz oder Ensembleschutz ist eine Abstimmung mit der Denkmalbehörde nötig.
Fazit
Fassaden-PV ist eine zukunftsweisende Technologie für städtische Gebäude mit wenig Dachfläche. Wirtschaftlich interessant ist sie vor allem in Kombination mit ohnehin anstehenden Fassadensanierungen oder bei Neubauten mit hohem Architekturanspruch.
Häufige Fragen
Was ist Fassaden-Photovoltaik?
Fassaden-PV bezeichnet die Integration von Solarmodulen in die vertikale Außenwand eines Gebäudes. Module ersetzen herkömmliche Fassadenelemente (Glas, Verkleidung) und erzeugen gleichzeitig Strom.
Wie viel Ertrag bringt eine Fassaden-PV-Anlage?
Fassadenmodule erzeugen durch die senkrechte Ausrichtung nur 50–70 % des Ertrags einer optimal geneigten Dachanlage. Dafür produzieren sie im Winter relativ mehr (niedrigerer Sonnenstand = besser für senkrechte Flächen) und profitieren von bifazialer Strahlung.
Welche Gebäude eignen sich für Fassaden-PV?
Ideal: Hochhäuser, Bürogebäude, Industriebauten mit großen Süd- und Westfassaden, Wohngebäude mit Platzmangel auf dem Dach. Auch Lärmschutzwände (vertikal) eignen sich für PV-Integration.
Was kosten Fassaden-PV-Anlagen?
Fassaden-PV ist deutlich teurer als Dachanlagen: 300–600 €/m² Modulfläche für Standardglas-Fassadenelemente, bis zu 800–1.200 €/m² für hochintegrierte Designmodule. Die Mehrkosten gegenüber normaler Fassade sind geringer, wenn die Fassade ohnehin erneuert werden muss.
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