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Gewerbe-Wärmepumpe — Auslegung, Förderung, Praxis

Wärmepumpen für Gewerbe-Immobilien (Büro, Werkstatt, Lager, Verkauf): Heizlast 30-300 kW, oft mit Kombi-Anforderung Heizen + Kühlen. Förderung über BAFA-EM oder KfW 295/297, Stromtarif-Vorteile durch Gewerbe-Konditionen, kürzere Amortisation als im Wohnbau.

Gewerbe-spezifische Auslegung

Typologie: • Bürogebäude (200-2.000 m²): Heizlast 30-150 kW, hoher Kühlbedarf Sommer • Werkstatt/Produktion (500-3.000 m²): Heizlast 50-300 kW, hohe Lüftungsverluste • Lagerhalle (500-5.000 m²): Heizlast 30-200 kW, Frost-/Bautenschutzheizung • Verkaufsfläche (200-1.500 m²): Heizlast 40-150 kW, hohe Tür-Öffnungsfrequenz • Hotel/Pension (500-5.000 m²): Heizlast 80-400 kW, sehr hoher TWW-Bedarf Auslegungs-Spezifika Gewerbe vs. Wohnbau: • Höhere Lüftungsverluste (RLT-Anlagen, Tor-Öffnungen) • Größere Lastsprünge (Tagschicht/Nachtschicht, Wochenend-Absenkung) • Oft passive/aktive Kühlung gewünscht — reversible WP • Hochtemperatur-Anwendungen (z. B. Verfahrenstechnik > 70 °C) • Schicht-Lastprofil — Spitzenlast kürzer als im EFH • Stromanschluss meist > 100 A vorhanden, Netzzugang einfacher Konzepte: Konzept A — Reversible Luft-WP-Kaskade: • 2-6 Module à 30-80 kW (Daikin VRV, Mitsubishi City Multi) • Heizen + Kühlen über VRF-System mit Inneneinheiten • Geeignet für Bürogebäude, Verkauf • Investition: 350-650 €/kW Heizleistung Konzept B — Sole/Wasser-Großanlage: • Erdsonden-Feld (10-40 Bohrungen à 80-150 m) • WP zentral 50-300 kW • Vorteil: höchste JAZ (4,5-5,2), passive Kühlung gratis • Nachteil: Bohrkosten 60-180k €, Genehmigung 3-9 Monate Konzept C — Wasser/Wasser mit Grundwasser: • Saug- und Schluckbrunnen 8-25 m tief • Förderleistung 5-30 m³/h je nach Bedarf • JAZ 4,8-5,5 möglich • Wasserrechtliche Genehmigung Pflicht Konzept D — Hochtemperatur-WP für Prozessabwärme: • Industrie-WP > 100 °C VL (Mitsubishi ETW, Combitherm) • Abwärme-Nutzung aus Druckluft, Kühlung, Lüftung • ROI oft < 5 Jahre bei kontinuierlichem Wärmebedarf

Förderung & Wirtschaftlichkeit Gewerbe

BAFA-Förderung BEG-NWG (Nichtwohngebäude): • Grundförderung 30 % auf förderfähige Kosten • Klimabonus 20 %: Austausch alter Heizung > 20 J. • Effizienzbonus 5 %: bei Sole/Wasser oder R290 • Maximum 50 % insgesamt (kein Einkommensbonus für Gewerbe) • Förderhöchstbetrag: 1.000 €/m² Nettogrundfläche, max. 1 Mio. € • De-minimis: bei kleineren Maßnahmen ggf. einfacher KfW 295 (Klimafreundlicher Neubau Nichtwohngebäude): • Bei Neubau zu EH 40 NWG: Kredit bis 5 Mio. € pro Vorhaben • Tilgungszuschuss 5-12,5 % • Voraussetzung: NWG-Energiestandard, Lebenszyklus-Analyse KfW 297 (Klimafreundliche Sanierung NWG): • Bei Komplett-Sanierung • Kredit bis 5 Mio. €, Tilgungszuschuss 10-25 % • Voraussetzung: Energieberater-Bestätigung Wirtschaftlichkeits-Beispiel (Bürogebäude 1.500 m², Heizlast 100 kW): • Investition Luft-WP-Kaskade: 65k € (650 €/kW) • BAFA-Förderung 30 %: -19,5k € • Eigenanteil: 45,5k € • Energie-Verbrauch Heizen: 200 MWh/Jahr (Gas-Bestand: 22.000 €/Jahr) • WP-Strom (JAZ 3,5): 57 MWh × 25 ct (Gewerbe-Tarif) = 14.250 €/Jahr • Ersparnis: 7.750 €/Jahr • Plus Kühlung im Sommer integriert (Bestand: separate Klimaanlage 8-15k €) • Amortisation: ca. 6 Jahre Gewerbe-Strom-Vorteile: • Gewerbestromtarif oft 3-7 ct/kWh günstiger als Privatstrom • § 14a EnWG (steuerbare Verbraucher) auch für Gewerbe-WP > 4,2 kW • Eigenstrom-PV (Mittelspannung): EEG-Vergütung + Eigenverbrauch wie Wohnbau • Lastmanagement-Verträge: weitere Vergünstigung möglich Praxis-Stolpersteine: • Bestand-Heizflächen für VL 70 °C ausgelegt → WP nicht effizient ohne Tausch • RLT-Anlage nicht WP-tauglich → Wärmerückgewinnung fehlt • Stromanschluss-Erweiterung nötig: Netzbetreiber-Anfrage 4-12 Wochen • Schallschutz (Außeneinheit, Nachbar-Gebäude): TA Lärm einhalten • Steuerliche Behandlung: Investitions-Abschreibung (AfA) nutzen, ggf. § 7c EStG (Sonderabschreibung)

⚠ Praxis-Hinweis

Gewerbe-WP-Auslegung erfordert Lastprofil-Analyse (Schicht-Betrieb, Wochenend-Absenkung). Pauschale Heizlast-Berechnungen aus Wohnbau-Tabellen führen oft zu Über- oder Unter-Dimensionierung. Lassen Sie Lastganglinien des Gas-Bestands auswerten.

Häufige Fragen — Gewerbe-Wärmepumpe — Detail-Konzept

Lohnt sich Wärmepumpe im Gewerbe wirtschaftlich?
Ja, in den meisten Fällen besser als im Wohnbau — günstigere Stromtarife (Gewerbe), höhere Förderbeträge möglich (BEG-NWG bis 1 Mio. € absolut), oft Kombi mit Kühlung sparbringend. Amortisation 4-8 Jahre realistisch bei Gas-Bestand. KfW 297 bei Sanierung sinnvoll prüfen.
Welche Förderung gibt es für Gewerbe-WP?
BEG-NWG (Nichtwohngebäude) über BAFA: 30 % Grundförderung + Klima- und Effizienzbonus, max. 50 %. Förderhöchstbetrag 1.000 €/m² Nettogrundfläche, max. 1 Mio. €. KfW 295 (Neubau) und KfW 297 (Sanierung) als Alternative. Kein Einkommensbonus für Gewerbe.
Wie wichtig ist Kühlung bei Gewerbe-WP?
Sehr wichtig — fast alle Gewerbe-Gebäude haben Kühlbedarf (Bürobetrieb, IT-Räume, Verkauf). Reversible WP oder VRF-Systeme können Heizen + Kühlen aus einem Gerät — spart 30-50 % Investition vs. separater Klima-Anlage. Bei Sole/Wasser-WP zusätzlich passive Kühlung gratis (kein Verdichter-Strom).
Welcher Stromanschluss ist nötig?
WP 50-100 kW Heizleistung benötigt 30-50 kW elektrische Anschlussleistung. Bestand-Gewerbe meist 100-250 A → reicht oft. Bei größeren Anlagen Mittelspannungs-Anschluss prüfen. Vor Auslegung: Netzbetreiber-Anfrage zur Anschlussleistung (§ 14a EnWG).
Welche Hochtemperatur-Anwendungen sind möglich?
Industrie-WP erreichen 95-130 °C VL mit speziellen Kältemitteln (R1336mzz, R1234ze). Anwendungen: Prozessdampf, Trocknungsluft, Wärmebehandlung. ROI oft < 5 Jahre bei kontinuierlichem Wärmebedarf > 24/7. Hersteller: Mitsubishi ETW, Combitherm, Heaten.

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