Energieberatung Praxis

Primärenergiefaktor bei Wärmepumpen: Was zählt wirklich?

Primärenergiefaktor (fp) bei Wärmepumpen erklärt: Welchen fp hat Strom 2025, wie beeinflusst er die GEG-Bewertung und den Energieausweis – mit aktuellen Werten.

5 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Was ist der Primärenergiefaktor?

Der Primärenergiefaktor (fp) gibt an, wie viel Primärenergie (Rohstoffe, Energieaufwand für Förderung, Transport, Umwandlung) benötigt wird, um eine Einheit Endenergie (z. B. 1 kWh Strom) bereitzustellen:

Primärenergiebedarf = Endenergiebedarf × Primärenergiefaktor (fp)

Warum fp > 1 bei Strom?

  • Kraftwerke haben Wirkungsgrad < 100 % (Kohlekraftwerk ~38 %, GuD ~55 %)
  • Netzverlustre: ~5–7 %
  • Für 1 kWh Endenergie Strom werden so 1,8 kWh Primärenergie eingesetzt

Warum wichtig für WP?

  • WP verbraucht Strom (Endenergie)
  • GEG bewertet Primärenergiebedarf → WP muss trotz fp 1,8 gut abschneiden
  • Lösung: JAZ > 1,8 → WP spart Primärenergie gegenüber direktem Heizen

Aktuelle fp-Werte 2025 nach GEG

Anlage 4 des GEG 2023 definiert die Primärenergiefaktoren:

Energieträger fp (Primärenergiefaktor)
Netzstrom (Bundesdurchschnitt) 1,8
Strom aus erneuerbaren Quellen (Ökostromerzeugung) 1,2
Erdgas 1,1
Flüssiggas 1,1
Heizöl 1,1
Steinkohle 1,1
Braunkohle 1,2
Fernwärme (fossil) 0,7
Holzpellets 0,2
Holz (Scheitholz) 0,2
Umweltwärme (kostenlos) 0,0

Wichtig: Die Umweltwärme (Anteil der WP, der aus Luft/Boden/Wasser stammt) hat fp = 0 → sehr günstig für WP-Bewertung.


Wie WPs im GEG-Nachweis bewertet werden

Berechnung GEG-Primärenergiebedarf

Q_p (WP) = Q_h ÷ JAZ × fp_Strom + Q_WW ÷ JAZ_WW × fp_Strom

Mit:
Q_h = Jahresheizwärmebedarf (kWh/m²/Jahr)
JAZ = Jahresarbeitszahl Heizung
JAZ_WW = Jahresarbeitszahl Warmwasser
fp_Strom = 1,8 (Netzstrom)

Rechenbeispiel: Altbau, WP vs. Gas

Gebäude: EFH 150 m², Heizwärmebedarf 120 kWh/m²/Jahr

Heizsystem Endenergie fp Primärenergie
Gasheizung (ηN = 92 %) 120 ÷ 0,92 = 130 kWh/m² 1,1 143 kWh/m²
WP (JAZ 3,5) 120 ÷ 3,5 = 34 kWh/m² Strom 1,8 62 kWh/m²
WP (JAZ 2,5) 120 ÷ 2,5 = 48 kWh/m² 1,8 86 kWh/m²

→ WP mit JAZ 3,5 hat 57 % niedrigeren Primärenergiebedarf als Gas. → Auch WP mit schlechter JAZ 2,5 hat noch 40 % niedrigeren Bedarf.

Break-even: WP ist ab JAZ > fp_Gas ÷ fp_Strom = 1,1 ÷ 1,8 = 0,61 besser als Gas. Bei JAZ > 0,61 ist WP immer primärenergetisch günstiger – das erreicht jede reale WP problemlos.


Primärenergie vs. Endenergie: Unterschied

Begriff Was gemessen wird Relevanz
Endenergiebedarf Energie am Hausanschluss (kWh Strom, m³ Gas) Auf Energierechnung, Abrechnungsgrundlage
Primärenergiebedarf Gesamter Ressourcenaufwand inkl. Vorkette GEG-Nachweis, Energieausweis
Nutzenergiebedarf Wärme, die wirklich ins Gebäude fließt Heizlastberechnung, Planung

Energieausweis: Zeigt beide Werte:

  • Endenergiebedarf: Relevant für Betriebskosten-Abschätzung
  • Primärenergiebedarf: Relevant für GEG-Klasse und Umweltbewertung

Auswirkung auf den Energieausweis

Energieeffizienzklassen (GEG 2023, ab 01.01.2023)

Klasse Primärenergiebedarf (kWh/m²/Jahr)
A+ < 30
A 30–50
B 50–75
C 75–100
D 100–130
E 130–160
F 160–200
G 200–250
H > 250

WP-Effekt auf Energieausweis:

  • Altbau unsaniert mit Gas: Klasse G–H (200–300 kWh/m²)
  • Selbes Haus mit WP JAZ 3,5: Klasse D–E (90–130 kWh/m²) – ohne Sanierung!
  • Nach Sanierung + WP JAZ 4,0: Klasse B–C (50–80 kWh/m²)

Verkaufswert: Höhere Energieeffizienzklasse steigert Immobilienwert (bis zu 10 % Aufpreis laut IW-Köln-Studie 2023).


WP + PV: Primärenergiebedarf optimieren

PV-Eigenverbrauch senkt fp

Wenn WP teilweise mit PV-Eigenstrom betrieben wird:

fp_eff = (Anteil Netzstrom × 1,8 + Anteil PV-Strom × 1,2) ÷ Gesamtstrom

Beispiel: 40 % PV-Eigenverbrauch, 60 % Netzstrom:
fp_eff = (0,6 × 1,8 + 0,4 × 1,2) ÷ 1 = 1,08 + 0,48 = 1,56

Gegenüber reinem Netzstrom (fp 1,8): Primärenergiefaktor um 13 % gesunken.

Energieausweis-Verbesserung: Energieberater kann PV-Anteil einrechnen → bessere Klasse.


Entwicklung des Stromfaktors

Der fp für Netzstrom sinkt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien:

Jahr fp Strom (GEG/EnEV) EE-Anteil Strom Deutschland
2014 2,6 27 %
2016 1,8 32 %
2023 1,8 52 %
2030 (Prognose) ~1,4–1,5 ~80 %
2045 (Klimaneutral) ~1,0 ~100 %

Konsequenz: WP-Anlagen werden mit der Energiewende automatisch besser in der GEG-Bewertung – ohne Umbau oder Nachrüstung.


→ Energieberatung mit GEG-Nachweis anfragen

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Häufige Fragen

Was ist der Primärenergiefaktor für Strom 2025?

Primärenergiefaktor (fp) für Netzstrom: Aktuell 1,8 laut GEG 2023 (Anlage 4). Bedeutung: Für jede kWh Endenergie (Strom) werden 1,8 kWh Primärenergie (Rohstoffäquivalent) angesetzt. Hintergrund: Strom in Deutschland noch zu großem Teil aus Kohle/Gas erzeugt → höherer fp als für Erdgas (1,1) oder Heizöl (1,1). Tendenz sinkend: Mit Energiewende (mehr EE-Strom) wird fp für Strom zukünftig auf 1,4–1,6 sinken.

Wie beeinflusst der Primärenergiefaktor die GEG-Bewertung der Wärmepumpe?

WP-Effizienz im GEG: Primärenergiebedarf (kWh/m²/Jahr) = Endenergiebedarf × fp ÷ JAZ. Beispiel: WP mit JAZ 3,5, Endenergiebedarf 100 kWh/m²/Jahr. Endenergie WP = 100 ÷ 3,5 = 28,6 kWh Strom/m²/Jahr. Primärenergie = 28,6 × 1,8 = 51,4 kWh/m²/Jahr. Vergleich Gas: 100 kWh × 1,1 = 110 kWh/m²/Jahr → WP hat 53 % niedrigeren Primärenergiebedarf als Gas.

Zählt Ökostrom oder PV-Strom mit einem anderen Primärenergiefaktor?

Ja – Ökostrom und PV-Eigenstrom: fp = 1,2 (laut GEG, Anlage 4, Strom aus erneuerbaren Quellen). PV-Eigenstrom sogar fp = 0 (lt. manche Nachweisführungen) oder 1,2. Grünstromvertrag: Wenn eindeutig nachgewiesen, kann fp 1,2 angesetzt werden. In der Praxis: Energieberater muss Nachweis prüfen. Für WP + PV: Deutlich bessere GEG-Bewertung möglich → Energieausweis verbessert sich.

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