Photovoltaik & Solar

PV-Direktvermarktung: Strom an der Börse verkaufen

PV-Direktvermarktung für Anlagen ab 100 kWp: Wie funktioniert der Stromverkauf an der Börse? Market Premium, Direktvermarkter und wann sich Direktvermarktung lohnt.

7 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Direktvermarktung: Pflicht ab 100 kWp

Seit der EEG-Novelle 2021 müssen PV-Anlagen ab 100 kWp zwingend an der Direktvermarktung teilnehmen. Für kleinere Anlagen (1–100 kWp) bleibt die feste EEG-Einspeisevergütung bestehen.

Funktionsweise der Direktvermarktung

  1. PV-Anlage erzeugt Strom: Echtzeit-Messung und Prognose durch Direktvermarkter
  2. Direktvermarkter vermarktet den Strom: An der EPEX Spot (Day-Ahead und Intraday)
  3. Marktpreis wird erzielt: Strom wird zum aktuellen Börsenpreis verkauft
  4. Marktprämie ergänzt: Differenz zwischen EEG-Fördersatz und Marktpreis wird als Marktprämie ausgezahlt
  5. Nettovergütung: Betreiber erhält Marktpreis + Marktprämie – Direktvermarkter-Gebühr

Marktprämie im Detail

Die Marktprämie (MP) berechnet sich als: MP = Anzulegender Wert − Monatsmarktwert Solar

Der „anzulegende Wert" entspricht dem EEG-Fördersatz. Der Monatsmarktwert ist der durchschnittliche EPEX-Stundenpreis in den Stunden, in denen PV produziert.

In Zeiten hoher PV-Einspeisung (Sommer, Mittag) ist der Monatsmarktwert niedrig (viel Angebot), die Marktprämie also höher. In schlechten Wetterperioden ist der Marktwert höher, die Prämie geringer.

Direktvermarkter-Gebühren

Direktvermarkter verlangen typisch 1–3 €/kWp/Monat:

  • 500 kWp × 2 €/kWp/Monat × 12 = 12.000 €/Jahr

Dafür übernehmen sie: Prognosemodelle, Handelsaktivitäten, Abrechnung, Monitoring, regulatorische Compliance.

Sonstige Direktvermarktung

Für Anlagen, die sich aus dem EEG verabschieden oder nie darin waren:

  • Bilateraler PPA-Vertrag mit einem Energieunternehmen
  • Verkauf an Industrieabnehmer (Corporate PPA)
  • Eigenversorgungsmodelle

Keine Marktprämie, aber oft langfristige Preissicherheit durch feste PPA-Verträge.

Wirtschaftlichkeit

Bei einem Marktpreis von 7 Ct/kWh und EEG-Satz von 6 Ct/kWh:

  • Marktprämie: Wenn Marktwert Solar < 6 Ct → Prämie
  • Wenn Marktwert Solar > 6 Ct → negative Marktprämie (Cap)

In der Praxis erzeugt Direktvermarktung in normalen Jahren ähnliche Erlöse wie die EEG-Festvergütung, bei hohen Börsenpreisen aber mehr.

Fazit

Direktvermarktung ist für Großanlagen Pflicht und bietet die Chance, von hohen Börsenstrompreisen zu profitieren. Die meisten Betreiber nutzen einen professionellen Direktvermarkter für die Abwicklung.

Häufige Fragen

Was ist PV-Direktvermarktung?

Bei der Direktvermarktung wird PV-Strom nicht zum festen EEG-Satz vergütet, sondern direkt an der Strombörse (EPEX Spot) verkauft. Anlagen ab 100 kWp müssen seit 2021 diesen Weg gehen. Ein Direktvermarkter übernimmt die technische Abwicklung.

Was ist die Marktprämie (Market Premium)?

Die Marktprämie gleicht die Differenz zwischen dem Marktwert des Stroms und dem EEG-Fördersatz aus. Sie stellt sicher, dass Direktvermarkter auch bei niedrigen Börsenstrompreisen eine wirtschaftliche Vergütung erhalten.

Welche Direktvermarkter gibt es in Deutschland?

Führende Direktvermarkter: EnBW, Baywa r.e., Next Kraftwerke, Statkraft, Vattenfall, Lichtblick, Konsortium. Sie übernehmen Prognose, Vermarktung und Abrechnung gegen eine monatliche Servicegebühr von ca. 1–3 €/kWp/Monat.

Kann ich meinen PV-Strom auch ohne Direktvermarkter vermarkten?

Ja – sonstige Direktvermarktung ohne Marktprämie. Sie verkaufen direkt oder über bilaterale Verträge. Kein Anspruch auf Marktprämie, aber mehr Flexibilität (z.B. Direktlieferung an Abnehmer, PPA).

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