PV-Freiflächenanlage: Planung, Genehmigung und wirtschaftliche Chancen
Freiflächen-Photovoltaik auf Ackerland oder Grünland: Genehmigungsweg, Bauleitplanung, EEG-Ausschreibung und was Landwirte und Investoren wissen müssen.

Freiflächen-PV: Chance für Landwirte und Investoren
Während Dachanlagen für Privathaushalte und Gewerbe stehen, bieten Freiflächen-Solarparks die Möglichkeit, in deutlich größerem Maßstab Solarstrom zu erzeugen. In Deutschland wird der Ausbau durch das EEG gefördert.
Planungsrecht: Wo darf Freiflächen-PV entstehen?
Das Planungsrecht für Freiflächen-PV ist komplex:
Privilegierte Standorte (§35 BauGB): Bestimmte Standorte sind privilegiert und bedürfen keines Bebauungsplans:
- 200 m-Streifen beidseitig von Autobahnen und Schienenwegen
- Konversionsflächen (ehem. Militär-, Industrie-, Deponieflächen)
- Moorböden (unter Bedingungen)
- Agri-PV (unter DIN-SPEC-Anforderungen)
Normalfall: Bebauungsplan der Gemeinde erforderlich. Der Vorhabenträger beantragt die Aufstellung eines B-Plans bei der Gemeinde. Die Gemeinde entscheidet, ob sie das Verfahren einleitet. Dauer: 1,5–5 Jahre.
EEG-Ausschreibungen
Anlagen > 750 kWp nehmen an Ausschreibungen teil:
- Ausschreibungsrunden: 3–4 mal jährlich (Bundesnetzagentur)
- Gebot: Fördersatz in Ct/kWh (je niedriger das Gebot, desto besser die Zuschlagschance)
- Förderung: Marktprämie (Differenz zwischen Marktpreis und Gebotssatz, 20 Jahre)
- Gebotsgrenzen: Variieren je nach Runde
Gebotshöhen 2026: Typisch 5–7 Ct/kWh für wettbewerbsfähige Standorte.
Pachtmodell für Landwirte
Landwirte verpachten ihre Flächen an PV-Investoren:
- Pachtdauer: Meist 25–30 Jahre (mit Verlängerungsoption)
- Pachtzins: 1.500–4.000 €/ha/Jahr (abhängig von Standort, Ertrag, Netzkapazität)
- Vorteile für Landwirt: Sicheres, langfristiges Einkommen ohne Bewirtschaftungsaufwand
- Nachteile: Fläche für 25 Jahre aus landwirtschaftlicher Nutzung heraus
Zur Orientierung: Landwirtschaftliche Pacht liegt typisch bei 200–600 €/ha/Jahr – PV-Pacht ist deutlich attraktiver.
Eigenentwicklung durch Landwirte
Landwirte können auch selbst investieren:
- Bebauungsplan initiieren (oder privilegierten Standort nutzen)
- Genehmigungen einholen (B-Plan, BImSchG, Naturschutz)
- EEG-Ausschreibung gewinnen (oder Klein-Anlage < 750 kWp mit Festvergütung)
- Anlage planen, bauen und betreiben
- Direktvermarktung des Stroms
Wirtschaftlichkeit: 1 MWp Freiflächenanlage auf eigenem Grundstück mit Ausschreibungsgewinn: Jahreseinnahmen ca. 70.000–100.000 €, Investition ca. 700.000–1.000.000 €, Amortisation ca. 10–14 Jahre.
Naturschutz und Biodiversität
Freiflächen-PV muss Naturschutzauflagen erfüllen:
- Abstände zu Schutzgebieten, Biotopen, Waldflächen
- Grünstreifen und Bepflanzung unter den Modulen
- Einzäunung ohne Kleintierfalle (bodenoffene Zäune)
- Ökologische Aufwertung oft gefordert (Blühstreifen, Schafbeweidung)
Fazit
Freiflächen-PV bietet Landwirten und Investoren attraktive Einkommensperspektiven. Die Umsetzung ist planungsrechtlich komplex – ziehen Sie frühzeitig Projektierer, Anwälte und Netzbetreiber hinzu.
Häufige Fragen
Wie groß ist eine typische Freiflächen-PV-Anlage?
Freiflächen-PV reicht von kleinen Anlagen (< 750 kWp, EEG-Festvergütung) bis zu riesigen Solar-Parks (> 100 MWp). Im Rhein-Main-Gebiet sind landwirtschaftliche Freiflächen begrenzt verfügbar – Dachpotenzial hat Vorrang.
Brauche ich eine Baugenehmigung für eine Freiflächen-PV-Anlage?
Ja. Freiflächen-PV im Außenbereich (§35 BauGB) ist nicht grundsätzlich privilegiert. Meist ist ein Bebauungsplan oder eine Ausnahme-/Zulassung nötig. Ausnahme: Anlagen auf Konversionsflächen (Deponie, ehem. Militäranlagen) oder Agri-PV mit Privilegierung.
Wie läuft die EEG-Ausschreibung für Freiflächen-PV ab?
Anlagen > 750 kWp müssen an EEG-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur teilnehmen. Gebote werden nach Höhe des beantragten Fördersatzes (Ct/kWh) ausgewählt. Der günstigste Bieter bekommt den Zuschlag. Ausschreibungsrunden finden mehrmals jährlich statt.
Lohnt sich Freiflächen-PV für Landwirte?
Landwirte können Flächen an PV-Investoren verpachten (Pacht: 1.500–4.000 €/ha/Jahr für 20+ Jahre) oder selbst in Freiflächen-PV investieren. In beiden Fällen ist das Einkommen deutlich höher als aus landwirtschaftlicher Nutzung allein.
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