Photovoltaik & Solar

PV-Freiflächenanlage: Planung, Genehmigung und wirtschaftliche Chancen

Freiflächen-Photovoltaik auf Ackerland oder Grünland: Genehmigungsweg, Bauleitplanung, EEG-Ausschreibung und was Landwirte und Investoren wissen müssen.

8 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Freiflächen-PV: Chance für Landwirte und Investoren

Während Dachanlagen für Privathaushalte und Gewerbe stehen, bieten Freiflächen-Solarparks die Möglichkeit, in deutlich größerem Maßstab Solarstrom zu erzeugen. In Deutschland wird der Ausbau durch das EEG gefördert.

Planungsrecht: Wo darf Freiflächen-PV entstehen?

Das Planungsrecht für Freiflächen-PV ist komplex:

Privilegierte Standorte (§35 BauGB): Bestimmte Standorte sind privilegiert und bedürfen keines Bebauungsplans:

  • 200 m-Streifen beidseitig von Autobahnen und Schienenwegen
  • Konversionsflächen (ehem. Militär-, Industrie-, Deponieflächen)
  • Moorböden (unter Bedingungen)
  • Agri-PV (unter DIN-SPEC-Anforderungen)

Normalfall: Bebauungsplan der Gemeinde erforderlich. Der Vorhabenträger beantragt die Aufstellung eines B-Plans bei der Gemeinde. Die Gemeinde entscheidet, ob sie das Verfahren einleitet. Dauer: 1,5–5 Jahre.

EEG-Ausschreibungen

Anlagen > 750 kWp nehmen an Ausschreibungen teil:

  • Ausschreibungsrunden: 3–4 mal jährlich (Bundesnetzagentur)
  • Gebot: Fördersatz in Ct/kWh (je niedriger das Gebot, desto besser die Zuschlagschance)
  • Förderung: Marktprämie (Differenz zwischen Marktpreis und Gebotssatz, 20 Jahre)
  • Gebotsgrenzen: Variieren je nach Runde

Gebotshöhen 2026: Typisch 5–7 Ct/kWh für wettbewerbsfähige Standorte.

Pachtmodell für Landwirte

Landwirte verpachten ihre Flächen an PV-Investoren:

  • Pachtdauer: Meist 25–30 Jahre (mit Verlängerungsoption)
  • Pachtzins: 1.500–4.000 €/ha/Jahr (abhängig von Standort, Ertrag, Netzkapazität)
  • Vorteile für Landwirt: Sicheres, langfristiges Einkommen ohne Bewirtschaftungsaufwand
  • Nachteile: Fläche für 25 Jahre aus landwirtschaftlicher Nutzung heraus

Zur Orientierung: Landwirtschaftliche Pacht liegt typisch bei 200–600 €/ha/Jahr – PV-Pacht ist deutlich attraktiver.

Eigenentwicklung durch Landwirte

Landwirte können auch selbst investieren:

  1. Bebauungsplan initiieren (oder privilegierten Standort nutzen)
  2. Genehmigungen einholen (B-Plan, BImSchG, Naturschutz)
  3. EEG-Ausschreibung gewinnen (oder Klein-Anlage < 750 kWp mit Festvergütung)
  4. Anlage planen, bauen und betreiben
  5. Direktvermarktung des Stroms

Wirtschaftlichkeit: 1 MWp Freiflächenanlage auf eigenem Grundstück mit Ausschreibungsgewinn: Jahreseinnahmen ca. 70.000–100.000 €, Investition ca. 700.000–1.000.000 €, Amortisation ca. 10–14 Jahre.

Naturschutz und Biodiversität

Freiflächen-PV muss Naturschutzauflagen erfüllen:

  • Abstände zu Schutzgebieten, Biotopen, Waldflächen
  • Grünstreifen und Bepflanzung unter den Modulen
  • Einzäunung ohne Kleintierfalle (bodenoffene Zäune)
  • Ökologische Aufwertung oft gefordert (Blühstreifen, Schafbeweidung)

Fazit

Freiflächen-PV bietet Landwirten und Investoren attraktive Einkommensperspektiven. Die Umsetzung ist planungsrechtlich komplex – ziehen Sie frühzeitig Projektierer, Anwälte und Netzbetreiber hinzu.

Häufige Fragen

Wie groß ist eine typische Freiflächen-PV-Anlage?

Freiflächen-PV reicht von kleinen Anlagen (< 750 kWp, EEG-Festvergütung) bis zu riesigen Solar-Parks (> 100 MWp). Im Rhein-Main-Gebiet sind landwirtschaftliche Freiflächen begrenzt verfügbar – Dachpotenzial hat Vorrang.

Brauche ich eine Baugenehmigung für eine Freiflächen-PV-Anlage?

Ja. Freiflächen-PV im Außenbereich (§35 BauGB) ist nicht grundsätzlich privilegiert. Meist ist ein Bebauungsplan oder eine Ausnahme-/Zulassung nötig. Ausnahme: Anlagen auf Konversionsflächen (Deponie, ehem. Militäranlagen) oder Agri-PV mit Privilegierung.

Wie läuft die EEG-Ausschreibung für Freiflächen-PV ab?

Anlagen > 750 kWp müssen an EEG-Ausschreibungen der Bundesnetzagentur teilnehmen. Gebote werden nach Höhe des beantragten Fördersatzes (Ct/kWh) ausgewählt. Der günstigste Bieter bekommt den Zuschlag. Ausschreibungsrunden finden mehrmals jährlich statt.

Lohnt sich Freiflächen-PV für Landwirte?

Landwirte können Flächen an PV-Investoren verpachten (Pacht: 1.500–4.000 €/ha/Jahr für 20+ Jahre) oder selbst in Freiflächen-PV investieren. In beiden Fällen ist das Einkommen deutlich höher als aus landwirtschaftlicher Nutzung allein.

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