Photovoltaik & Solar

PV-Inselanlage planen: Autarke Stromversorgung ohne Netzanschluss

PV-Inselanlage für Hütten, Wohnmobile und netzferne Standorte: Komponenten, Dimensionierung, Speichergröße und was eine Inselanlage von einer Netzanlage unterscheidet.

8 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Was ist eine PV-Inselanlage?

Anders als netzgekoppelte PV-Anlagen funktioniert eine Inselanlage vollständig ohne Verbindung zum öffentlichen Stromnetz. Sie versorgt Verbraucher ausschließlich aus PV-Erzeugung und gespeicherter Energie. Einsatzbereiche: Berghütten, Gartenhäuser, Wohnmobile, Expeditionsfahrzeuge, Campingplätze, Entwicklungsländer.

Komponenten einer Inselanlage

1. Solarmodule: Gleiche Technologie wie bei Netzanlagen. Leistung richtet sich nach Tagesverbrauch und Standortbedingungen.

2. Laderegler (MPPT oder PWM):

  • Regelt die Ladung des Akkus durch die PV-Module
  • MPPT-Laderegler (Maximum Power Point Tracking) sind effizienter (15–30 % mehr Ertrag als PWM)
  • Empfehlung: MPPT für alle Anlagen > 200 W

3. Batteriespeicher:

  • Herzstück der Inselanlage
  • LFP-Lithium: 3.000–6.000 Zyklen, wartungsarm, empfohlen
  • AGM-Blei: günstiger, aber kürzere Lebensdauer
  • Kapazität: 2–3 Tage Autonomie

4. Inselwechselrichter (für Wechselstrom):

  • Wandelt DC des Akkus in 230 V / 50 Hz AC um
  • Reinsinuswechselrichter für alle Geräte mit Elektromotoren oder Elektronik
  • Modifizierter Sinus nur für einfache Verbraucher

Dimensionierungsschritte

Schritt 1: Tagesverbrauch ermitteln

Liste aller Verbraucher mit Leistung (W) und täglicher Betriebsdauer (h):

Verbraucher Leistung Betrieb/Tag Verbrauch/Tag
LED-Beleuchtung (5 × 10 W) 50 W 4 h 200 Wh
Kühlbox 40 W 12 h 480 Wh
Laptop 60 W 3 h 180 Wh
Handy laden 10 W 2 h 20 Wh
Gesamt 880 Wh/Tag

Schritt 2: Speichergröße

Autonomie: 3 TageVerbrauch: 880 Wh/TagDoD: 80 % (LFP)Speicherkapazität brutto: 880 × 3 / 0,8 = 3.300 Wh = 3,3 kWh

Schritt 3: PV-Leistung

Standort: 4 Sonnenspitzenstunden/Tag (Alpenraum im Sommer)PV-Leistung: 880 Wh / 4 h / 0,85 (Systemverluste) = ca. 260 Wp→ Empfehlung: 400 Wp (Puffer für schlechte Tage)

Beispielkonfiguration (Gartenhaus)

  • 2 × 200 Wp Solarmodule
  • MPPT-Laderegler (30 A)
  • 100 Ah LFP-Batterie (12 V) = 1.200 Wh nutzbar
  • 500 W Reinsinus-Wechselrichter
  • Kosten: ca. 1.200–2.000 €

Fazit

Inselanlagen sind ausgereift und zuverlässig. Mit LFP-Batterien und MPPT-Ladenregler erreichen sie heute Lebensdauern von 15+ Jahren. Für größere Anlagen oder komplexe Anforderungen empfiehlt sich professionelle Planung.

Häufige Fragen

Was ist eine PV-Inselanlage?

Eine PV-Inselanlage funktioniert völlig ohne Netzanschluss. Sie besteht aus Solarmodulen, einem Laderegler, einem Batteriespeicher und – für Wechselstrom – einem Inselwechselrichter. Einsatz: Gartenhäuser, Berghütten, Wohnmobile, Campingplätze.

Wie groß muss der Speicher für eine Inselanlage sein?

Als Faustregel gilt: 2–3 Tage Autonomie. Bei 1 kWh/Tag Verbrauch und 3 Tagen Autonomie brauchen Sie 3–4 kWh nutzbare Kapazität. Zusätzlich muss die PV-Leistung ausreichen, den Speicher an einem Sonnentag vollständig zu laden.

Was kostet eine einfache PV-Inselanlage?

Eine kleine PV-Inselanlage (400 Wp, 100 Ah Lithium-Akku, Laderegler, Inselwechselrichter) kostet 800–2.500 €. Für eine vollständige Wohnhausversorgung ohne Netz können 30.000–80.000 € anfallen.

Was ist der Unterschied zwischen Insel- und Notstromanlage?

Eine Inselanlage ist dauerhaft netzunabhängig und für den Dauerbetrieb ausgelegt. Eine Notstromanlage ist primär an das Netz angeschlossen und springt nur bei Ausfall ein. Die Dimensionierung ist grundlegend verschieden.

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