Photovoltaik & Solar

PV und Peak Shaving: Lastspitzen mit Solarstrom vermeiden

Peak Shaving mit PV und Speicher: Wie Gewerbebetriebe Lastspitzen kappen, Netzgebühren sparen und den PV-Eigenverbrauch gleichzeitig erhöhen – erklärt mit Beispielen.

8 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Peak Shaving: Warum ist es relevant?

Gewerbliche Strom-Abnehmer zahlen neben dem verbrauchsabhängigen Arbeitspreis oft auch einen leistungsabhängigen Preis (Leistungspreis). Dieser richtet sich nach der gemessenen Jahreshöchstlast (kW). Kurzzeitige Lastspitzen durch anlaufende Maschinen, Klimaanlagen oder Kompressoren können die Jahreshöchstlast und damit die Netzgebühren dauerhaft erhöhen.

Wie Peak Shaving mit PV + Speicher funktioniert

  1. Monitoring: Das EMS überwacht den Momentanleistungsbedarf des Betriebs in Echtzeit
  2. Schwellenwert: Ein maximaler Netzanschlusswert wird definiert (z.B. 70 kW)
  3. Spitzenlastausgleich: Überschreitet der Bedarf 70 kW, liefert der Speicher die Differenz
  4. Laden: Speicher lädt in Schwachlastzeiten auf (oder mit PV-Überschuss)

Kombination PV + Peak Shaving

PV-Anlagen reduzieren tagsüber den Netzstrombezug. Gleichzeitig kann der Speicher:

  • Überschuss-PV-Strom puffern (Eigenverbrauchserhöhung)
  • Peak-Shaving betreiben (Lastspitzen kappen)
  • Notstrom bereitstellen

Diese Mehrfachnutzung verbessert die Wirtschaftlichkeit des Speichers erheblich.

Wirtschaftlichkeitsbeispiel

Gewerbebetrieb, 500 kWp PV, 200 kWh Speicher:

  • Jahreshöchstlast ohne Speicher: 150 kW
  • Kappung auf 100 kW durch Peak Shaving
  • Einsparung Leistungspreis: 50 kW × 15 €/kW/Monat × 12 Monate = 9.000 €/Jahr
  • Eigenverbrauchserhöhung durch Speicher: +30.000 kWh × 0,21 €/kWh = 6.300 €/Jahr
  • Gesamtnutzen Speicher: ~15.300 €/Jahr

Steuerliche und regulatorische Aspekte

  • Netzentgelte für steuerbare Lasten mit §14a EnWG können reduziert werden (bis zu 20 % Reduktion bei Zustimmung zur gelegentlichen Steuerung durch Netzbetreiber)
  • PV + Speicher + Wallbox: Alle drei unterliegen §14a und qualifizieren für ermäßigte Netzentgelte
  • Smart Meter Gateway: Pflicht für steuerbare Einrichtungen

Planungshilfen

Für eine professionelle Peak-Shaving-Analyse:

  1. Lastprofil-Analyse: Viertelstundenwerte aus dem Lastgang-Messpunkt des Netzbetreibers
  2. Simulationssoftware: LoadShift, EnergyPRO oder Angebote von Speicherherstellern
  3. Energieberater: Wirtschaftlichkeitsberechnung und Auslegung

Fazit

Peak Shaving ist ein wichtiger Nutzen-Multiplikator für gewerbliche PV+Speicher-Anlagen. In Kombination mit Eigenverbrauchserhöhung amortisieren sich Speicher im Gewerbebereich deutlich schneller als im privaten Bereich.

Häufige Fragen

Was ist Peak Shaving?

Peak Shaving bedeutet das Kappen von Leistungsspitzen im Stromnetz. Wenn kurzfristig viel Strom benötigt wird (z.B. beim Anlaufen großer Maschinen), versorgt der Speicher die Spitzenlast – der Netzanschluss muss keine hohe Spitzenlast liefern. Das spart Netzgebühren.

Wie spart Peak Shaving Geld?

Gewerbliche Stromtarife enthalten oft einen leistungsabhängigen Anteil (€/kW gemessene Spitzenleistung/Monat). Wer die Spitzenleistung von 100 kW auf 70 kW reduziert, spart 30 kW × Netzgebührensatz (oft 10–20 €/kW/Monat) = 3.000–6.000 €/Jahr.

Für wen ist Peak Shaving interessant?

Peak Shaving lohnt sich primär für Gewerbe- und Industriebetriebe mit leistungsabhängigen Netzentgelten und stark schwankendem Lastprofil (Maschinen, Klimaanlagen, Kompressoren). Für Privathaushalte ist der Nutzen gering.

Welche Speichergröße brauche ich für Peak Shaving?

Die Speichergröße richtet sich nach der Dauer der Lastspitze und dem Kappungsbetrag. Beispiel: 30 kW Kappung bei 15 Minuten Spitzendauer = 7,5 kWh Speicherentnahme. Der Speicher muss die Spitze vollständig abdecken können.

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