Druckverlust im Heizkreis: Ursachen bei Wärmepumpen und was tun
Heizungsdruck fällt regelmäßig ab? Druckverlust bei Wärmepumpen: alle Ursachen, Unterschied Druckverlust vs. Leckage, Selbstdiagnose und wann der Fachbetrieb muss.
Inhaltsverzeichnis
- Normaler Heizungsdruck bei Wärmepumpen
- Druckverlust vs. Leckage: Unterschied verstehen
- Ursache 1: Ausdehnungsgefäß defekt
- Ursache 2: Leckage im Heizkreis
- Ursache 3: Luft im System
- Ursache 4: Korrosion
- Selbstdiagnose: Schritt-für-Schritt
- Wann Fachbetrieb?
Normaler Heizungsdruck bei Wärmepumpen
Wärmepumpen-Heizkreise arbeiten als geschlossene Drucksysteme. Der korrekte Druck:
| Systemzustand | Sollwert |
|---|---|
| Kalt (< 30 °C) | 1,5–2,0 bar |
| Warm (40–60 °C) | 1,8–2,5 bar |
| Maximaldruck (Sicherheitsventil öffnet bei) | 3,0 bar |
Druckanzeige finden: Am Manometer der WP-Inneneinheit oder am Druckmessgerät im Heizkreis-Verteiler.
Leichter Druckabfall nach der Entlüftung oder nach Erstbefüllung ist normal – Luft entweicht, Volumen verringert sich leicht.
Druckverlust vs. Leckage: Unterschied verstehen
Druckverlust ist nicht immer gleich Leckage:
| Phänomen | Bedeutung | Maßnahme |
|---|---|---|
| Druck sinkt langsam (< 0,1 bar/Monat) | Normal, Luft entweicht | Gelegentlich nachfüllen |
| Druck sinkt schnell (> 0,2 bar/Woche) | Problem vorhanden | Ursachensuche |
| Druck schwankt stark (morgens 1 bar, abends 2,5 bar) | Ausdehnungsgefäß defekt | Fachbetrieb |
| Feuchte Stellen, Wasserflecken | Leckage | Fachbetrieb sofort |
| Druck stabil, WP trotzdem Fehler | Drucksensor-Problem | Fachbetrieb |
Ursache 1: Ausdehnungsgefäß defekt
Häufigste Ursache bei regelmäßigem Druckverlust ohne sichtbare Leckage.
Wie das Ausdehnungsgefäß (ADG) funktioniert
Das ADG ist ein Behälter mit Membran und Gaspolster. Wenn Heizwasser sich ausdehnt (Erwärmung), nimmt das ADG das Volumen auf. Bei Abkühlung gibt es Volumen zurück. Das hält den Druck stabil.
Defektmöglichkeiten:
- Membran gerissen → Gas und Wasser vermischen sich → ADG funktionslos
- Vordruck falsch eingestellt → ADG zu früh voll oder leer
- ADG zu klein dimensioniert → Sicherheitsventil öffnet, Wasser entweicht
Symptome defektes ADG
- Druck morgens (kalt) deutlich niedriger als abends (warm): Normal wäre < 0,3 bar Unterschied
- Sicherheitsventil tropft oder hatte schon mal Wasser abgelassen (kleines Leck am SV)
- Druck schwankt unregelmäßig
Diagnose
- WP abschalten, Heizkreis abkühlen lassen
- ADG-Ventilanschluss (Schrader-Ventil) mit Reifendruckprüfer messen
- Sollwert Gasvordruck: Anlagendruck kalt − 0,3 bar (z. B. Anlage 1,8 bar → ADG Vordruck 1,5 bar)
- Wenn Vordruck viel zu niedrig oder Wasser strömt aus Ventil: Membran defekt
Lösung: Neues ADG einbauen (Fachbetrieb, 300–600 € inkl. Material und Arbeit).
Ursache 2: Leckage im Heizkreis
Sichtbare Leckagen sind einfach zu finden. Unsichtbare (z. B. FBH-Rohr unter Estrich) sind aufwändiger.
Häufige Leckagepunkte
| Leckageort | Erkennung | Lösung |
|---|---|---|
| Verschraubungen (Rohrfittings) | Feuchtigkeitsfleck, Kalkablagerung | Nachziehen oder ersetzen |
| Heizkörperventile | Tropfen am Ventilkörper | Dichtung oder Ventil tauschen |
| FBH-Verteilerkasten | Feuchte Umgebung | Verschraubungen prüfen |
| FBH-Rohr unter Estrich | Kein sichtbares Zeichen! | Drucktest + Wärmebildkamera |
| Wärmepumpen-Inneneinheit | Feuchte unter WP | Fachbetrieb sofort |
FBH-Rohr-Leckage finden
Besonders kritisch: poröse Fußbodenheizungsrohre (häufig in Gebäuden 1970–1990):
- Drucktest je Heizkreis: Einzelne Kreise auf 6 bar Prüfdruck beaufschlagen
- Druckabfall bestimmen: Welcher Kreis verliert Druck?
- Lecklokalisierung: Wärmebildkamera oder Leckageortung (Ultraschall)
- Reparatur: Kurzschluss-Verbinder oder Kreis stilllegen
Ursache 3: Luft im System
Luft kann sich wie eine Leckage anfühlen: Druck sinkt, aber kein Wasser ist ausgetreten. Tatsächlich dehnt sich Luft bei Erwärmung stark aus und entweiht durch Entlüfter.
Unterschied zu Leckage: Nach Entlüftung und Auffüllen bleibt der Druck stabil (kein erneuter Abfall).
→ Entlüften: siehe Luft im Heizkreis entlüften
Ursache 4: Korrosion (Wasserstoff-Gasentwicklung)
In Altanlagen mit Stahlrohren bildet sich durch Korrosion Wasserstoffgas:
- Stahlrohre + Wasser + Sauerstoff → Fe₂O₃ (Magnetit) + H₂ (Wasserstoffgas)
- H₂ sammelt sich im System, erhöht Druck, entweicht bei Entlüftung
- Druck scheint abzufallen (Gasvolumen wird durch Luft-Entlüfter ausgeblasen)
Lösung: Magnetitfilter nachrüsten (200–400 €), Heizwasser-Aufbereitung (Inhibitor), ggf. Rohrnetz ersetzen.
Selbstdiagnose: Schritt-für-Schritt
Schritt 1: Häufigkeit des Druckabfalls messen
Notieren: Wann und wie viel Druckverlust? Führen Sie 4 Wochen lang Protokoll (z. B. jeden Montag Druck ablesen).
Schritt 2: Sichtprüfung auf Feuchtigkeit
Alle Rohrleitungen, Verschraubungen, Heizkörper, FBH-Verteiler und WP-Inneneinheit auf feuchte Stellen, Kalkflecken oder Rost prüfen.
Schritt 3: Sicherheitsventil prüfen
Am SV (meist 3 bar, rote Kappe am Kessel oder WP-Inneneinheit): Zeigt SV Kalk oder Feuchte? → SV hat schon Druck abgelassen (ADG-Problem oder Systemdruck zu hoch).
Schritt 4: ADG-Gasvordruck prüfen
Mit Reifendruckmessgerät am ADG-Schrader-Ventil. Sollwert: statischer Anlagendruck − 0,3 bar.
Entscheidungsbaum
Druckverlust > 0,2 bar/Woche?
├─ Nein → Normal, gelegentlich Wasser nachfüllen
└─ Ja
├─ Feuchtigkeit sichtbar? → Leckage → Fachbetrieb
├─ Druck stark schwankend? → ADG defekt → Fachbetrieb
├─ Gluckern, Rauschen? → Luft → Entlüften
└─ Unklar → Drucktest durch Fachbetrieb
Wann Fachbetrieb?
Selbst erledigen:
- Wasser nachfüllen (Füllhahn vorhanden, Druckverlust gelegentlich)
- Entlüften der Heizkörper und FBH-Verteiler
Fachbetrieb erforderlich:
- Druckverlust > 0,2 bar/Woche (Ursachensuche)
- Sichtbare Leckage
- ADG prüfen, Vordruck einstellen oder tauschen
- FBH-Drucktest und Lecklokalisierung
- Sicherheitsventil getropft oder defekt
→ WP-Fachbetrieb für Diagnose und Reparatur anfragen
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Häufige Fragen
Wie oft darf der Heizungsdruck bei einer Wärmepumpe abfallen?
Gelegentliches Nachfüllen (1× pro Jahr oder nach Wartung/Entlüftung) ist normal. Alarmzeichen: Druck fällt häufiger als alle 4–6 Wochen ab, oder Druckabfall ist größer als 0,2 bar/Woche. Dann liegt entweder eine Leckage oder ein defektes Ausdehnungsgefäß vor. Selbst regelmäßiges Nachfüllen ohne Ursachensuche führt zur Korrosion durch sauerstoffreiches Nachfüllwasser – nicht ignorieren.
Kann ich einen Druckverlust selbst beheben?
Normalen Druckabfall (< 0,3 bar, selten): Wasser selbst nachfüllen (über Füllhahn/Füllschlauch, Druck auf 1,8–2,0 bar bringen). Dazu: Füllschlauch an Kaltwasserzuleitung und Füllhahn anschließen, Wasser einlassen bis Soll-Druck erreicht. Wiederholter Druckverlust: Nicht selbst beheben – Ursache suchen lassen (Fachbetrieb). Leckage: Immer Fachbetrieb.
Was kostet die Reparatur eines Druckverlustes bei der Wärmepumpe?
Kosten je nach Ursache: Ausdehnungsgefäß tauschen (häufigste Ursache): 300–600 €. Undichte Verschraubung nachziehen/ersetzen: 150–300 €. Leckage im Rohrnetz finden und abdichten: 300–1.500 € (je nach Aufwand). FBH-Rohr undicht (Drucktest, Ortung, Reparatur): 500–2.500 €.
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