Probleme & Fehlerdiagnose

Druckverlust im Heizkreis: Ursachen bei Wärmepumpen und was tun

Heizungsdruck fällt regelmäßig ab? Druckverlust bei Wärmepumpen: alle Ursachen, Unterschied Druckverlust vs. Leckage, Selbstdiagnose und wann der Fachbetrieb muss.

5 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Normaler Heizungsdruck bei Wärmepumpen

Wärmepumpen-Heizkreise arbeiten als geschlossene Drucksysteme. Der korrekte Druck:

Systemzustand Sollwert
Kalt (< 30 °C) 1,5–2,0 bar
Warm (40–60 °C) 1,8–2,5 bar
Maximaldruck (Sicherheitsventil öffnet bei) 3,0 bar

Druckanzeige finden: Am Manometer der WP-Inneneinheit oder am Druckmessgerät im Heizkreis-Verteiler.

Leichter Druckabfall nach der Entlüftung oder nach Erstbefüllung ist normal – Luft entweicht, Volumen verringert sich leicht.


Druckverlust vs. Leckage: Unterschied verstehen

Druckverlust ist nicht immer gleich Leckage:

Phänomen Bedeutung Maßnahme
Druck sinkt langsam (< 0,1 bar/Monat) Normal, Luft entweicht Gelegentlich nachfüllen
Druck sinkt schnell (> 0,2 bar/Woche) Problem vorhanden Ursachensuche
Druck schwankt stark (morgens 1 bar, abends 2,5 bar) Ausdehnungsgefäß defekt Fachbetrieb
Feuchte Stellen, Wasserflecken Leckage Fachbetrieb sofort
Druck stabil, WP trotzdem Fehler Drucksensor-Problem Fachbetrieb

Ursache 1: Ausdehnungsgefäß defekt

Häufigste Ursache bei regelmäßigem Druckverlust ohne sichtbare Leckage.

Wie das Ausdehnungsgefäß (ADG) funktioniert

Das ADG ist ein Behälter mit Membran und Gaspolster. Wenn Heizwasser sich ausdehnt (Erwärmung), nimmt das ADG das Volumen auf. Bei Abkühlung gibt es Volumen zurück. Das hält den Druck stabil.

Defektmöglichkeiten:

  • Membran gerissen → Gas und Wasser vermischen sich → ADG funktionslos
  • Vordruck falsch eingestellt → ADG zu früh voll oder leer
  • ADG zu klein dimensioniert → Sicherheitsventil öffnet, Wasser entweicht

Symptome defektes ADG

  • Druck morgens (kalt) deutlich niedriger als abends (warm): Normal wäre < 0,3 bar Unterschied
  • Sicherheitsventil tropft oder hatte schon mal Wasser abgelassen (kleines Leck am SV)
  • Druck schwankt unregelmäßig

Diagnose

  1. WP abschalten, Heizkreis abkühlen lassen
  2. ADG-Ventilanschluss (Schrader-Ventil) mit Reifendruckprüfer messen
  3. Sollwert Gasvordruck: Anlagendruck kalt − 0,3 bar (z. B. Anlage 1,8 bar → ADG Vordruck 1,5 bar)
  4. Wenn Vordruck viel zu niedrig oder Wasser strömt aus Ventil: Membran defekt

Lösung: Neues ADG einbauen (Fachbetrieb, 300–600 € inkl. Material und Arbeit).


Ursache 2: Leckage im Heizkreis

Sichtbare Leckagen sind einfach zu finden. Unsichtbare (z. B. FBH-Rohr unter Estrich) sind aufwändiger.

Häufige Leckagepunkte

Leckageort Erkennung Lösung
Verschraubungen (Rohrfittings) Feuchtigkeitsfleck, Kalkablagerung Nachziehen oder ersetzen
Heizkörperventile Tropfen am Ventilkörper Dichtung oder Ventil tauschen
FBH-Verteilerkasten Feuchte Umgebung Verschraubungen prüfen
FBH-Rohr unter Estrich Kein sichtbares Zeichen! Drucktest + Wärmebildkamera
Wärmepumpen-Inneneinheit Feuchte unter WP Fachbetrieb sofort

FBH-Rohr-Leckage finden

Besonders kritisch: poröse Fußbodenheizungsrohre (häufig in Gebäuden 1970–1990):

  1. Drucktest je Heizkreis: Einzelne Kreise auf 6 bar Prüfdruck beaufschlagen
  2. Druckabfall bestimmen: Welcher Kreis verliert Druck?
  3. Lecklokalisierung: Wärmebildkamera oder Leckageortung (Ultraschall)
  4. Reparatur: Kurzschluss-Verbinder oder Kreis stilllegen

Ursache 3: Luft im System

Luft kann sich wie eine Leckage anfühlen: Druck sinkt, aber kein Wasser ist ausgetreten. Tatsächlich dehnt sich Luft bei Erwärmung stark aus und entweiht durch Entlüfter.

Unterschied zu Leckage: Nach Entlüftung und Auffüllen bleibt der Druck stabil (kein erneuter Abfall).

→ Entlüften: siehe Luft im Heizkreis entlüften


Ursache 4: Korrosion (Wasserstoff-Gasentwicklung)

In Altanlagen mit Stahlrohren bildet sich durch Korrosion Wasserstoffgas:

  • Stahlrohre + Wasser + Sauerstoff → Fe₂O₃ (Magnetit) + H₂ (Wasserstoffgas)
  • H₂ sammelt sich im System, erhöht Druck, entweicht bei Entlüftung
  • Druck scheint abzufallen (Gasvolumen wird durch Luft-Entlüfter ausgeblasen)

Lösung: Magnetitfilter nachrüsten (200–400 €), Heizwasser-Aufbereitung (Inhibitor), ggf. Rohrnetz ersetzen.


Selbstdiagnose: Schritt-für-Schritt

Schritt 1: Häufigkeit des Druckabfalls messen

Notieren: Wann und wie viel Druckverlust? Führen Sie 4 Wochen lang Protokoll (z. B. jeden Montag Druck ablesen).

Schritt 2: Sichtprüfung auf Feuchtigkeit

Alle Rohrleitungen, Verschraubungen, Heizkörper, FBH-Verteiler und WP-Inneneinheit auf feuchte Stellen, Kalkflecken oder Rost prüfen.

Schritt 3: Sicherheitsventil prüfen

Am SV (meist 3 bar, rote Kappe am Kessel oder WP-Inneneinheit): Zeigt SV Kalk oder Feuchte? → SV hat schon Druck abgelassen (ADG-Problem oder Systemdruck zu hoch).

Schritt 4: ADG-Gasvordruck prüfen

Mit Reifendruckmessgerät am ADG-Schrader-Ventil. Sollwert: statischer Anlagendruck − 0,3 bar.

Entscheidungsbaum

Druckverlust > 0,2 bar/Woche?
├─ Nein → Normal, gelegentlich Wasser nachfüllen
└─ Ja
   ├─ Feuchtigkeit sichtbar? → Leckage → Fachbetrieb
   ├─ Druck stark schwankend? → ADG defekt → Fachbetrieb
   ├─ Gluckern, Rauschen? → Luft → Entlüften
   └─ Unklar → Drucktest durch Fachbetrieb

Wann Fachbetrieb?

Selbst erledigen:

  • Wasser nachfüllen (Füllhahn vorhanden, Druckverlust gelegentlich)
  • Entlüften der Heizkörper und FBH-Verteiler

Fachbetrieb erforderlich:

  • Druckverlust > 0,2 bar/Woche (Ursachensuche)
  • Sichtbare Leckage
  • ADG prüfen, Vordruck einstellen oder tauschen
  • FBH-Drucktest und Lecklokalisierung
  • Sicherheitsventil getropft oder defekt

→ WP-Fachbetrieb für Diagnose und Reparatur anfragen

Verwandte Ratgeber:

Häufige Fragen

Wie oft darf der Heizungsdruck bei einer Wärmepumpe abfallen?

Gelegentliches Nachfüllen (1× pro Jahr oder nach Wartung/Entlüftung) ist normal. Alarmzeichen: Druck fällt häufiger als alle 4–6 Wochen ab, oder Druckabfall ist größer als 0,2 bar/Woche. Dann liegt entweder eine Leckage oder ein defektes Ausdehnungsgefäß vor. Selbst regelmäßiges Nachfüllen ohne Ursachensuche führt zur Korrosion durch sauerstoffreiches Nachfüllwasser – nicht ignorieren.

Kann ich einen Druckverlust selbst beheben?

Normalen Druckabfall (< 0,3 bar, selten): Wasser selbst nachfüllen (über Füllhahn/Füllschlauch, Druck auf 1,8–2,0 bar bringen). Dazu: Füllschlauch an Kaltwasserzuleitung und Füllhahn anschließen, Wasser einlassen bis Soll-Druck erreicht. Wiederholter Druckverlust: Nicht selbst beheben – Ursache suchen lassen (Fachbetrieb). Leckage: Immer Fachbetrieb.

Was kostet die Reparatur eines Druckverlustes bei der Wärmepumpe?

Kosten je nach Ursache: Ausdehnungsgefäß tauschen (häufigste Ursache): 300–600 €. Undichte Verschraubung nachziehen/ersetzen: 150–300 €. Leckage im Rohrnetz finden und abdichten: 300–1.500 € (je nach Aufwand). FBH-Rohr undicht (Drucktest, Ortung, Reparatur): 500–2.500 €.

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