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Long-Tail-Q&A — Erdwärme

Wie tief muss man für Erdwärme bohren?

Wer Erdwärme nutzen will, stößt schnell auf die Frage nach der Tiefe — und auf die Erkenntnis, dass es zwei ganz verschiedene Wege gibt, das Erdreich anzuzapfen. Diese Seite erklärt den Unterschied zwischen Erdsonde und Flächenkollektor, was die Bohrtiefe einer Sonde bestimmt, wie ein Flächenkollektor stattdessen in die Breite geht und was die Wahl zwischen beiden Wegen entscheidet.

Zwei Wege, das Erdreich zu nutzen

Die Frage nach der Bohrtiefe setzt voraus, dass überhaupt gebohrt wird — und das ist nur bei einem der beiden Wege der Fall. Für die Erschließung der Erdwärme gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Verfahren. Das erste ist die Erdwärmesonde: Hier werden ein oder mehrere Bohrungen vertikal in die Tiefe getrieben, in die ein Sondenrohr eingebracht wird. Die Sole zirkuliert in diesem Rohr und nimmt die Wärme aus den tieferen Erdschichten auf. Die Erdsonde geht in die Tiefe und braucht an der Oberfläche nur wenig Platz. Das zweite Verfahren ist der Flächenkollektor, auch Erdkollektor genannt: Hier werden Rohrleitungen horizontal und großflächig in geringer Tiefe im Boden verlegt — gebohrt wird dabei nicht, der Boden wird flächig ausgehoben. Der Flächenkollektor geht in die Breite statt in die Tiefe. Beide Verfahren liefern Erdwärme, aber sie stellen unterschiedliche Anforderungen an das Grundstück. Die Frage wie tief muss man bohren betrifft also nur die Erdsonde — beim Flächenkollektor lautet die richtige Frage eher, wie viel Fläche zur Verfügung steht.

Die Erdsonde: Tiefe und was sie bestimmt

Eine Erdwärmesonde reicht deutlich tiefer, als viele vermuten — typischerweise in einen Bereich von einigen Dutzend bis um die hundert Meter, je nach Auslegung. Oft werden auch mehrere Bohrungen niedergebracht, um die benötigte Entzugsleistung auf mehrere Sonden zu verteilen. Welche Tiefe und wie viele Bohrungen nötig sind, ergibt sich aus mehreren Faktoren. Der erste ist der Wärmebedarf des Hauses: Je mehr Heizleistung gebraucht wird, desto mehr Wärme muss dem Erdreich entzogen werden. Der zweite ist die Geologie des Untergrunds — die Gesteins- und Bodenarten leiten Wärme unterschiedlich gut, was bestimmt, wie viel Leistung sich pro Bohrmeter entziehen lässt. Der dritte ist das Vorhandensein von Grundwasser, das die Wärmenachlieferung beeinflusst. Die genaue Auslegung einer Sondenanlage ist deshalb eine Fachaufgabe. Sie stützt sich auf die Heizlastberechnung des Hauses und auf geologische Informationen zum Standort, die unter anderem die geologischen Dienste der Bundesländer bereitstellen. Eine pauschale Tiefenangabe gibt es nicht — die richtige Tiefe ist immer das Ergebnis dieser standortbezogenen Auslegung, die das Bohrunternehmen gemeinsam mit dem planenden Fachbetrieb vornimmt.

Der Flächenkollektor: flach, aber flächig

Der Flächenkollektor ist der Gegenentwurf zur Sonde: Statt tief zu bohren, verlegt man die Rohrleitungen flach, aber über eine große Fläche. Die Verlegetiefe liegt typischerweise im Bereich von gut einem bis anderthalb Metern — tief genug, dass die Leitungen frostfrei liegen und das Erdreich darüber im Jahresverlauf genug Wärme aus Sonne und Niederschlag nachliefert. Gebohrt wird dafür nicht; der Boden wird flächig ausgehoben und nach dem Verlegen wieder verfüllt. Der Preis für den Verzicht auf die Bohrung ist der Flächenbedarf. Ein Flächenkollektor braucht eine unbebaute, unversiegelte Grundstücksfläche, die deutlich größer ist als die beheizte Wohnfläche — als grobe Orientierung etwa das Eineinhalb- bis Doppelte, abhängig von Bodenart und Wärmebedarf. Diese Fläche darf anschließend nicht überbaut oder versiegelt werden und sollte nicht tief verwurzelt bepflanzt sein, damit die Wärmenachlieferung funktioniert. Der Flächenkollektor ist damit vor allem eine Option für Grundstücke mit ausreichend freiem Garten. Wo der Platz fehlt, führt der Weg zur Erdsonde — die in die Tiefe geht und an der Oberfläche fast nichts beansprucht.

Was die Wahl zwischen Sonde und Kollektor entscheidet

Ob Erdsonde oder Flächenkollektor — diese Wahl trifft man nicht nach Geschmack, sondern nach den Gegebenheiten des Grundstücks. Für den Flächenkollektor spricht ein großes, freies Grundstück und der Wunsch, die teurere Bohrung zu vermeiden. Gegen ihn spricht ein knapper Garten, ein bereits durchgeplantes Grundstück oder der Wille, die Gartenfläche frei gestalten zu können. Für die Erdsonde spricht ein kleines Grundstück, weil sie an der Oberfläche kaum Platz braucht, sowie eine hohe und gleichmäßige Entzugsleistung. Gegen sie sprechen die höheren Kosten der Bohrung und der Umstand, dass der Standort für das Bohrgerät zugänglich sein muss. Hinzu kommt bei beiden Wegen die Frage der Genehmigungsfähigkeit und der Geologie — nicht jeder Standort lässt jedes Verfahren zu. Die Entscheidung gehört deshalb an den Anfang der Planung: Ein Fachbetrieb prüft gemeinsam mit einem Bohr- oder Erdwärme-Spezialisten, welches Verfahren am konkreten Standort technisch möglich, genehmigungsfähig und wirtschaftlich sinnvoll ist. Erst danach steht fest, ob überhaupt gebohrt wird — und wenn ja, wie tief.

⚠ Praxis-Hinweis

Die Bohrtiefe nie nach Faustregel ansetzen. Eine unterdimensionierte Sondenanlage entzieht dem Erdreich dauerhaft zu viel Wärme und kann auskühlen — die Auslegung gehört auf Basis von Heizlastberechnung und Geologie in die Hände eines Erdwärme-Fachbetriebs.

Häufige Fragen — Wie tief muss man für Erdwärme bohren?

Wie tief reicht eine Erdwärmesonde typischerweise?
Typischerweise in einen Bereich von einigen Dutzend bis um die hundert Meter, je nach Auslegung — oft verteilt auf mehrere Bohrungen. Die genaue Tiefe ergibt sich aus dem Wärmebedarf des Hauses, der Geologie des Untergrunds und dem Grundwasser. Eine pauschale Tiefenangabe gibt es nicht.
Muss man für einen Flächenkollektor bohren?
Nein. Beim Flächenkollektor werden die Rohrleitungen flach in gut einem bis anderthalb Metern Tiefe verlegt — der Boden wird flächig ausgehoben und wieder verfüllt, gebohrt wird nicht. Die Frage nach der Bohrtiefe betrifft nur die Erdwärmesonde.
Wie viel Fläche braucht ein Flächenkollektor?
Eine unbebaute, unversiegelte Fläche, die deutlich größer ist als die beheizte Wohnfläche — als grobe Orientierung etwa das Eineinhalb- bis Doppelte, abhängig von Bodenart und Wärmebedarf. Diese Fläche darf danach nicht überbaut oder versiegelt werden, damit die Wärmenachlieferung funktioniert.
Was bestimmt, wie tief gebohrt werden muss?
Der Wärmebedarf des Hauses, die Geologie des Untergrunds und das Vorhandensein von Grundwasser. Je höher der Wärmebedarf und je schlechter die Wärmeleitfähigkeit des Bodens, desto mehr Bohrmeter sind nötig. Die Auslegung stützt sich auf die Heizlastberechnung und auf geologische Standortinformationen.
Eignet sich mein Grundstück eher für Sonde oder Kollektor?
Das hängt vom Platz ab: Ein großes, freies Grundstück erlaubt den günstigeren Flächenkollektor, ein kleines Grundstück spricht für die platzsparende Erdsonde. Hinzu kommen Geologie und Genehmigungsfähigkeit. Welches Verfahren am konkreten Standort möglich und sinnvoll ist, prüft der Fachbetrieb mit einem Erdwärme-Spezialisten.

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