Startseite/Ratgeber/MVHR-Auslegung nach DIN 1946-6 — Volumenstrom, Kanalführung (2026)
Lüftung-MVHR-Verbund-Tiefe

MVHR-Auslegung: vom Wohnvolumen zum funktionierenden Lüftungs-System

Die richtige Auslegung einer MVHR-Anlage ist mehr als die Wahl des Geräts — sie bestimmt Komfort, Effizienz und Lärmschutz für 20+ Jahre. DIN 1946-6 gibt die normativen Volumenströme vor, aber die praktische Umsetzung verlangt Erfahrung in Kanalführung, Schalldämpfer-Wahl und Druckverlust-Berechnung. Dieses Pillar liefert die Auslegungs-Grundlagen.

DIN 1946-6 Volumenstrom-Berechnung im Detail

Die DIN 1946-6 (Stand 2019) regelt die hygienisch notwendigen Volumenströme für Wohngebäude-Lüftungsanlagen. Die Norm unterscheidet vier Lüftungsstufen: — Lüftung zum Feuchteschutz (kleinste Stufe): 0,3 Luftwechsel pro Stunde des Wohnvolumens. Verhindert Tauwasser-Bildung an kalten Bauteilen. — Reduzierte Lüftung (bei Abwesenheit): 0,4–0,5 Luftwechsel pro Stunde. Tagesbetrieb ohne Bewohner. — Nennlüftung (Standardbetrieb): 0,5–0,6 Luftwechsel pro Stunde. Normaler Wohnbetrieb mit Bewohnern. — Intensiv-Lüftung (Stoßlüftung-Ersatz): 0,8–1,2 Luftwechsel pro Stunde. Nach Duschen, Kochen, oder Sommer-Nachtkühlung. Konkret in Volumenstrom-Werten für ein EFH 200 m² mit 480 m³ Wohnvolumen (2,4 m Raumhöhe): — Feuchteschutz-Lüftung: 144 m³/h. — Reduzierte Lüftung: 192–240 m³/h. — Nennlüftung: 240–290 m³/h. — Intensiv-Lüftung: 384–576 m³/h. Das MVHR-Gerät wird auf den Nennlüftungs-Bedarf + 30–50 % Reserve dimensioniert — bei 290 m³/h Nennbedarf eine 380–430-m³/h-Gerät (z.B. Helios KWL 360 W mit 360 m³/h Maximalwert oder Zehnder Comfoair Q450). Volumenstrom-Auslegung pro Raum: Die Volumenströme sind nicht gleichmäßig im Haus verteilt — Zulufträume (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer) brauchen Frischluft, Ablufträume (Bad, Küche, WC) brauchen Absaugung. DIN 1946-6-Empfehlungen für Zuluft- und Abluftströme: — Wohnzimmer (Zuluft): 60–80 m³/h pro Person + 20 m³/h Grundwert. — Schlafzimmer (Zuluft): 30–50 m³/h pro Person. — Kinderzimmer (Zuluft): 30–50 m³/h pro Person. — Küche (Abluft): 90–120 m³/h (höher bei Gas-Herd oder häufigem Kochen). — Badezimmer (Abluft): 60–90 m³/h. — WC (Abluft): 30–50 m³/h. — Treppenhaus (Übergang, keine separate Zu-/Abluft). Beispiel-Auslegung für 4-Personen-EFH: Zulufträume: — Wohnzimmer (Eltern + Kinder): 100 m³/h. — Schlafzimmer Eltern: 60 m³/h. — Kinderzimmer 1: 40 m³/h. — Kinderzimmer 2: 40 m³/h. — Summe Zuluft: 240 m³/h. Abluft: — Küche: 100 m³/h. — Bad-WC oben: 70 m³/h. — WC unten: 40 m³/h. — Hauswirtschaftsraum: 30 m³/h. — Summe Abluft: 240 m³/h. Zuluft = Abluft (Volumenstrom-Bilanz). Bei Differenzen entsteht Unter- oder Überdruck im Haus, der ungewollte Luftströmungen durch Wände erzeugt (Dichtheits-Probleme). MVHR-Gerät: 240 m³/h Nennlüftung + 30 % Reserve = 312 m³/h Volumenstrom-Auslegung. Wahl Helios KWL 360 W (360 m³/h Max-Wert, läuft im Standardbetrieb bei 240 m³/h auf 67 % Last).

Luftkanal-Dimensionierung und Druckverlust

Die Luftkanäle müssen den Volumenstrom mit geringen Druckverlusten und niedrigen Strömungsgeräuschen transportieren. Faustregeln und Berechnungen: Kanal-Durchmesser nach Volumenstrom (Standard für Wohngebäude-MVHR): — 50 m³/h Volumenstrom: 100 mm Kanal-Durchmesser. — 100 m³/h: 125 mm. — 150 m³/h: 150 mm. — 200 m³/h: 160 mm. — 300 m³/h: 180 mm. — 400 m³/h: 200 mm. — 500 m³/h: 225 mm. Die Strömungsgeschwindigkeit im Kanal sollte 2–3 m/s nicht überschreiten — höhere Geschwindigkeiten erzeugen hörbare Strömungsgeräusche. Materialien: — PVC-Kanäle (Kunststoff): Standard für Innenraum-Verlegung, leicht zu verarbeiten, gut isoliert (geringe Wärmeverluste). Hersteller: Helios SP-Serie, Aldes Optiflex, Pluggit Flexpipe. — Wickelfalzrohre (Stahlblech): Robust, langlebig, schwerer zu verarbeiten. Standard bei Profi-Installationen und MFH. — Wellschlauch (Flexrohr): Für kurze Verbindungen und im Bestand-Sanierungs-Bereich. Höhere Druckverluste, deshalb nur als Stichleitung. Druckverlust-Berechnung: Gesamt-Druckverlust einer MVHR-Anlage = Summe der Reibungs-Druckverluste in den Kanälen + Einzelwiderstände (Verteiler, Schalldämpfer, Krümmer, Endteile). Typische Druckverluste je Bauteil: — Gerader Kanal 1 m bei v = 2 m/s: rund 0,5–1,0 Pa. — 90°-Krümmer: rund 8–15 Pa. — T-Stück Verteilung: 5–15 Pa. — Schalldämpfer (gerade, Standard): 15–30 Pa. — Endteile (Zuluft-Auslass, Abluft-Eintritt): 10–25 Pa. — Filter im Gerät: 30–80 Pa. Für eine durchschnittliche EFH-MVHR-Anlage liegt der Gesamt-Druckverlust bei 80–150 Pa. Das Gerät muss diesen Druck überwinden — typische Lüfter-Kennlinien der Premium-Geräte (Zehnder Comfoair Q450, Helios KWL EC 200 W) erreichen 200 m³/h bei 200 Pa, 350 m³/h bei 150 Pa. Wichtige Auslegungs-Regeln: — Kanäle kurz halten: Je länger die Kanal-Strecke, desto höher der Druckverlust. Bei MVHR-Aufstellung im Hauswirtschaftsraum sollte das Gerät zentral im Haus liegen — minimaler Weg zu allen Räumen. — Krümmer minimieren: 90°-Krümmer sind teuer im Druckverlust. Wo möglich 45°-Krümmer verwenden (halb so viel Druckverlust). Lange weiche Bögen statt scharfer Ecken. — Symmetrische Verteilung: Zuluft- und Abluft-Kanäle möglichst gleich lang dimensionieren. Bei sehr unterschiedlichen Kanal-Längen können Klappen-Volumenstromregler nötig sein. — Schalldämpfer einplanen: Pro Gerät 2 Schalldämpfer (Zuluft- und Abluft-Eintritt vom Gerät) Pflicht. Bei MFH zusätzlich 1 Schalldämpfer pro WE-Verteilung. Schalldämpfer-Position: 1–2 m vom Gerät entfernt, nicht direkt am Gerät-Auslass. Kanalsystem-Topologien: — Sternsystem (radial): Jeder Raum hat eigenen Kanal vom Gerät. Bester Lärmschutz (keine Geräusche-Übertragung zwischen Räumen), aber höchster Material-Aufwand. — Strangsystem (Reihenschaltung): Mehrere Räume an einem Kanal. Geringerer Material-Aufwand, aber Geräusche-Übertragung möglich. Schalldämpfer zwischen Räumen nötig. — Hybridsystem: Hauptverteilung als Strang, Zweigleitungen sternförmig. Standard 2026 in EFH-Neubau. Für ein Standard-EFH 200 m² mit 4 Zulufträumen und 4 Ablufträumen: Hybridsystem mit Hauptverteiler im Hauswirtschaftsraum, sternförmige Stichleitungen zu jedem Raum. Material-Aufwand 60–100 m Kanal-Länge bei 8 Räumen.

Schalldämpfer, Akustik und Schalldruck-Werte

Akustik ist ein entscheidender Faktor für die MVHR-Akzeptanz im Wohnraum. Folgende Schalldruck-Werte sind nach DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau) zu beachten: Maximale Schalldruck-Werte in den Wohnräumen: — Wohnzimmer: 25–30 dB(A) Hintergrund-Geräusch. — Schlafzimmer: 22–25 dB(A) (besonders kritisch für Schlaf). — Küche, Bad: 30–35 dB(A) akzeptabel. Quellen des MVHR-Schalldrucks: 1. Gerät selbst (Lüfter, Wärmetauscher-Resonanz): Hersteller-Datenblatt-Wert in 1 m Abstand. Premium-Geräte (Zehnder Comfoair Q-Serie, Vaillant recoVAIR) haben 28–34 dB(A) bei Nennvolumenstrom. Standardgeräte 33–40 dB(A). 2. Strömungsgeräusche in den Kanälen: Geschwindigkeit über 2,5 m/s erzeugt hörbare Strömungsgeräusche im Kanal. Lösung: größere Kanal-Durchmesser oder reduzierter Volumenstrom. 3. Übertragungs-Schalldruck durch die Kanäle (Telefonie-Effekt): Geräusche aus einem Raum wandern durch den Luftkanal in einen anderen Raum. Lösung: Schalldämpfer in jeden Zweig. Schalldämpfer-Auslegung: — Position: Direkt nach dem Gerät (Eintritt der Hauptverteilung) und vor jeder Wohnraum-Einleitung. Bei MFH zusätzlich zwischen WE. — Typ: Rechteckiger oder zylindrischer Schalldämpfer mit Schallabsorbern (Mineralwolle oder Glasfaser, mit perforierter Innenwand). Standard-Hersteller: Trox VAR-X, Helios SD-Serie, Lindab Silencer. — Dämpfungsmaß: 15–25 dB(A) Reduktion pro Schalldämpfer (bei Frequenz 125–500 Hz, typische Lüfter-Resonanz). — Länge: 0,6–1,5 m je Schalldämpfer (je länger, desto besser die Dämpfung). — Druckverlust: 15–30 Pa pro Schalldämpfer — muss in die Druckverlust-Bilanz einberechnet werden. Kosten Schalldämpfer: 80–250 € pro Stück je nach Größe und Dämpfungsklasse. Für ein EFH typisch 4–6 Schalldämpfer = 400–1.500 € Material. Konkrete Schalldruck-Werte einer gut ausgelegten MVHR-Anlage: — Im Hauswirtschaftsraum (Gerät-Aufstellung): 35–45 dB(A). Bei geschlossener Tür kaum im Wohnraum hörbar. — Im Wohnzimmer 5 m vom Auslass: 20–25 dB(A). Praktisch nicht hörbar bei normalem Wohnbetrieb. — Im Schlafzimmer 3 m vom Auslass: 20–24 dB(A). Akzeptabel für ungestörten Schlaf. Problem-Konstellationen: — Gerät zu nah am Schlafraum: Wenn das Gerät in der Wand zum Schlafzimmer steht oder über dem Schlafzimmer im Spitzboden, kann der Körperschalldruck 28–32 dB(A) übersteigen. Lösung: Schwingungsdämmer unter dem Gerät, zusätzliche Schalldämmungs-Maßnahmen. — Zu enge Kanäle mit hoher Strömungsgeschwindigkeit: Kanal-Durchmesser unzureichend, v > 3 m/s. Lösung: größere Kanäle nachträglich verlegen oder Volumenstrom reduzieren. — Fehlende Schalldämpfer: Geräte ohne Schalldämpfer in den Hauptverteilungs-Auslässen. Lösung: Schalldämpfer nachrüsten (kostet 80–250 € pro Stück, oft mit Einbau-Aufwand 200–400 €). Im BAFA-Förderantrag und in der KfW-Effizienzhaus-Berechnung wird die akustische Auslegung dokumentiert — bei schlecht ausgelegten Anlagen können Mieter oder Bewohner Mängel-Rüge erheben.

Praxis-Auslegung mit drei MVHR-Projekt-Beispielen

Beispiel A — EFH-Neubau KfW-40-EE 220 m², 5 Personen mit hochwertiger MVHR Konstellation: Neubau-EFH, 5 Personen-Familie, FBH-Heizung mit Heliotherm HP10C Sole-WP, MVHR-Pflicht für KfW-40-EE. Auslegung Volumenströme: — Wohnvolumen 540 m³ (220 m² × 2,45 m). — Nennlüftung 0,5 LW/h = 270 m³/h. Volumenstrom pro Raum: — Wohnzimmer (Eltern + Kinder): 120 m³/h Zuluft. — Schlafzimmer Eltern: 70 m³/h Zuluft. — 3 Kinderzimmer à 40 m³/h: 120 m³/h Zuluft. — Summe Zuluft: 310 m³/h. — Küche: 100 m³/h Abluft. — Bad-WC oben: 90 m³/h Abluft. — WC unten: 50 m³/h Abluft. — Hauswirtschaftsraum: 70 m³/h Abluft. — Summe Abluft: 310 m³/h. MVHR-Gerätewahl: Zehnder Comfoair Q450 (450 m³/h Max-Wert, η_WRG 90 %, Schalldruck 32 dB(A)). Im Standardbetrieb bei 310 m³/h auf 68 % Last — leise und sparsam. Kanalsystem: — Hauptverteiler im Hauswirtschaftsraum mit 4 Zulufträume + 4 Ablufträume. — Sternsystem mit PVC-Kanälen 100–180 mm Durchmesser. — 8 Schalldämpfer (1 pro Raum-Eingang + 2 am Gerät) Helios SD-25. — Filter-Wechsel-Intervall 6 Monate F7-Klasse. Kosten brutto: — Zehnder Comfoair Q450: 5.200 €. — Kanalsystem 90 m PVC-Kanäle + Verteiler: 2.800 €. — Schalldämpfer 8 Stück: 1.200 €. — Wand-/Decken-Durchbrüche + Verkleidung: 1.500 €. — Inbetriebnahme + Einregulierung: 1.500 €. — Brutto MVHR-Komplett: 12.200 €. Förderung KfW 297 anteilig (im KfW-40-EE-Komplettpaket): rund 30 % = 3.660 €. Netto MVHR: 8.540 €. Beispiel B — Bestand-EFH-Sanierung 1985 mit dezentralen MVHR-Geräten Konstellation: EFH 180 m², 4 Personen, Bestand-Sanierung mit Außenwand-Dämmung und Fenster-Tausch. Heizungs-Modernisierung Gas → Vaillant aroTHERM plus VWL 75/6. Dezentrale MVHR-Nachrüstung statt Luftkanal-Verlegung. Auslegung: — 6 dezentrale Lunos e²-Geräte paarweise (2 im Wohnzimmer, 2 in den Schlafzimmern, 2 in der Küche). — Jedes Gerät 30 m³/h Wechseltakt-Volumenstrom. — Gesamt-Volumenstrom 6 × 30 = 180 m³/h (entspricht 0,37 LW/h bei 480 m³ Wohnvolumen — knapp an der Mindest-Lüftung 0,4 LW/h). Kosten brutto: — 6 Lunos e²-Geräte paarweise + Steuerung: 1.920 €. — Außenwand-Bohrungen 6 × 200 mm + Verkabelung: 1.800 €. — Inbetriebnahme + Einstellung: 600 €. — Brutto dezentrale MVHR: 4.320 €. Förderung BAFA 30 % bei Kombi-Maßnahme: 1.296 €. Netto: 3.024 €. Auslegungs-Schwäche: Volumenstrom mit 180 m³/h knapp dimensioniert — entspricht nur Mindest-Lüftung, keine Intensiv-Lüftung möglich. Bei mehr Bewohnern (5+) oder bei Wunsch nach besserer Luftqualität wären 8 Geräte (240 m³/h Gesamt) besser. Beispiel C — MFH 14 WE mit dezentralen MVHR-Geräten pro Wohnung Konstellation: Bestand-MFH 14 WE, Sanierung mit Heizungs-Modernisierung Gas → WP-Kaskade. MVHR-Nachrüstung pro WE wegen besserer Mieter-Akzeptanz und KfW-Effizienzhaus-Standard. Auslegung pro WE (60–80 m² Wohnfläche, 2–3 Personen): — Pro WE: Helios KWL 200 W (200 m³/h Nennleistung, η_WRG 88 %). — Aufstellung im Bad-Vorraum oder Hauswirtschaftsraum. — Kanalsystem PVC 100–160 mm, kompakte Verlegung. Kosten pro WE brutto: — Helios KWL 200 W: 3.800 €. — Kanalsystem + Schalldämpfer (Material): 1.200 €. — Wand-Durchbrüche + Installation: 1.500 €. — Inbetriebnahme: 400 €. — Brutto pro WE: 6.900 €. — Brutto-MFH-gesamt: 14 × 6.900 = 96.600 €. Förderung BAFA-BEG-EM MFH 30 %: 28.980 €. KfW-Effizienzhaus-Anteil zusätzlich. Netto: 67.620 €. Durch die MVHR-Nachrüstung wird die WP-Kaskade um etwa 8 kW kleiner dimensioniert (38 → 30 kW) — Investitions-Einsparung WP rund 8.000 €. Die MVHR-Investition rechnet sich also nicht nur über Energie-Effizienz, sondern auch über reduzierte WP-Investition.

⚠ Praxis-Hinweis

DIN 1946-6 als Auslegungs-Norm zwingend einhalten — pauschale Faustregeln sind nicht förderfähig. Schalldämpfer in jedem Raum-Zweig Pflicht-Best-Practice, sonst akustische Probleme. Volumenstrom-Einregulierung in jedem Raum bei Inbetriebnahme — unkalibrierte Anlagen liefern oft schlechten Lüftungs-Komfort.

Häufige Fragen — MVHR-Auslegung nach DIN 1946-6 — Volumenstrom, Kanalführung (2026)

Welche Norm regelt die MVHR-Auslegung in Deutschland?
DIN 1946-6 (Stand 2019) ist die zentrale Norm für Wohngebäude-Lüftungsanlagen. Sie definiert vier Lüftungsstufen (Feuchteschutz 0,3 LW/h, Reduziert 0,4–0,5, Nennlüftung 0,5–0,6, Intensiv 0,8–1,2 LW/h) und gibt Volumenstrom-Empfehlungen pro Raum. Ergänzend: DIN EN 13141-7 für Wärmerückgewinnungs-Grad-Messung, DIN 4109 für Schallschutz, DIN EN 13779 für Lüftungsanlagen-Auslegung. Für KfW-Förderung wird die DIN-1946-6-konforme Auslegung im Energie-Modell vorausgesetzt — Energieberater dokumentiert die Volumenströme.
Wie groß muss mein MVHR-Gerät dimensioniert werden?
Auslegung nach Nennvolumenstrom + 30–50 % Reserve. Für 200-m²-EFH mit 4 Personen: Nennlüftungsbedarf rund 240–290 m³/h, Gerät dimensioniert auf 350–430 m³/h Max-Wert. Bei 150 m² EFH und 3 Personen: 180–250 m³/h Nenn, Gerät 250–350 m³/h. Bei sehr großen EFH (350 m², 6 Personen): 400–500 m³/h Nenn, Gerät 600–700 m³/h. Im MFH typisch pro WE 100–200 m³/h. Reserve wichtig für Intensiv-Lüftung (Stoßlüftungs-Ersatz nach Duschen, Kochen) und Sommer-Bypass-Kühlung (höhere Volumenströme bei kühler Nachtluft).
Welche Kanal-Durchmesser brauche ich?
Faustregel: Strömungsgeschwindigkeit ≤ 2,5 m/s. Bei 100 m³/h Volumenstrom: 125 mm Kanal. Bei 200 m³/h: 160 mm. Bei 300 m³/h: 180 mm. Bei 400 m³/h: 200 mm. Hauptverteilungs-Kanäle größer dimensionieren als Stichleitungen — Standard-EFH: Hauptverteilung 180–200 mm, Stichleitungen 100–160 mm. Bei zu engen Kanälen Strömungsgeräusche im Wohnraum hörbar. Materialwahl: PVC für Innenraum-Verlegung (leicht, gut isoliert), Stahl-Wickelfalzrohre für Profi-Installationen und MFH, Flexrohr nur für kurze Stichleitungen (höhere Druckverluste).
Wie laut darf eine MVHR im Wohnraum sein?
Maximale Schalldruck-Werte nach DIN 4109: Wohnzimmer 25–30 dB(A), Schlafzimmer 22–25 dB(A) (besonders kritisch), Küche/Bad 30–35 dB(A) akzeptabel. Premium-Geräte (Zehnder Comfoair Q-Serie, Vaillant recoVAIR) erreichen 28–34 dB(A) Schalldruck am Gerät selbst. Im Wohnraum 5 m vom Auslass typisch 20–25 dB(A) bei sauberer Auslegung. Schalldämpfer in den Kanälen (2–8 Stück pro EFH) sind Pflicht-Best-Practice — sie reduzieren den Schalldruck pro Schalldämpfer um 15–25 dB(A). Bei akustischen Problemen Schwingungsdämmer unter dem Gerät und zusätzliche Schalldämpfer nachrüsten.
Welche Filter brauche ich und wie oft müssen sie gewechselt werden?
Standard-Filter-Klassen nach EN 779: F7 (Standard, filtert Pollen und Feinstaub > 2,5 μm) oder F9 (Premium, filtert auch kleinere Partikel und Pollen-Empfindliche). Filter-Wechsel-Intervall: alle 6 Monate bei normaler Belastung, alle 3 Monate bei hoher Pollen-Saison oder städtischer Lage mit hoher Feinstaub-Belastung. Filter-Kosten 40–120 €/Jahr je nach Klasse und Gerät-Größe. Bei vernachlässigten Filtern Lüfter-Effizienz-Verlust, höhere Druckverluste, schlechtere Lüftungs-Leistung, im Worst Case Schimmel-Bildung. Filter-Wechsel-Erinnerung in modernen MVHR-Geräten integriert.
Wie viel kostet das gesamte Kanalsystem im EFH?
Material-Kosten 1.200–2.500 € (Kanäle, Verteiler, Schalldämpfer, Auslässe). Installation 4.000–8.000 € (Wand-/Decken-Durchbrüche, Verlegung in Geschossdecken oder unter Dach, Anschluss aller Räume). Gesamtkosten Kanalsystem EFH 200 m² rund 5.000–10.000 € brutto. Hinzu kommen 4.000–8.000 € für das MVHR-Gerät selbst und 1.000–2.000 € für Inbetriebnahme und Einregulierung. Gesamt-Komplettpaket MVHR im Neubau 10.000–18.000 € brutto. Bei Bestand-Sanierung höher wegen schwierigerer Verlegung — oder dezentrale MVHR als 3.000–8.000-€-Alternative.
Brauche ich einen Volumenstromregler in jedem Raum?
Bei sehr unterschiedlichen Raum-Volumenströmen (z.B. Wohnzimmer 100 m³/h vs. Bad 30 m³/h) sind Volumenstromregler (auch „Konstantvolumenregler“ genannt) wichtig — sie halten den Volumenstrom unabhängig vom Druck im Hauptkanal stabil. Hersteller: Trox VAR-X, Lindab Iris-Klappe. Kosten 50–150 € pro Stück. Bei klassischen MVHR-Anlagen mit Klappen-Verteilung wird oft nur die Einregulierungs-Drosselung verwendet — Klappen werden bei Inbetriebnahme einmalig auf den richtigen Volumenstrom eingestellt. Bei dynamischen Anlagen (z.B. variable Lüftung nach CO2-Konzentration) sind aktive Volumenstromregler nötig.
Was kostet die Inbetriebnahme einer MVHR-Anlage?
Einregulierung der Volumenströme in jedem Raum (Klappen einstellen, Volumenstrom messen mit Volumenstrom-Anemometer): 4–8 Stunden Arbeit für einen Heizungsbauer + Mess-Equipment. Kosten 600–1.500 €. Plus Bauherr-Einweisung in Gerätebedienung 1–2 Stunden = 100–250 €. Bei Premium-Anlagen mit Smart-Steuerung zusätzliche App-Konfiguration und Cloud-Anbindung (Zehnder ComfoControl, Vaillant multiMATIC) 200–400 €. Gesamt Inbetriebnahme typisch 1.000–2.000 €. Pflicht-Bestandteil des MVHR-Komplettpakets — bei nicht eingeregulierten Anlagen sind die Volumenströme oft falsch verteilt und der Komfort leidet.

WP-Lüftung-MVHR-Verbund

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