Erdbohrung für Wärmepumpe: Planung, Genehmigung & Kosten 2025
Erdbohrung für Erdwärmesonde: Wie tief, welche Genehmigungen, wie viele Bohrungen und was kostet eine Tiefenbohrung für die Sole-Wärmepumpe? Vollständige Anleitung 2025.
Inhaltsverzeichnis
- Erdwärmesonde vs. Erdkollektor: Was ist was?
- Bohrtiefe ermitteln
- Genehmigungsverfahren
- Bohrkosten nach Geologie und Bundesland
- Anzahl der Bohrungen planen
- Ablauf der Bohrung
- Risiken und was schieflaufen kann
Erdwärmesonde vs. Erdkollektor: Was ist was?
| Merkmal | Erdwärmesonde (Tiefenbohrung) | Erdkollektor (Flächenkollektor) |
|---|---|---|
| Tiefe | 80–150 m | 1,2–2,0 m |
| Fläche | Wenig (1–2 Bohrköpfe) | Groß (1–2× Wohnfläche) |
| Jahresleistungszahl | JAZ 4,0–5,0 | JAZ 3,8–4,5 |
| Kosten | Hoch (Bohrkosten) | Mittel (Aushubkosten) |
| Genehmigung | Wasserrecht Pflicht | meist genehmigungsfrei |
| Grundstücksgröße | Kleineres Grundstück ausreichend | Großes Grundstück nötig |
Erdwärmesonde empfohlen wenn: Kleines oder bebauutes Grundstück, Neubau, hohe Effizienz gewünscht.
Bohrtiefe ermitteln
Entzugsleistung des Bodens
Der Boden gibt Wärme pro Bohrmeter ab – je nach Geologie unterschiedlich:
| Geologie | Entzugsleistung (W/m) |
|---|---|
| Tonstein, Schluff | 20–35 W/m |
| Sandstein, Kalkstein | 40–60 W/m |
| Kristallingestein (Granit, Gneis) | 55–80 W/m |
| Rheinschotter (Kies, nass) | 50–70 W/m |
| Trockener Sand | 20–30 W/m |
Bohrtiefe berechnen
Bohrtiefe = WP-Heizlast (W) ÷ Entzugsleistung (W/m)
Beispiel: 10 kW WP, Sandstein (50 W/m):
Bohrtiefe = 10.000 W ÷ 50 W/m = 200 m
→ 2 Bohrungen à 100 m oder 1 Bohrung à 200 m
Wichtig: Die WP-Heizlast (Auslegungsleistung laut Heizlastberechnung DIN EN 12831) – nicht die kW-Nennleistung der WP – ist die Grundlage.
Genehmigungsverfahren
Wer ist zuständig?
Untere Wasserbehörde (Kreisamt, Landratsamt, Umweltamt der Großstadt):
- Bayern: Landratsamt / Kreisverwaltungsreferat
- NRW: Untere Wasserbehörde beim Kreis/Stadtkreis
- BW: Landratsamt
- Berlin: Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz
Antragsinhalte (typisch)
- Grundrissplan mit Bohrstellen-Koordinaten
- Geplante Bohrtiefe und Bohrlochdurchmesser
- Angaben zur Sole-Füllung (Frostschutzmittel, i.d.R. Ethanol oder Propylenglykol)
- Bohrtiefenprofil (wenn geologisches Gutachten vorhanden)
- Erklärung, dass keine bekannten Grundwasserschutzgebiete betroffen
Sperrbereiche (keine Bohrung erlaubt)
- Trinkwasserschutzgebiet Zone 1 und 2 (oft Zone 3 erlaubt, prüfen)
- Altlastenflächen (kontaminierter Boden)
- Bergbaugebiet mit alten Stollen (Risiko für Sole-Kontamination)
- Überschwemmungsgebiet (kann eingeschränkt sein)
Sperrkarte prüfen: In vielen Bundesländern gibt es online Erdwärme-Eignungskarten (z. B. Bayern: Geothermie-Atlas LfU).
Bearbeitungszeiten
| Bundesland | Typische Dauer |
|---|---|
| Bayern | 6–12 Wochen |
| Baden-Württemberg | 4–8 Wochen |
| NRW | 6–10 Wochen |
| Berlin | 8–16 Wochen |
| Brandenburg | 4–8 Wochen |
Bohrkosten nach Geologie und Bundesland
Bohrkosten 2025 (reine Bohrkosten, ohne WP)
| Geologie | Kosten/Bohrmeter |
|---|---|
| Lockersediment (Sand, Kies) | 50–75 €/m |
| Weicher Fels (Sandstein, Kalkstein) | 65–95 €/m |
| Hartes Kristallingestein (Granit) | 80–130 €/m |
Regionale Preisunterschiede: Süddeutschland (Bayern, BW) teurer durch höhere Lohnkosten und schwieriges Gestein. Norddeutschland (Lockergesteine) günstiger.
Gesamtkosten Erdwärmesonde-System
| Position | Kosten |
|---|---|
| Bohrung 2 × 100 m (Sandstein, 80 €/m) | 16.000 € |
| Sondenrohre, Verpressung | 2.000 € |
| Solekreis, Anschlüsse | 2.000 € |
| Genehmigungsgebühren | 500–1.500 € |
| Sole-WP 10 kW (Gerät) | 7.000–10.000 € |
| Installation (WP-Inneneinheit + Hydraulik) | 4.000–6.000 € |
| Gesamt | 31.500–37.500 € |
Nach BAFA 40 %: Eigenanteil ca. 19.000–22.500 €
Anzahl der Bohrungen planen
Eine oder mehrere Bohrungen?
Vorteile mehrerer Bohrungen:
- Bessere Bodenregeneration (Wärme aus mehr Richtungen)
- Geringere Beeinträchtigung des Bodens pro Bohrstelle
- Redundanz (bei Leck in einer Sonde)
Mindestabstand zwischen Bohrungen: 5–6 m (nach VDI 4640)
Maximale Tiefe ohne Sondererlaubnis: In vielen Bundesländern 100–150 m pro Bohrung ohne vertiefte Prüfung.
Empfehlung
- 10 kW WP, Sandstein: 2 Bohrungen à 100 m
- 10 kW WP, Granit: 2 Bohrungen à 80 m (höhere Entzugsleistung)
- 15 kW WP, Ton: 3 Bohrungen à 100 m
Ablauf der Bohrung
- Genehmigung erhalten (4–12 Wochen)
- Bohrunternehmen beauftragen (i.d.R. Subunternehmer des WP-Fachbetriebs)
- Bohrfahrzeug anliefern: Platzbedarf ~3 × 3 m, Zufahrt für LKW (Bohrstelle)
- Bohrung: 1–3 Tage je Bohrung
- Sondenrohre einbringen: Doppel-U-Rohr aus PE
- Verpressung: Bohrloch mit Spezialmörtel (Thermozement) verfüllen – für guten Wärmeübergang
- Drucktest: Solekreis auf Dichtheit prüfen (6 bar, 1 Stunde)
- Einfüllen der Sole: Frostschutzmischung (Ethanol ca. –15 °C oder Propylenglykol)
- Anschluss an WP-Inneneinheit
Risiken und was schieflaufen kann
| Risiko | Wahrscheinlichkeit | Maßnahme |
|---|---|---|
| Schlechte Geologie (kein Wasser, zu hart) | Gering–Mittel | Geo-Voruntersuchung, Bergbaukataster prüfen |
| Artesischer Brunnen angebohrt | Selten | Fachunternehmen mit Erfahrung wählen |
| Sondenleck (Sole tritt aus) | Sehr selten | Drucktest nach Installation, PE-Rohre langlebig |
| Grundwasserverunreinigung | Sehr selten (bei ordnungsgemäßer Verpressung) | Genehmigungsauflagen einhalten |
| Mehrkosten wegen Geologie | Häufig | Kostenpuffer 20 % einplanen |
→ Erdwärmepumpe mit Tiefenbohrung anfragen
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Häufige Fragen
Wie tief muss bei einer Erdwärmesonde gebohrt werden?
Tipiische Bohrtiefe: 80–150 m je Bohrung. Faustregel: Pro kW Wärmelast ca. 10–15 m Bohrmeter (abhängig vom Gestein). Beispiel: 10 kW WP-Leistung → 100–150 m Bohrmeter. Können auf 2 Bohrungen à 75 m aufgeteilt werden. Mehrere flachere Bohrungen sind oft besser als eine sehr tiefe. Maximum ohne Bergrecht: 400 m (dann Bergbaurecht anwendbar, selten nötig für Wohngebäude).
Welche Genehmigung brauche ich für eine Erdbohrung?
Wasserrechtliche Erlaubnis/Anzeige (Landeswasserrecht): Pflicht in allen Bundesländern. In Bayern, BW, NRW: Erlaubnispflicht ab 25–50 m Tiefe. In anderen Ländern: Anzeigepflicht. Zuständig: Untere Wasserbehörde (Landratsamt/Kreisamt). Antrag enthält: Bohrtiefe, -anzahl, Grundrissplan, geotechnisches Gutachten (oft nicht nötig für normale EFH-Bohrungen). Bearbeitungszeit: 4–12 Wochen.
Was kostet eine Erdbohrung für die Wärmepumpe 2025?
Bohrkosten 2025 (ohne WP und Installation): 50–100 €/Bohrmeter. Für EFH 150 m² (10 kW WP, 2 × 100 m Bohrung): 10.000–20.000 € reine Bohrkosten. Gesamtkosten Sole-WP (WP + Bohrung + Installation + Genehmigung): 25.000–45.000 €. Nach BAFA 40–70 %: Eigenanteil 8.000–25.000 €. Hinweis: Sole-WPs haben höhere JAZ (4,0–5,0) als Luft-WPs → niedrigere Betriebskosten.
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