Einrohr- oder Zweirohrsystem: Effizienz-Vergleich
Einrohrheizungen aus den 1970er–1980er Jahren sind eine Herausforderung für Wärmepumpen. Hier erfahren Sie, ob die Umrüstung auf Zweirohrsystem nötig ist oder es Alternativen gibt.
Einrohr-Heizung — wie sie funktioniert#
Bei einer Einrohrheizung sind alle Heizkörper hintereinander an einer einzigen Ringleitung angeschlossen. Der Vorlauf läuft durch den ersten Heizkörper, kommt etwas abgekühlt heraus, geht in den zweiten, dritten usw. Der letzte Heizkörper bekommt deutlich kühleres Wasser als der erste. Typisch in 1970er-1980er Jahre Mehrfamilienhäusern und manchen Einfamilienhäusern. Vorteile: weniger Rohrleitungs-Material, geringere Investition. Nachteile: ungleichmäßige Heizkörper-Temperaturen, schlechter hydraulischer Abgleich, hohe nötige Vorlauftemperatur (typ. 70–80 °C), weil der letzte Heizkörper noch ausreichend warm sein muss. Für Wärmepumpen-Betrieb ist die Vorlauftemperatur viel zu hoch — JAZ unter 2,5.
Zweirohr-Heizung — der Standard#
Beim Zweirohrsystem hat jeder Heizkörper einen eigenen Vor- und Rücklauf-Anschluss an einer zentralen Ringleitung. Alle Heizkörper bekommen die gleiche Vorlauftemperatur. Standard seit den 1990er Jahren. Vorlauftemperatur kann auf 50–55 °C gesenkt werden, mit großen Niedertemperatur-Heizkörpern auf 40–45 °C. Für Wärmepumpen-Betrieb deutlich besser geeignet — JAZ 3,0–3,5 (ohne FBH) erreichbar. Praxis: ca. 75 % aller Bestandsheizungen sind Zweirohr-Systeme, der Rest Einrohr (vor allem MFH der 70er-80er Jahre). Der hydraulische Abgleich nach Methode B ist beim Zweirohr-System gut machbar, beim Einrohr-System nur eingeschränkt.
Erkennung: Einrohr oder Zweirohr?#
Schnell-Test: An einem Heizkörper schauen, wie die Anschlüsse verlaufen. Beim Zweirohr-System gehen Vorlauf und Rücklauf separat zur Wand. Beim Einrohr-System läuft eine durchgehende Leitung am Boden des Heizkörpers entlang, der Heizkörper hängt nur als 'Nebenstrecke' dran. Ein anderes Indiz: Bei Einrohr-Systemen wird der erste Heizkörper im Strang heißer als der letzte (Hand-Test in der Heizperiode). Bei Zweirohr-Systemen sind alle gleichmäßig warm. Auch ein Blick in den Heizungsraum hilft: bei Einrohr läuft typischerweise eine dicke Rohrleitung im Estrich oder Sockel ringförmig durch alle Räume zurück zum Kessel. Bei Zweirohr gibt es zentrale Verteiler mit vielen einzelnen Strangabgängen.
Wärmepumpe an Einrohr-Heizung#
Eine Wärmepumpe an einer Einrohr-Heizung zu betreiben ist möglich, aber ineffizient. Die nötige Vorlauftemperatur liegt bei 60–70 °C — was nur Hochtemperatur-Wärmepumpen schaffen. JAZ etwa 2,2–2,8, deutlich schlechter als bei Zweirohr-Systemen. Strom-Mehraufwand 25–40 % gegenüber Zweirohr. Beispiel EFH 130 m²: Heizenergie-Bedarf 18.000 kWh, mit Einrohr-WP-Strom 7.500 kWh (JAZ 2,4), mit Zweirohr-WP-Strom 5.625 kWh (JAZ 3,2) — Differenz 1.875 kWh oder 670 Euro pro Jahr. Sanierungs-Empfehlung: bei Einrohr-Heizung vor Wärmepumpen-Einbau zumindest die wichtigsten Räume auf Zweirohr umbauen, oder die Heizkörper deutlich vergrößern.
Umrüstung auf Zweirohr#
Die Umrüstung Einrohr → Zweirohr ist aufwändig, aber im Rahmen einer Wärmepumpen-Sanierung sinnvoll. Vorgehen: Neue Vor- und Rücklauf-Leitungen im Estrich oder als Aufputz-Verlegung verlegen, alte Einrohr-Ringleitung kappen, Heizkörper neu anschließen. Aufwand pro Heizkörper: 200–450 Euro inkl. Material und Arbeitszeit. Im EFH mit 8 Heizkörpern 1.600–3.600 Euro. Plus eventueller Heizkörper-Tausch auf Niedertemperatur 350–600 Euro/Stk. Gesamt-Investition Sanierung Einrohr→Zweirohr+Niedertemperatur-Heizkörper im EFH: 6.000–12.000 Euro. ROI durch JAZ-Verbesserung 2,4 → 3,2: ca. 670 Euro/Jahr Stromkosten-Einsparung, Amortisation 9–18 Jahre — bei 20 Jahren WP-Lebensdauer Netto-Gewinn 5.000–10.000 Euro plus deutlich höherer Komfort.
Alternative: Einrohr beibehalten#
Wenn die Umrüstung Einrohr→Zweirohr nicht möglich ist (z. B. Denkmalschutz, fehlendes Budget, MFH ohne Eigentümer-Konsens), gibt es Alternativen: (1) Hochtemperatur-Wärmepumpe (Vaillant aroTHERM 70, Mitsubishi Ecodan PUZ-HWM 75) — schafft 70 °C Vorlauftemperatur, JAZ etwa 2,5–2,9. (2) Hybrid-System: Wärmepumpe für die Übergangszeit, vorhandener Brennwertkessel für Spitzenlasten unter -5 °C. JAZ effektiv 3,0+, weil die WP nur im milden Bereich läuft. (3) Punktuelle Heizkörper-Vergrößerung: an den hintersten Heizkörpern im Einrohr-Strang doppelte Größen einbauen, damit auch sie bei niedrigerer Vorlauftemperatur ausreichend Wärme abgeben. Reduziert nötige Vorlauftemperatur um 10–15 K. Investition 800–1.500 Euro, JAZ-Vorteil 0,3–0,5.
Häufige Fragen — Einrohr- vs. Zweirohrsystem bei Wärmepumpen
Funktioniert eine Wärmepumpe an einer Einrohrheizung?▾
Wie erkenne ich Einrohr- oder Zweirohrsystem?▾
Was kostet die Umrüstung Einrohr → Zweirohr?▾
Lohnt sich die Umrüstung wirtschaftlich?▾
Was sind Alternativen zur Umrüstung?▾
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