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Hydraulik

Heizkurve: Steigung, Niveau, Optimierung

Die Heizkurve regelt die Vorlauftemperatur abhängig von der Außentemperatur. Eine optimal eingestellte Heizkurve spart 5–15 % Stromkosten im Jahr. Hier der Praxis-Leitfaden.

4 Min. Lesezeit6 Abschnitte·Xpora-Redaktion · geprüft 2026

Was ist die Heizkurve?#

Die Heizkurve ist ein Regel-Algorithmus, der die Heizkreis-Vorlauftemperatur in Abhängigkeit von der Außentemperatur kontinuierlich anpasst. Bei +20 °C Außentemperatur ist kein Heizen nötig (Vorlauf = Raumtemperatur). Bei -12 °C Auslegungs-Außentemperatur muss die Vorlauftemperatur den Auslegungswert (z. B. 35 °C bei FBH oder 55 °C bei Heizkörpern) erreichen. Dazwischen liegt eine Funktion mit zwei Parametern: Steigung (Heizkurven-Steilheit) und Niveau (Parallel-Verschiebung). Die witterungsgeführte Heizkurven-Regelung sorgt dafür, dass nie mehr Vorlauftemperatur produziert wird als nötig — was direkt die JAZ erhöht. Bei Wärmepumpen ist die Heizkurve der wichtigste Stellhebel für die Effizienz.

Steigungs-Werte nach Heizflächen-Typ#

Praxis-Steigungswerte 2026 für die Erstein­stellung:

Fußbodenheizung Neubau (KfW-55+): Steigung 0,3–0,4, Endpunkt 32–35 °C bei -12 °C Fußbodenheizung Bestand (Sanierung): Steigung 0,4–0,5, Endpunkt 35–40 °C Niedertemperatur-Heizkörper: Steigung 0,7–0,9, Endpunkt 50–55 °C Misch FBH + Heizkörper: Steigung 0,5–0,6 (Auslegung auf Heizkörper-Strang), Mischer für FBH-Strang reduziert auf 35 °C Hochtemperatur-Anlage Bestand alt: Steigung 1,0–1,4, Endpunkt 60–70 °C — JAZ schlecht

Die Steigung wird in der Wärmepumpen-Regelung typisch in 0,1-Schritten justiert. Vorsicht: zu steile Heizkurve führt zu Überheizung in der Übergangszeit, zu flache zu kühlen Räumen bei strengem Frost.

Niveau (Parallelverschiebung)#

Das Niveau verschiebt die gesamte Heizkurve parallel um einen festen Wert nach oben oder unten — typisch in 1-K-Schritten. Anwendung: wenn die Steigung im richtigen Bereich liegt, aber alle Räume gleichmäßig zu kühl oder zu warm sind. Beispiel: Steigung 0,4 ist passend (zwischen 0 °C und -10 °C laufen die Räume gleichmäßig auf 22 °C), aber alle Räume sind 1 K zu kalt. Lösung: Niveau auf +1 K, alle Vorlauftemperaturen werden um 1 K höher. Niveau-Anpassungen für saisonale Effekte (z. B. Familie ist mehr im Haus → höherer Wärmebedarf): zeitlich begrenzt zulässig. Dauerhafte Niveau-Verschiebungen über +/-2 K hinaus sind ein Hinweis, dass die Heizkurven-Steigung neu eingestellt werden muss.

Optimierungs-Vorgehen Schritt für Schritt#

Praxis-Vorgehen über das Heizjahr verteilt:

1) Erste Heizperiode (Oktober): Werks-Standardwerte oder Heizungsbauer-Erstein­stellung beibehalten und beobachten. 2) Bei mildem Wetter (5–10 °C außen): Sind Räume zu warm? → Niveau um 1 K reduzieren. 3) Bei strengem Frost (-5 bis -10 °C): Sind Räume zu kühl? → Steigung um 0,05 erhöhen. 4) Wenn bei mildem Wetter Räume warm und bei Frost kühl: Steigung höher (typisch von 0,4 auf 0,5). 5) Wenn umgekehrt: bei Frost OK, bei mildem Wetter zu warm → Steigung niedriger (0,4 auf 0,3) plus Niveau leicht hoch.

Jede Justierung 7–14 Tage beobachten, dann nächste Anpassung. Über 1–2 Heizperioden konvergiert die Einstellung auf das individuelle Optimum.

Heizgrenztemperatur#

Die Heizgrenztemperatur ist die Außentemperatur, oberhalb derer die Heizkurve auf null fällt — die Wärmepumpe schaltet ab. Werkseinstellung typisch 17–18 °C. Bei sehr gut gedämmten Häusern (KfW-55+, Passivhaus) kann die Heizgrenze auf 14–15 °C reduziert werden, weil die Sonnen- und interne Wärmeerzeugung schon ab dieser Temperatur ausreicht. Bei Altbau mit mäßiger Dämmung 18–19 °C halten. Reduzierung der Heizgrenze um 1 K spart pro Heizperiode etwa 50–100 kWh Heizleistung, also 15–30 kWh Strom oder 5–10 Euro. Die Heizgrenze sollte nicht zu niedrig gewählt werden — dann gibt es kalte Übergangstage, an denen das Haus nicht beheizt wird. Empfehlung: Heizgrenze schrittweise nach unten justieren und beobachten, bis Komfort-Grenze erreicht ist.

Heizkurve und Nachtabsenkung#

Eine häufige Fehl-Konfiguration ist die Nachtabsenkung wie beim Brennwertkessel — bei Wärmepumpen meist kontraproduktiv. Die Wärmepumpe muss morgens das ausgekühlte Haus wieder hochheizen, was hohe Vorlauftemperaturen und schlechte COP bedeutet. Praxis-Empfehlung: Bei FBH komplett auf Nachtabsenkung verzichten — die thermische Trägheit des Estrichs sorgt für stabile Temperaturen, Absenkung bringt nichts. Bei Heizkörper-Anlagen Nachtabsenkung auf max. 2 K reduziert beibehalten. Energie-Einspar-Effekt im EFH 120 m² typisch -20 bis +20 kWh/Jahr — also irrelevant. Wichtiger: konstante Vorlauftemperatur-Regelung über die Heizkurve, ohne große Sprünge. Zeitprogramme nur für die Warmwasserbereitung sinnvoll (z. B. Sperrung während Nachttarif-Sperrzeit).

Häufige Fragen — Heizkurve einer Wärmepumpe optimieren

Welche Heizkurven-Steigung ist richtig?▾
FBH Neubau 0,3–0,4. FBH Bestand 0,4–0,5. Niedertemperatur-Heizkörper 0,7–0,9. Hochtemperatur-Bestand 1,0–1,4. Schrittweise in 0,1-Steps justieren über mehrere Wochen.
Niveau oder Steigung anpassen?▾
Steigung anpassen, wenn Räume bei Frost und mildem Wetter unterschiedlich gut beheizt werden. Niveau, wenn alle Räume gleichmäßig zu kühl oder zu warm sind.
Lohnt sich Nachtabsenkung bei Wärmepumpen?▾
Nein, bei FBH meist kontraproduktiv. Wärmepumpe muss morgens hochheizen mit hoher Vorlauftemperatur und schlechter COP. Bei Heizkörpern max. 2 K Absenkung.
Welche Heizgrenztemperatur einstellen?▾
KfW-55+ Neubau 14–15 °C, normale EFH-Sanierung 17–18 °C, Altbau ohne Dämmung 18–19 °C. Reduzierung um 1 K spart etwa 5–10 Euro Stromkosten/Jahr.
Wie lange dauert die Heizkurven-Optimierung?▾
1–2 Heizperioden mit 7–14 Tagen Beobachtung pro Justier-Schritt. Final-Werte protokollieren. Spart anschließend dauerhaft 5–15 % Stromkosten.

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