Kältemittel der Wärmepumpe — R290, R32 und die F-Gase-Verordnung 2026
Welches Kältemittel in der Wärmepumpe steckt, entscheidet über Förder-Bonus, Zukunftssicherheit und Aufstell-Bedingungen. Die F-Gase-Verordnung 2024 hat die Spielregeln geändert — eine sachliche Einordnung.
Wozu überhaupt ein Kältemittel?
Eine Wärmepumpe ist im Kern eine geschlossene Kreisanlage, in der ein Kältemittel laufend zwischen flüssigem und gasförmigem Zustand wechselt und dabei Wärme aus einer kalten Quelle (Außenluft, Sole, Grundwasser) aufnimmt und auf einem höheren Temperaturniveau wieder abgibt. Das Kältemittel selbst wird nicht verbraucht — es zirkuliert im hermetisch abgeschlossenen System des Kältekreises.
Trotzdem ist das eingesetzte Kältemittel ein zentraler Entscheidungs-Parameter. Es bestimmt:
- Die Treibhauswirksamkeit bei einem etwaigen Leck (gemessen als GWP, Global Warming Potential).
- Die Sicherheitsklasse (Brennbarkeit, Toxizität) und damit Aufstell-Bedingungen.
- Die maximal erreichbare Vorlauftemperatur der Wärmepumpe (R290 erlaubt Vorlauftemperaturen bis zu rund 75 °C, ältere Kältemittel deutlich weniger).
- Die BAFA-Förderfähigkeit: Für den Effizienzbonus von 5 % bei der BEG-EM-Förderung kommen nur Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln (oder Sole-/Wasser-/Erdwärme-Wärmepumpen) in Frage.
- Die langfristige Zukunftssicherheit — denn die F-Gase-Verordnung schreibt einen Phase-out fluorierter Kältemittel vor.
Die F-Gase-Verordnung 2024 in Kürze
Die F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 trat am 11. März 2024 in Kraft und ersetzte die bisherige Verordnung von 2014. Sie hat zum Ziel, fluorierte Treibhausgase (F-Gase) bis 2050 weitgehend aus dem Markt zu entfernen. Für die Wärmepumpen-Branche bedeutet das eine schrittweise Verschärfung:
- Mengenobergrenzen (Quotensystem) für das EU-weite Inverkehrbringen fluorierter Kältemittel werden bis 2030 schrittweise gesenkt — vorhandene Geräte und Service-Mengen bleiben für die nächsten Jahre verfügbar, neue Mengen werden knapper.
- Verbote von Neuanlagen mit bestimmten F-Gasen für spezifische Anwendungen folgen einer abgestuften Zeitachse, beginnend in der Klimatisierungs- und Splitgeräte-Branche bereits ab 2027.
- Schulungs- und Zertifizierungspflicht für Fachbetriebe wird ausgeweitet — auch auf den Umgang mit natürlichen, brennbaren Kältemitteln.
Für Hausbesitzer bedeutet das praktisch: Wer 2026 eine neue Wärmepumpe kauft, sollte ein Modell mit niedrigem GWP wählen, um in 15 Jahren bei einer eventuellen Reparatur noch passende Kältemittel-Service-Mengen vorzufinden — und um den Effizienzbonus mitzunehmen.
Die wichtigsten Kältemittel im Vergleich
Für moderne Wärmepumpen sind 2026 im Wesentlichen drei Kältemittel relevant — sowie ein vierter, der spezialisierte Anwendungen abdeckt.
R290 (Propan)
R290 ist ein natürliches Kältemittel aus Petrochemie-Produktion (Propan). Es ist kein F-Gas und damit von allen Phase-out-Regeln ausgenommen.
- GWP = 3 — vernachlässigbar im Vergleich zu allen synthetischen Alternativen.
- Sicherheitsklasse A3 — hoch brennbar (deshalb werden Wärmepumpen mit R290 fast immer als Monoblock-Außengerät ausgeführt; der Kältekreis bleibt komplett im Außengerät, im Haus zirkuliert nur Heizungswasser).
- Vorlauftemperatur bis 75 °C wird bei aktuellen R290-Geräten erreicht — Bestand-Heizkörper ohne Tausch nutzbar.
- BAFA-Effizienzbonus 5 % wird gewährt.
R32 (Difluormethan)
R32 ist ein einzelnes synthetisches HFKW-Kältemittel und seit Jahren der dominierende Standard im Wärmepumpen-Massenmarkt.
- GWP = 675 — deutlich besser als die ältesten HFKW-Kältemittel (R410A hatte GWP über 2.000), aber noch mittelgroß.
- Sicherheitsklasse A2L — schwach brennbar, geringere Anforderungen an die Aufstellung als A3.
- Phase-out: ab 2027 beginnen Mengenbeschränkungen für bestimmte Anwendungen, ab Anfang der 2030er-Jahre wird R32 knapper. Für Wärmepumpen bleibt R32 mittelfristig verfügbar, aber der Trend geht klar zu R290.
- Effizienzbonus: nicht qualifiziert (kein natürliches Kältemittel).
R454C / R454B (HFO-Gemische)
R454C und R454B sind HFO-Gemische (Hydrofluor-Olefine), die als Brücken-Kältemittel zwischen R32 und R290 vermarktet werden.
- GWP = 148 (R454C) bzw. 466 (R454B) — deutlich besser als R32, aber noch synthetisch und damit unter dem F-Gase-Regime.
- Sicherheitsklasse A2L — wie R32.
- Vor allem in Sole-Wasser-Geräten und manchen Großgeräten verbaut.
- Effizienzbonus: nicht qualifiziert (kein natürliches Kältemittel), aber Sole-Wasser-Geräte sind unabhängig vom Kältemittel über die Quellen-Art qualifiziert.
R744 (CO₂) — Spezialfall Hochtemperatur
CO₂ als Kältemittel (Bezeichnung R744) wird in spezialisierten Hochtemperatur-Wärmepumpen für Brauchwasser-Bereitung und industrielle Anwendungen eingesetzt. GWP = 1. Sicherheitsklasse A1 (nicht brennbar, nicht toxisch). Nachteil: sehr hohe Drücke (über 100 bar), entsprechend aufwendige Anlagentechnik. Im EFH-Bereich selten relevant, im MFH und in der Gastronomie zunehmend.
Aufstellungs-Konsequenzen aus der Sicherheitsklasse
Die Sicherheitsklasse nach DIN EN 378 hat unmittelbare Auswirkungen auf die zulässige Aufstellung des Kältekreises:
- A1 (nicht brennbar): praktisch keine Einschränkungen, Innen- und Außenaufstellung möglich.
- A2L (schwach brennbar): erhöhte Raumvolumina nötig (für die Füllmenge), aber Innenaufstellung in den meisten Fällen zulässig.
- A3 (hoch brennbar): in der Regel nur als Monoblock-Außengerät zulässig. Der gesamte Kältekreis bleibt im Außengerät hermetisch geschlossen, ins Haus geht nur das ungefährliche Heizungswasser. Innenaufstellung ist nur bei sehr kleinen Füllmengen oder in speziellen Aufstellräumen möglich.
In der Praxis: Wer 2026 eine R290-Wärmepumpe wählt, hat ausschließlich Monoblock-Außenaufstellung zur Auswahl — das ist aber für Einfamilienhäuser ohnehin der häufigste Fall. Wer Innen- oder Splitaufstellung benötigt, landet meist bei R32, R454B oder R454C.
Empfehlung für die Kaufentscheidung 2026
Ohne konkrete Marken- oder Modellempfehlung lassen sich folgende Heuristiken aus der Förderlogik und der F-Gase-Verordnung ableiten:
- Standard-EFH mit Außenaufstellung: R290 ist die zukunftssicherste Wahl. Effizienzbonus 5 % wird mitgenommen, das Kältemittel ist von allen F-Gase-Verboten ausgenommen, in 15 Jahren wird die Service-Verfügbarkeit am besten sein.
- Innenaufstellung oder Splitanlage zwingend nötig: R454C oder R32 bleiben mittelfristig praktikabel; bei R32 mittelfristig auf den Phase-out achten.
- Sole-Wasser- oder Grundwasser-Wärmepumpe: Wahl des Kältemittels ist sekundär, weil der Effizienzbonus über die Quellen-Art erreicht wird. Häufig kommt R454C zum Einsatz.
- Hochtemperatur-Brauchwasser oder Sondernutzung: CO₂ (R744) ist eine Spezial-Option mit speziellen Voraussetzungen an Aufstellung und Wartung.
Für die individuelle Entscheidung sollte der Fachbetrieb das gewünschte Aufstell-Szenario, die nötige Vorlauftemperatur (siehe Heizlast-Berechnung) und die Bonus-Strategie aus der BAFA-Förderung in einer gemeinsamen Logik durchdenken — nicht das Kältemittel isoliert betrachten.
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