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Effizienz-Grundlagen

SCOP, COP & JAZ — die drei Effizienz-Kennzahlen der Wärmepumpe

Bei jeder Wärmepumpen-Entscheidung fallen drei Kennzahlen, die ähnlich klingen, aber Unterschiedliches messen: COP, SCOP und JAZ. Wer sie sauber trennt, vermeidet die häufigsten Marketing-Fallen und liest Datenblätter richtig.

COP — der Datenblatt-Punktwert

Der COP (Coefficient of Performance) beschreibt die Leistungszahl der Wärmepumpe in einem einzelnen, präzise definierten Betriebspunkt. Er antwortet auf die Frage: Wie viele Einheiten Wärme liefert die Maschine pro Einheit Antriebsstrom — bei einer bestimmten Außentemperatur und einer bestimmten Vorlauftemperatur?

Üblich angegebene Prüfpunkte aus der DIN EN 14511 sind beispielsweise A2/W35 (Außenluft 2 °C, Vorlauftemperatur 35 °C), A7/W35, A−7/W35, A7/W55 und für Sole-Wasser-Wärmepumpen B0/W35 (Sole 0 °C). Je nach Punkt ergeben sich für dieselbe Maschine sehr unterschiedliche COP-Werte: Bei milden Außentemperaturen und niedriger Vorlauftemperatur ist der COP hoch, bei strenger Kälte und hoher Vorlauftemperatur deutlich niedriger.

Problem in der Praxis: Wer nur den COP A7/W35 vergleicht, sieht den günstigsten Punkt — und vergleicht ggf. Datenblätter, die in der konkreten Anwendung weit auseinanderliegen. Der COP ist nützlich für Detail-Vergleiche, taugt aber nicht zur Gesamtbewertung.

SCOP — der Jahres-Durchschnitt nach DIN EN 14825

Der SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) nach DIN EN 14825 ist der ehrlichere Vergleichswert. Er bildet einen über die Heizsaison gemittelten Wirkungsgrad ab und gewichtet die verschiedenen Außentemperaturen mit ihrer typischen Häufigkeit. Der SCOP wird für definierte Klimazonen angegeben:

  • Klimazone Average (Straßburg-Profil) — der EU-Standard, Basis für die meisten BAFA-Listen-Werte und das EU-Energielabel.
  • Klimazone Colder (Helsinki) — relevant für kältere Mittelgebirgs- und Alpen-Regionen.
  • Klimazone Warmer (Athen) — kaum relevant für Deutschland.

Zusätzlich wird zwischen Vorlauftemperatur-Anwendungen unterschieden: Niedertemperatur (Anwendung 35 °C, ideal für Fußbodenheizung), Mitteltemperatur (Anwendung 55 °C, typisch für Bestand mit Heizkörpern) und gegebenenfalls Hochtemperatur. Ein SCOP-Wert ist deshalb erst dann vergleichbar, wenn die Klimazone und die Vorlauftemperatur-Anwendung gleich sind.

Plausible Bereiche für den SCOP A35 °C (Niedertemperatur, Klimazone Average) liegen für moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen typischerweise zwischen 3,8 und 5,0. Für Sole-Wasser-Geräte sind Werte zwischen 4,5 und 5,5 üblich. Bei Vorlauftemperatur-Anwendung 55 °C liegen die Werte deutlich darunter — erwartungsgemäß, weil die größere Temperaturhebung mehr Strom kostet.

ETAs — der BAFA-Listen-Wirkungsgrad

Eng verwandt mit dem SCOP ist ETAs (ηs), der jahreszeitlich-bedingte Raumheizungs-Wirkungsgrad. Er wird im EU- Energielabel und in der BAFA-Liste förderfähiger Wärmepumpen angegeben und ergibt sich rechnerisch aus dem SCOP mit Abzügen für Hilfsenergien, Regelungsverluste und einem Bezug auf den primären Energieaufwand. Die BAFA verlangt für Förderfähigkeit nach BEG-EM einen ETAs von mindestens 135 % für Mitteltemperatur-Anwendung.

Praktischer Vorteil: ETAs ist ein einzelner, klar definierter Zahlenwert aus einer offiziellen Liste. Wer im konkreten Vergleich nur die BAFA-Liste konsultiert, hat eine herstellerneutrale Quelle der Wahrheit zur Hand.

JAZ — der reale Wert im Betrieb

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) nach VDI 4650-1 ist schließlich der Wirkungsgrad, der sich im konkreten Haus über ein ganzes Jahr tatsächlich messen lässt. Sie wird ermittelt aus der gelieferten Wärmemenge (Wärmemengenzähler im Heizkreis) geteilt durch den eingesetzten Strom (Stromzähler für die Wärmepumpe).

Faustregel: Die in der Praxis gemessene JAZ liegt typisch 10–20 % unter dem Datenblatt-SCOP. Gründe für diese Differenz sind:

  • Hilfsenergien (Heizkreispumpen, Steuerung, Frostschutzheizungen am Außengerät, Abtau-Zyklen).
  • Nicht ideale Auslegung — wenn die Vorlauftemperatur in der Praxis höher liegt als im Auslegungsfall geplant.
  • Hydraulische Probleme wie fehlender oder unzureichender hydraulischer Abgleich (siehe separate Grundlagen-Seite).
  • Nutzerverhalten (häufige Solltemperatur-Wechsel, zu hohe Warmwasser-Temperaturen, zu großer Pufferspeicher mit Bereitschaftsverlusten).

Wer nach Inbetriebnahme eine JAZ deutlich unter 80 % des Datenblatt-SCOPs misst, sollte das Anlass für ein Gespräch mit dem Fachbetrieb nehmen — ohne hydraulischer Abgleich oder schlecht eingestellte Heizkurve sind 15-Prozent-Effizienzverluste keine Seltenheit.

Welche Kennzahl wofür

Zusammengefasst lässt sich die Verwendung der drei Werte sauber trennen:

  • COP für punktuelle Vergleiche eines bestimmten Betriebszustands — z. B. wenn man wissen möchte, wie die Maschine bei A−7/W35 noch performt.
  • SCOP/ETAs als Hauptgrößen für den Marken- und Modellvergleich. Beide gelten unter standardisierten Klimazonen und Vorlauftemperatur-Anwendungen.
  • JAZ als Erfolgskontrolle nach Inbetriebnahme. Sie ist das einzige Maß, das die reale Effizienz im konkreten Gebäude beschreibt — und damit auch der Wert, der zählt, sobald die Anlage läuft.

Wer im Angebot eines Fachbetriebs nur die schönsten COP-Werte einer Marke findet (typisch A7/W35), aber keinen SCOP oder ETAs — sollte nachfragen. SCOP/ETAs sind aus dem EU-Energielabel und der BAFA-Liste öffentlich, jeder seriöse Anbieter kann sie nennen.

Was im Datenblatt steht und was nicht

Ein vollständiges Wärmepumpen-Datenblatt sollte mindestens die folgenden Effizienz-Angaben enthalten:

  • SCOP für die relevante Klimazone (in Deutschland: Average) und für die relevante Vorlauftemperatur-Anwendung (35 °C bei Fußbodenheizung, 55 °C bei Heizkörperbetrieb).
  • ETAs (ηs) in Prozent — vergleichbar mit dem Wert aus der BAFA-Liste.
  • COP-Punktwerte für mindestens A7/W35, A2/W35, A−7/W35 (Luft-Wasser) bzw. B0/W35 (Sole-Wasser).
  • Heizleistung im jeweiligen Betriebspunkt — wichtig, weil die Heizleistung in der Kälte typischerweise abfällt.

Verbindlich sind ausschließlich die offiziellen Angaben des Herstellers im aktuellen Datenblatt und die Einträge in der BAFA-Liste förderfähiger Wärmepumpen. Beide Quellen sind kostenlos zugänglich und gelten als herstellerneutrale Basis für jeden Marken-Vergleich.

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