Elektroinstallation für Wärmepumpen: Was Elektriker und Eigentümer wissen müssen
Welche Elektroinstallation braucht eine Wärmepumpe? Netzanschluss, Absicherung, SG-Ready, Smart Meter – mit Kosten und allen Anforderungen für 2025.
Inhaltsverzeichnis
- Netzanschluss: Was reicht aus?
- Absicherung und Leitungsdimensionierung
- Separater WP-Zähler: Sondertarif
- Smart Meter: Pflicht ab 2025
- SG-Ready-Anschluss
- Kosten der Elektroinstallation
- Wer darf installieren?
Netzanschluss: Was reicht aus?
Einphasig vs. Dreiphasig
| WP-Leistung | Anschluss | Typische Absicherung |
|---|---|---|
| < 3,5 kW (Kleinst-WP) | 1-phasig (230 V) möglich | 16 A |
| 3,5–8 kW | 3-phasig (400 V) empfohlen | 3 × 16 A |
| 8–18 kW | 3-phasig (400 V) Pflicht | 3 × 16–25 A |
| > 18 kW | 3-phasig, ggf. Anmeldung beim Netzbetreiber | 3 × 25–32 A |
Wichtig: Ab 12 kW WP-Leistung ist der Netzbetreiber vorab zu informieren (§ 19 NAV). Bei > 30 kW: Separate Anmeldung Pflicht.
Hausanschluss prüfen
Viele ältere EFH haben nur 32 A Hausanschluss (3 × 32 A = 22 kW max.). Das reicht für eine 10–12 kW WP üblicherweise aus, wenn der Gleichzeitigkeitsfaktor berücksichtigt wird.
Problematisch: Haus mit 25 A Hausanschluss + Elektroauto + WP. Hier kann ein Upgrade auf 63 A nötig werden (3.000–8.000 €, durch Netzbetreiber).
Eigencheck: Im Zählerschrank steht die Absicherung (Hauptsicherung). 3 × 25 A = genug für 8-kW-WP.
Absicherung und Leitungsdimensionierung
Leitungsquerschnitt
| WP-Anschlussstrom | Mindestquerschnitt | Empfohlen |
|---|---|---|
| 16 A | 2,5 mm² | 2,5 mm² |
| 20 A | 4 mm² | 4 mm² |
| 25 A | 6 mm² | 6 mm² |
| 32 A | 10 mm² | 10 mm² |
Gilt für Kupferleiter in Rohrinstallation nach DIN VDE 0100-520.
Leitungslänge beachten
Langer Kabelweg (Zählerschrank → WP-Inneneinheit → WP-Außeneinheit) erhöht den Spannungsabfall. Bei > 30 m: Querschnitt erhöhen (nächste Stufe). Elektriker berechnet laut VDE.
Schutzschalter-Typen
- LSS Typ B (Standard): Auslösung bei 3–5× Nennstrom → gut für WP (begrenzter Anlaufstrom)
- LSS Typ C: Auslösung erst bei 5–10× → nur bei sehr hohen Anlaufströmen nötig
- FI-Schutzschalter (RCD Typ A): Pflicht für WP-Anschluss (Fehlerstromschutz)
Separater WP-Zähler: Sondertarif
Wie funktioniert der WP-Sondertarif elektrisch?
Für den günstigeren WP-Sondertarif braucht der Netzbetreiber einen separaten Zähler für den WP-Strom:
- Haushaltszähler bleibt (für normalen Strom)
- WP-Zähler (neu) wird vom Netzbetreiber installiert
- Beide laufen auf getrennten Tarifen
- WP-Zähler kann bei Sperrzeiten getrennt abgeschaltet werden
§ 14a EnWG: Steuerbare Verbrauchseinrichtung
Ab 01.01.2024 gilt: Alle Wärmepumpen (und E-Auto-Ladepunkte) > 4,2 kW gelten als "steuerbare Verbrauchseinrichtungen". Der Netzbetreiber darf die WP bei Netzüberlastung zeitweise (max. 2h am Stück, max. 6h/Tag, mindestens 50% Restleistung) dimmen. Dafür: reduzierter Netzbetreiber-Aufpreis (–60 €/Jahr Netzentgelt-Reduzierung oder günstigerer Tarif).
Technische Anforderung
- Zweikreisleitung vom Verteiler: Haushalt + WP getrennt
- WP-Zähler: Wird vom Netzbetreiber auf Antrag installiert
- Steuerempfänger (Rundsteuerempfänger): Für Sperrzeiten-Signal, ggf. durch Smart-Meter ersetzt
Smart Meter: Pflicht ab 2025
Was ist Pflicht?
Nach Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) §29:
- WP ≥ 7 kW: Smart Meter Gateway Pflicht (intelligentes Messsystem, iMSys)
- Rollout: Messstellenbetreiber muss installieren (Kosten: Messstellenbetreiber)
- Eigentümer-Kosten: Max. 20 €/Jahr (gedeckelt, § 31 MsbG)
Was passiert mit dem Smart Meter?
Das Smart Meter Gateway:
- Misst WP-Verbrauch viertelstündlich
- Sendet Daten an Netzbetreiber und Energieversorger
- Kann zukünftig dynamische Tarife ermöglichen (automatische Nutzung günstigster Stunden)
- Ermöglicht § 14a EnWG-Umsetzung ohne separaten Steuerempfänger
Für den Eigentümer: Kein Handlungsbedarf, Messstellenbetreiber handelt von sich aus.
SG-Ready-Anschluss
Was ist SG-Ready?
SG-Ready (Smart Grid Ready) ist ein 2-Kontakt-Interface, das der WP signalisiert, in welchem Modus sie arbeiten soll:
| Zustand | Kontakt | WP-Verhalten |
|---|---|---|
| 00 | Beide offen | Normalbetrieb |
| 01 | Kontakt 1 geschlossen | Gesperrt (z. B. Netz-Hochlastzeit) |
| 10 | Kontakt 2 geschlossen | Erhöhter Betrieb erlaubt (PV-Überschuss) |
| 11 | Beide geschlossen | Forcierter Betrieb (Laden für PV-Eigenverbrauch) |
SG-Ready elektrisch einbinden
SG-Ready-Anschluss an der WP ist ein Niederspannungs-Steuerstromkreis (24 V oder potenzialfreier Kontakt):
- Kabel zum WP-Inneneinheit-Anschlussfeld (2-adriges Steuerkabel, 1,5 mm²)
- Am anderen Ende: Steuerrelais oder PV-Wechselrichter / Energiemanager
- PV-Wechselrichter mit SG-Ready-Ausgang: Kopplung direkt möglich
Kosten: 200–500 € (Kabel + Relais oder Energiemanager-Anschluss)
Kosten der Elektroinstallation
Typische Elektroinstallation bei WP-Neuinstallation
| Position | Kosten |
|---|---|
| Neue Zuleitung von Verteiler zur WP (10–20 m) | 400–800 € |
| Absicherung (LSS, FI) im Verteiler | 150–300 € |
| Steuerkabel WP-Außen- zu Inneneinheit | 200–400 € |
| Zählerantrag und Zählerinstallation (Netzbetreiber) | 200–500 € |
| SG-Ready-Anschluss (Kabel + Relais) | 200–400 € |
| Gesamt Elektroinstallation | 1.150–2.400 € |
Hausanschluss-Upgrade (wenn nötig):
- Upgrade 32 A → 63 A Hausanschluss: 2.000–5.000 € (Netzbetreiber + Elektriker)
- Nur nötig wenn bestehender Anschluss zu schwach
Wer darf installieren?
Elektroinstallation für WP = konzessionierter Elektriker Pflicht:
- DIN VDE 0100 schreibt Fachbetrieb vor
- Netzbetreiber fordert Elektriker-Anmeldung für neue Verbrauchseinrichtungen
- WP-Anmeldung beim Netzbetreiber: üblicherweise durch WP-Fachbetrieb oder Elektriker erledigt
Was Eigentümer selbst dürfen:
- SG-Ready-Steuerkabel selbst verlegen (Niederspannung 24 V, max. SELV-Bereich)
- Smart Meter Gateway: Kein Handlungsbedarf, Messstellenbetreiber handelt
→ WP-Installation mit Elektroinstallation anfragen
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Häufige Fragen
Welche elektrische Absicherung braucht eine Wärmepumpe?
Eine Luft-Wasser-WP 10 kW benötigt typisch: 3-phasigen Anschluss (400 V), Absicherung 16–25 A je Phase (LSS B16 oder B25), separaten Stromkreis (nicht zusammen mit Haushaltsstrom). Anlaufstrom (Einschaltstrom) kann kurz 3–5× den Betriebsstrom übersteigen. Deshalb: B-Charakteristik bevorzugen (nicht C). Der Elektriker dimensioniert laut DIN VDE 0100 und Hersteller-Datenblatt.
Brauche ich für die Wärmepumpe einen separaten Stromzähler?
Für den WP-Sondertarif: Ja, separater Zähler erforderlich. Netzbetreiber installiert kostenpflichtigen Doppelzähler (Haushaltsstrom + WP-Strom). Kosten: 200–500 € (einmalig, ggf. vom Netzbetreiber übernommen). Ohne Sondertarif: Kein separater Zähler nötig, WP läuft auf normalem Haushaltsstrom. Empfehlung: WP-Sondertarif lohnt sich – durchschnittlich 4–8 ct/kWh günstiger.
Muss ich bei der Wärmepumpe einen Smart Meter nachrüsten?
Ab 01.01.2025 (Messstellenbetriebsgesetz 2023): Wärmepumpen ab 7 kW müssen mit einem intelligenten Messsystem (iMSys/Smart Meter Gateway) ausgestattet werden. Der Messstellenbetreiber (meist Netzbetreiber) installiert das Smart Meter auf eigene Kosten. Für den Eigentümer entstehen lediglich Betriebskosten (max. 20 €/Jahr Deckelung). Keine Pflicht zur aktiven Steuerung – nur Messung.
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