Wärmepumpe Grundlagen

Wärmepumpe Kühlung: Aktiv- und Passivkühlung im Vergleich

Kann die Wärmepumpe auch kühlen? Passivkühlung und Aktivkühlung erklärt – wie effizient sie sind, was sie kosten und worauf Sie bei der Planung achten müssen.

6 Min. LesezeitXpora Redaktion
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Inhaltsverzeichnis


Kühlen mit der Wärmepumpe: Grundlagen

Wärmepumpen transportieren Wärme von einer Quelle zu einem Ziel. Im Heizbetrieb: von der Außenluft/Erdreich ins Haus. Im Kühlbetrieb (Umkehrbetrieb): aus dem Haus in die Außenluft/Erdreich.

Drei Kühlmöglichkeiten:

  1. Passivkühlung (nur Sole-WP/Wasser-WP): Kühles Erdreich kühlt direkt das Heizwasser – ohne Verdichter
  2. Aktivkühlung (umgekehrter WP-Betrieb): WP läuft im Kühlmodus – Verdichter dreht
  3. Luft-Luft-WP: Immer Aktivkühlung über direktes Luft-Luft-System

Vorteil gegenüber Klimaanlage: WP-Kühlbetrieb ist effizienter als einfache Split-Klimaanlagen, da die WP für beide Betriebsmodi optimiert ist.

Passivkühlung: Erdwärme als kostenloser Kühler

Voraussetzung: Sole-Wasser-Wärmepumpe (Erdwärme) oder Wasser-Wasser-Wärmepumpe

Funktionsprinzip: Das Erdreich hat ganzjährig eine konstante Temperatur von ca. 10–12 °C in 100 m Tiefe. Im Sommer ist das deutlich kühler als Raumtemperatur. Durch einfaches Durchpumpen der Sole durch Gebäude-Wärmetauscher (Fußbodenheizung) wird das Haus passiv gekühlt – ohne dass der Verdichter läuft.

Vorteile:

  • Extrem stromsparend: Nur Umwälzpumpe läuft (100–200 W)
  • Keine zusätzlichen Betriebskosten: Ca. 30–60 Cent/Tag
  • Kein Verdichterverschleiß durch Kühlbetrieb

Nachteile:

  • Nur 2–6 K Temperatursenkung möglich (z.B. von 26 °C auf 22 °C)
  • Kein "Tiefkühlen" möglich (kein Ersatz für starke Klimaanlage)
  • Erdwärme-Bohrung erwärmt sich langfristig (bei intensiver Kühlung)

Geeignet für: Komfortkühlung (Reduktion von Spitzenwärme), nicht für extreme Hitzewellen

Aktivkühlung: Wärmepumpe als Klimaanlage

Voraussetzung: WP mit integriertem Kühlbetrieb (nicht alle Modelle!)

Funktionsprinzip (Luft-Wasser-WP): Im Kühlbetrieb dreht die WP den Kältemittelkreislauf um:

  • Außeneinheit wird zum Verflüssiger (gibt Wärme an Außenluft ab)
  • Innenanlage/Fußbodenheizung/Kühldecke wird zum Verdampfer (nimmt Wärme auf)
  • Verdichter läuft (Strom benötigt)

EER (Energy Efficiency Ratio) beim Kühlen: 3,0–4,5 – d.h. aus 1 kWh Strom werden 3–4,5 kWh Kühlung.

Vergleich zu normaler Klimaanlage:

  • Split-Klimaanlage: EER 2,5–3,5
  • WP im Kühlbetrieb: EER 3,0–4,5
  • WP effizienter als normale Klimaanlage

Vorteile:

  • Stärkere Kühlung als Passivkühlung möglich
  • Ersetzt separate Klimaanlage
  • Ein System für Heizen und Kühlen

Nachteile:

  • Mehr Strom als Passivkühlung
  • Nicht jede WP hat Kühlbetrieb (beim Kauf prüfen!)
  • Kühlung über FBH: Kondensatgefahr (s. unten)

Flächenkühlung über die Fußbodenheizung

Kühlen über die FBH ist eine der angenehmsten Kühlmethoden:

  • Gleichmäßige Kühlung (keine Zugluft)
  • Strahlungskühlung (kühle Oberfläche entzieht dem Raum Wärme)
  • Kein Lärm (keine Ventilatoren)

Technische Herausforderung: Kondensat

Wenn das Kühlwasser kälter ist als der Taupunkt der Raumluft, kondensiert Feuchtigkeit auf dem Boden. Risiko: nasse Böden, Schimmel.

Lösung: Vorlauftemperatur beim Kühlen immer 1–2 °C über dem Taupunkt halten. Moderne WP-Steuerungen regeln das automatisch über Taupunkt-Sensoren.

Zulässige Kühlvorlauftemperaturen: Typisch 16–20 °C (nicht kälter – Kondensatrisiko).

Alternative zu FBH:

  • Kühldecken: Wasser-Wasser-Kühldecken, sehr effektiv, kein Kondensatproblem am Boden
  • Fan-Coils (Gebläsekonvektoren): Zusätzliche Geräte (Wand oder Decke), die Heizwasser/Kühlwasser bläserisch in den Raum abgeben

Planung: Was muss bei der Installation beachtet werden?

Beim WP-Kauf:

  • Modell mit Kühlbetrieb wählen (im Datenblatt: "Heizen/Kühlen" oder "Reversible Betrieb")
  • Auf EER-Angabe des Herstellers achten

Beim Heizsystem:

  • Taupunkt-Sensor erforderlich (verhindert Kondensat an der FBH)
  • Frostschutz für Rohre (kein Problem bei 16–20 °C Kühlvorlauf)
  • Separate Kühlkreisregelung empfehlenswert

Bei der Planung:

  • Kühlbetrieb früh in die Planung einbeziehen (nicht nachträglich schwer)
  • Dämmung als Coolingsystem: gut gedämmtes Haus bleibt länger kühl → weniger Kühlbedarf

Tipp: Im Neubau lohnt es sich, die WP mit Kühlbetrieb von Anfang an einzuplanen. Nachrüstung ist teurer.

Kosten und Effizienz im Vergleich

Betriebskosten Kühlung (Sommertag, 8 Stunden):

Kühllösung Strombedarf Stromkosten/Tag
Passivkühlung (Sole-WP) 0,8–1,6 kWh 0,24–0,50 €
Aktivkühlung WP (EER 4,0, 3 kW Kühllast) 6 kWh 1,80 €
Split-Klimaanlage (EER 3,0, 3 kW Kühllast) 8 kWh 2,40 €
Mobile Klimaanlage (EER 2,0) 12 kWh 3,60 €

Mehrinvestition für Kühlbetrieb:

  • WP mit Kühlbetrieb vs. ohne: 500–2.000 € Mehrpreis
  • Taupunkt-Sensor + Regelung: 300–600 €
  • Amortisation: Bei 4 Sommermonaten Kühlbetrieb gegenüber Klimaanlage: 3–6 Jahre

Fazit: Wer eine Wärmepumpe plant und für heiße Sommer gewappnet sein will, sollte die Kühlbetrieb-Option von Anfang an einplanen. Die Mehrinvestition ist überschaubar; die Betriebskosten sind deutlich günstiger als eine separate Klimaanlage.

Ein Energieberater oder Heizungsbauer berät Sie zur optimalen Kühlungslösung für Ihr Gebäude.


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Häufige Fragen

Können alle Wärmepumpen kühlen?

Nein. Luft-Luft-Wärmepumpen (Split-Klimaanlagen) können immer kühlen. Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Heiz-/Kühlbetrieb-Option können aktiv kühlen. Sole-Wasser-Wärmepumpen können meist passiv kühlen. Einfache Luft-Wasser-WPs ohne Aktivkühlungsoption können nicht kühlen. Die Kühlungseignung muss beim Kauf der WP berücksichtigt werden.

Was kostet das Kühlen mit der Wärmepumpe?

Passivkühlung (Sole-WP): Sehr günstig, da nur die Umwälzpumpe Strom verbraucht (50–150 W). Für 8 h/Tag: 0,4–1,2 kWh/Tag = ca. 10–30 Cent/Tag. Aktivkühlung (Luft-WP): Effizienter als normale Klimaanlage (EER 3,0–4,5), aber mehr Strom als Passivkühlung.

Brauche ich für die Kühlung eine Fußbodenheizung?

Für die Flächenkühlung über die FBH: ja. Aber es gibt auch Kühldecken und Kühlgebläse (Fan-Coils), die an die WP angeschlossen werden können. Die Flächenkühlung über FBH ist besonders effektiv und angenehm, setzt aber eine geeignete FBH-Ausführung voraus.

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