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TGA-Planung: vom Heizlast-Wert zum funktionsfähigen WP-System

Wärmepumpen-Planung ist mehr als die Geräteauswahl — sie ist eine quantitative Übung über Heizlast, Vorlauftemperatur, Hydraulik und Effizienz-Optimierung. Wer hier sorgfältig arbeitet, holt aus der gleichen Wärmepumpe oft 15–20 % mehr JAZ heraus. Dieses Pillar fasst die Pflichten und Best Practices der TGA-Planung in der Sanierungs- und Neubau-Praxis zusammen.

Heizlast nach DIN/TS 12831-1: was die Norm verlangt

Die Heizlast-Berechnung nach DIN/TS 12831-1 (Stand 2017, deutsche Anwendungsrichtlinie zur europäischen Norm EN 12831-1) ist die Grundlage jeder seriösen Wärmepumpen-Auslegung. Die Berechnung erfolgt raumweise und summiert sich zur Gebäude-Gesamtheizlast. Die Norm-Berechnungsformel je Raum: Q_Hraum = Q_T + Q_V + Q_zusatz Wobei: — Q_T = Transmissions-Wärmeverluste durch Wände, Fenster, Dach, Boden (U-Wert × Fläche × Δ_Temperatur). — Q_V = Lüftungs-Wärmeverluste (Mindestluftwechsel nach DIN 1946 Teil 6). — Q_zusatz = Zusatzlast für Trinkwarmwasser-Bereitung (bei zentraler Erwärmung anteilig). Norm-Außentemperatur und Norm-Innentemperatur: — Norm-Außentemperatur Θ_e: Klimazone 1 (Küste): −10 °C. Zone 2: −12 °C. Zone 3 (Mitteldeutschland): −14 °C. Zone 5 (Hochlagen Bayern): −16 °C. Zone 6 (Schwarzwald, Schwäbische Alb über 800 m): −18 °C. — Norm-Innentemperatur Θ_int: Wohnräume 20 °C, Schlafzimmer 18 °C, Bad 24 °C, Treppenhaus 12 °C. Wichtige U-Werte typischer Bestand-Bauteile: — Außenwand 36,5er Ziegel ohne Dämmung (1960er-Bestand): U-Wert 1,2–1,5 W/m²K. — Gleiche Wand mit 12 cm WDVS-Dämmung Mineralwolle (Sanierung 2010er): U-Wert 0,32–0,38 W/m²K. — Doppelglas-Fenster Ug 2,8 (1980er): U-Wert 2,8 W/m²K. — Wärmeschutzglas 3-fach (Neubau 2020er): U-Wert 0,9–1,1 W/m²K. — Dach Sparrendach mit 16 cm Zwischensparren-Dämmung Mineralwolle: U-Wert 0,25 W/m²K. — Bodenplatte Beton + 8 cm Dämmung (Neubau 2010er): U-Wert 0,3 W/m²K. Auslegungs-Beispiel — Bestand-EFH 180 m², Baujahr 1985, in Klimazone 3 (Norm-Außentemperatur −14 °C): — Wohnraum 28 m² (Wand 2,5 W/m²K Fenster 2,8 W/m²K, Bodenfläche zu Keller 0,7 W/m²K): Wärmeverlust 1.420 W bei Δ Θ = 34 K. — Schlafzimmer 18 m²: 800 W. — Bad 8 m² (Δ Θ = 38 K wegen 24 °C Innentemperatur): 480 W. — 4 weitere Räume mit insgesamt 56 m²: 2.300 W. — Treppenhaus + Diele 22 m²: 600 W. — Lüftungs-Verluste (Mindestluftwechsel 0,4/h, Volumen 180 m² × 2,4 m = 432 m³, Wärme bei Δ Θ = 34 K): rund 1.600 W. — Trinkwarmwasser-Zusatzlast (zentral, 4 Personen, Bereitstellung über Speicher): 800 W. — Sicherheitszuschlag Übergabe (10 %): 800 W. Gesamt-Heizlast: rund 8.800 W = 8,8 kW. Nach Sanierung mit Außenwand-Dämmung (U-Wert auf 0,35 W/m²K) und neuen Fenstern (Ug 1,1 W/m²K) sinkt die Heizlast auf rund 5,5 kW — was die Wärmepumpen-Auslegung deutlich beeinflusst. Fehler-Quellen typisch in der Praxis: — Pauschale Heizlast aus Erfahrungswerten: „Pro Quadratmeter 50–80 W“ — viel zu ungenau, in Bestand-Bauten oft 20 % Über- oder Unter-Dimensionierung. — Ignorierte Lüftungs-Verluste bei modernen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung: Eine kontrollierte Wohnraum-Lüftung (MVHR) mit 85 % Wärmerückgewinnung reduziert Q_V auf rund 15 % des Standardwerts — das senkt die Heizlast deutlich. — Falsche Klimazone (Hochlagen-Aufschlag vergessen): In Klimazone 5/6 sind die Heizlasten 15–20 % höher als in Klimazone 3 — bei Bauten in alpinen Lagen oder Mittelgebirgen wichtig. Für den BAFA-BEG-EM-Antrag ist die Heizlast-Berechnung nach DIN/TS 12831-1 in einer Begleitdokumentation des TGA-Planers oder Energie-Effizienz-Experten zu belegen — pauschale Werte werden bei Audit nicht akzeptiert.

Vorlauftemperatur und Wärmeübergabesystem: was die WP wirklich kann

Die Vorlauftemperatur ist der zweitwichtigste Auslegungsparameter nach der Heizlast — und in der Praxis oft die größere Stellschraube für die JAZ. Eine LWWP, die bei 35 °C Vorlauf einen COP von 4,5 erreicht, fällt bei 55 °C Vorlauf auf COP 3,0 (Verlust 33 %). Bei 65 °C Vorlauf liegt der COP nur noch bei 2,3 — eine ineffiziente Standard-Sanierung. Vorlauftemperatur-Bedarf nach Wärmeübergabesystem: — Fußbodenheizung (FBH) mit Auslegungs-Spreizung 35/28 °C (Neubau): VL = 30–35 °C. Optimal für WP-Effizienz. — FBH 40/30 (Standard-Sanierung mit Trockenestrich-Aufbau): VL = 38–42 °C. — Heizkörper-Bestand mit alter 90/70-Auslegung (vor 1990): VL = 55–65 °C, suboptimal für WP. Sanierungs-Bedarf der Heizkörper. — Heizkörper 70/55 (modernisiert mit überdimensionierten Plattenheizkörpern): VL = 50 °C, akzeptabel. — Niedertemperatur-Heizkörper (Tieftemperatur-Spezial-Heizkörper, Verteilung Konvektoren): VL = 35–45 °C, fast FBH-Effizienz. — Wandheizung (Niedertemperatur-System): VL = 30–35 °C. Sanierungs-Strategie für Bestand-Heizkörper: Option A — Heizkörper neu dimensionieren: Vorhandene Heizkörper auf neue Wärmeleistung bei niedrigerer Vorlauftemperatur überprüfen. Bei einer Senkung der Vorlauftemperatur von 65 °C auf 50 °C verlieren Standard-Plattenheizkörper rund 40–50 % ihrer Wärmeleistung — d.h. die Heizkörper müssen auf den 2-fachen Wärme-Übergangs-Fläche überdimensioniert werden, oder die Heizkörper werden ersetzt. Kosten Heizkörper-Tausch im Bestand-EFH typisch 200–500 € pro Heizkörper (Material plus Installation), für ein durchschnittliches EFH mit 12 Heizkörpern also 3.500–6.500 €. Option B — Punktuelle Heizkörper-Aufrüstung mit Konvektor-Leistung: Vorhandene Heizkörper mit elektrischen Konvektor-Lüftern (z.B. Kermi x-flair, Buderus iX) ergänzen — bringt 25–40 % mehr Wärmeleistung bei gleicher Vorlauftemperatur. Kosten 350–500 € pro Heizkörper. Schnellere und günstigere Lösung als Komplett-Tausch. Option C — Hybrid mit Pellet- oder Gas-Spitzenlast (siehe Pillar Pellet-WP-Hybrid): Bei Bestand-Heizkörpern mit nicht-änderbarer 60–65 °C Vorlauftemperatur die WP nur für die Grundlast einsetzen, Pellet- oder Gas-Spitzenlast für Tieftemperatur-Tage. WP läuft im optimalen Bereich, der Hybrid-Erzeuger füllt die Lücke. Flächenheizung-Konvertierung im Bestand: In manchen Sanierungen wird der vorhandene Heizkörper-Estrich durch eine moderne Trockenestrich-FBH (Knauf F141, Fermacell FloorWell) ersetzt. Mehrkosten: 80–140 €/m² für die Trockenestrich-FBH plus 30–60 €/m² für den neuen Bodenbelag. Bei 100 m² Wohnfläche-Konvertierung also 11.000–20.000 € — lohnt sich nur in Komplettsanierungen mit Gebäude-Komplett-Umbau. Auslegungs-Ziel: Vorlauftemperatur ≤ 45 °C für JAZ ≥ 3,5 (BAFA-Effizienzbonus-Kriterium). Bei Sanierungen mit Bestand-Heizkörpern oft die größte Hürde — hier zahlt sich vor der WP-Auslegung eine Heizkörper-Optimierung schnell aus.

Hydraulik-Schema, hydraulischer Abgleich und das BAFA-Pflicht-Protokoll

Der hydraulische Abgleich nach Verfahren B (mit raumweiser Berechnung der Heizkörper-Volumenströme und Ventil-Voreinstellung) ist seit 2020 mit dem GEG §72 verpflichtend bei Heizungsmodernisierungen — und seit 2023 zwingende BAFA-BEG-EM-Förderbedingung. Wer den Abgleich nicht oder nur nach dem alten Verfahren A („überschlägig nach Erfahrungswerten“) macht, riskiert die Förderrückforderung. Verfahren B im Detail: 1. Heizlast je Raum nach DIN/TS 12831-1 berechnen (siehe Abschnitt 1). 2. Wärmeleistung jedes Heizkörpers bei der geplanten Auslegungs-Vorlauftemperatur berechnen — Hersteller-Daten (Kermi-, Buderus-, Vogel & Noot-Tabellen) bei 50 °C oder 45 °C Vorlauf. 3. Volumenstrom je Heizkreis berechnen: Q [W] = m × c_p × Δ T → m = Q ÷ (c_p × Δ T), Wasser c_p = 1,16 Wh/kg·K, Δ T meist 5–7 K. Beispiel: 1.500 W Heizleistung bei 5 K Δ T → m = 258 kg/h ≈ 4,3 l/min. 4. Voreinstell-Tabellen der Thermostatventile (Danfoss RA-N, Heimeier V-Exact II, Oventrop AV9) verwenden, um die korrekte Ventil-Voreinstellung je Heizkörper zu finden. 5. Pumpe drehzahlgeregelt und auf das System-Bedarfsdiagramm (Q-H-Kennlinie) anpassen. Das Protokoll nach Verfahren B ist ein 3–8-seitiges Dokument je Bauvorhaben, das jeden Heizkörper mit: — Position (Raum, Wand), — Hersteller, Typ, Maße, — Wärmeleistung bei Auslegungs-VL, — berechnetem Volumenstrom, — Ventil-Voreinstellung auflistet. BAFA verlangt dieses Protokoll im Verwendungsnachweis — bei fehlendem oder unvollständigem Protokoll wird die Förderung zurückgefordert. Hydraulik-Schema-Komponenten typisch: — Wärmepumpe (Außeneinheit + Inneneinheit oder Monoblock). — Pufferspeicher (Volumen mind. 50 l/kW Heizleistung, also 8-kW-WP → 400 l, häufig 600–800 l). — Trennspeicher bzw. hydraulische Weiche bei MFH-Kaskade. — Heizkreis-Verteiler mit voreinstellbaren Thermostatventilen (FBH 16-Wege-Verteiler typisch). — Sicherheitsventil (3 bar Öffnungsdruck, DIN EN 1488). — Druckausdehnungsgefäß (10–25 l Volumen je nach Anlage). — Klasse-A-Hocheffizienz-Pumpen (Wilo Stratos, Grundfos Alpha2, Vortex BWO 155 OEM). — Wärmemengenzähler für Förder-Verwendungsnachweis und ggf. Mieterabrechnung. Elektrische Schaltkomponenten: — FI/RCD Typ B für die Wärmepumpe (bei Inverter-Verdichtern Pflicht nach VDE 0100-722). — §14a-Steuerbox (Modul 1 mindestens) am Hauptanschluss. — iMSys-Anbindung beim grundzuständigen Messstellenbetreiber. — Smart-Home-Anbindung für PV-Eigenverbrauchs-Optimierung (SG-Ready oder EEBus). Dokumentations-Pflichten beim BAFA-Förderantrag: — Heizlast-Berechnung nach DIN/TS 12831-1 (vollständig). — Vorlauftemperatur-Auslegung (mit Begründung). — Hydraulisches Schema (1–2 Seiten). — Hydraulischer Abgleich Protokoll Verfahren B. — Inbetriebnahme-Protokoll des Heizungsbauers mit JAZ-Vorabschätzung. — Wartungs-Empfehlung (jährlich bzw. nach F-Gase-VO).

Praxis-Beispiele: drei TGA-Planungs-Aufträge

Beispiel A — EFH-Bestand 180 m², Heizlast-Reduktion durch Sanierung Bauherr-Auftrag: TGA-Planung für Heizungsmodernisierung (Gas zu LWWP) parallel zu Außenwand-Sanierung und Fenster-Tausch. Anrechenbare Kosten 75.000 € (Heizungsanlage + Hydraulik + Speicher + Elektro). Leistungen TGA-Planer (HOAI Lph 1–8, Honorarzone II): — Heizlast-Berechnung vor und nach Sanierung. Vor: 12,5 kW. Nach: 7,8 kW. Damit Auslegungs-Sicherheit für die WP-Wahl. — Vorlauftemperatur-Berechnung: Aktuelle Heizkörper bei 65/55 °C ausgelegt, nach Sanierung umrechenbar auf 55/45 °C — JAZ-Auslegungs-Vorlauftemperatur 50 °C. — WP-Auswahl: Vaillant aroTHERM plus VWL 75/6 R290 (6,5 kW bei A2/W35, COP 4,5 / SCOP 3,8). Modulierende 1,5–6,5 kW. — Hydraulik-Schema mit 600-l-Hygiene-Pufferspeicher und Frischwasserstation. — Hydraulischer Abgleich Verfahren B: 9 Heizkörper detailliert berechnet, je 5 Heizkörper mit höherer Heizleistung als die DIN-Berechnung verlangt (durch Sanierung-Effekt). — BAFA-Antragstellung inkl. iSFP-Bestätigung. Kosten TGA-Planer-Honorar: 6.500 € netto. Davon iSFP-Anteil 800 € separat gefördert (50 % BAFA-iSFP). Förderung Gesamtprojekt: BAFA-BEG-EM 30 % auf 75.000 € + Effizienzbonus 5 % + Klimabonus 20 % (Gas-Ablöse) + iSFP-Bonus 5 % = 45 % auf förderfähige Investition = 33.750 €. Netto-Investition 41.250 €. Beispiel B — Neubau-EFH 220 m² mit Sole-WP und Erdsonden-Bohrung Bauherr-Auftrag: Komplette TGA-Planung für Neubau-Effizienzhaus KfW-40-EE. Anrechenbare Kosten 145.000 € (Heizung + Lüftung + Trinkwasser + Elektro). Leistungen TGA-Planer (HOAI Lph 1–8, Honorarzone III): — Heizlast: 6,2 kW (KfW-40-EE, FBH durchgehend). — Sole-WP-Auswahl: Heliotherm HP10C (10 kW, COP B0/W35 = 5,1) mit Erdsonden-Bohrung 2 × 100 m (Untergrund: Glimmerschiefer, Wärmeleitfähigkeit λ = 2,8 W/m·K). — Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung (Helios KWL 360 W, η_WRG = 86 %), die die Lüftungs-Wärmeverluste der Heizlast deutlich reduziert. — Hydraulik mit 800-l-Hygiene-Pufferspeicher + Frischwasserstation 50 kW. — Erdsonden-Bohranzeige nach Wasserhaushaltsgesetz §49 beim UWB (Untere Wasserbehörde). — Bohranlagen-Begleitung in Lph 8. Kosten TGA-Planer-Honorar: 12.000 € netto. Förderung: BAFA-BEG-EM 30 % + Effizienzbonus 5 % (Sole-WP mit JAZ > 4,5) + Klimabonus entfällt (Neubau, keine Heizungs-Ablöse) + KfW 297/298 Effizienzhaus-Kredit. Effektive Förderquote 35 % = 51.000 € BAFA-Anteil. Netto-Heizungs-Investition 94.000 €. Beispiel C — MFH 14 WE Sanierung mit Wärmepumpenkaskade und Solar-Großanlage Bauherr-Auftrag: TGA-Komplettplanung MFH-Sanierung. Anrechenbare Kosten 280.000 € (KG 400). Leistungen TGA-Planer (HOAI Lph 1–9, Honorarzone IV): — Heizlast: 35 kW nach DIN/TS 12831-1 (Bestand-MFH, teilsaniert). — Wärmepumpenkaskade: 2 × Stiebel WPF 30 (60 kW Gesamt, JAZ 4,2 bei B0/W35). — Erdsonden-Feld: 4 × 130 m, Untergrund Geothermische Karte abgerufen, Wärmeleitfähigkeit λ = 2,4 W/m·K. — Solar-Großanlage 60 m² Wagner Eurosolarheat mit Drainback-Hydraulik. — Zentraler 1.500-l-Schichten-Pufferspeicher mit Frischwasserstation 80 kW. — Hydraulik-Strang-System mit Wärmemengenzähler pro Wohnung-Heizkreis (BAFA-Pflicht). — Bauphysikalische Schallschutz-Begleitung der WP-Kaskade-Aufstellung im Keller (Schwingungs-Entkopplung, Schalldämmaß zur darüberliegenden Wohnung L'nT,w ≥ 53 dB). — BEW-Wärmenetz-Modul-1-Transformationsplan separat verfasst (zusätzliches Honorar 18.000 €). — Mess-Konzept HeizkostenV-konform mit MID-Wärmemengen- und Trinkwasser-Zählern. Kosten TGA-Planer-Honorar: 27.500 € netto (Standardhonorar) + 18.000 € BEW-Studie = 45.500 € gesamt. Davon BEW-Studie zu 50 % gefördert = 9.000 € Eigenanteil. Förderung Gesamtprojekt: BAFA-BEG-EM MFH 30 % auf 280.000 € + KfW 261/262 + ggf. BEW-Förderung nach Studie. Komplexere Förderbilanz, ein detaillierter Förder-Rechenschritt ist Teil der HOAI Lph 7.

⚠ Praxis-Hinweis

Heizlast-Berechnung nach DIN/TS 12831-1 raumweise — pauschale Werte sind nicht förderfähig. Hydraulischer Abgleich Verfahren B ist BAFA-Pflicht; ohne Protokoll wird Förderung zurückgefordert. Vorlauftemperatur ≤ 45 °C ist das Auslegungs-Ziel für effizienten WP-Betrieb mit JAZ ≥ 3,5.

Häufige Fragen — TGA-Planung Wärmepumpe — Heizlast, Hydraulik, Schemata (2026)

Welche Norm gilt für die Heizlast-Berechnung 2026?
DIN/TS 12831-1 (Stand 2017, deutsche Anwendungsrichtlinie zur europäischen Norm EN 12831-1). Sie schreibt eine raumweise Berechnung mit Transmission und Lüftung vor — das alte Verfahren nach DIN 4701-12 ist seit Inkrafttreten der DIN/TS 12831-1 nicht mehr förderfähig. Bei BAFA-Audit wird die Heizlast-Berechnung in der Begleitdokumentation des Energie-Effizienz-Experten geprüft, pauschale Werte werden nicht akzeptiert. Software-Tools: Hottgenroth ETU/EnEV/GEG, BKI Plancosy, Plancal nova, BIM-basiert mit AutoDesk Revit oder ZWCAD.
Wie viel niedriger muss die Vorlauftemperatur sein, damit eine LWWP wirtschaftlich läuft?
Auslegungs-Ziel: Vorlauftemperatur ≤ 45 °C im winterlichen Heizfall (Norm-Außentemperatur). Bei 45 °C VL erreicht eine moderne LWWP einen COP von 3,8–4,2 bei A−5/W45 — was zu einem JAZ von 3,5–4,0 führt (BAFA-Effizienzbonus erreichbar). Bei 55 °C VL fällt der COP auf 3,0–3,4, JAZ rund 2,8–3,2 (Effizienzbonus nicht mehr erreichbar). Bei 65 °C VL nur noch COP 2,3–2,7, JAZ unter 2,8 — unwirtschaftlich für reinen WP-Betrieb. Sanierungs-Strategie: Bestand-Heizkörper überdimensionieren oder Tausch auf Konvektor- oder FBH.
Was ist der hydraulische Abgleich nach Verfahren B konkret?
Eine raumweise Berechnung der Heizkörper-Volumenströme und der entsprechenden Ventil-Voreinstellung an den Thermostatventilen — sodass jeder Heizkörper exakt den Volumenstrom bekommt, der seiner berechneten Wärmeleistung entspricht. Voreinstell-Tabellen der Hersteller (Danfoss RA-N, Heimeier V-Exact II, Oventrop AV9) übersetzen den berechneten Volumenstrom in eine konkrete Ventil-Stellung (typisch Stufen 1–8 oder einstellbare kV-Werte). Das Protokoll ist 3–8 Seiten lang, listet jeden Heizkörper auf und wird mit dem BAFA-Verwendungsnachweis eingereicht. Verfahren A („überschlägige Methode“) ist seit 2020 nicht mehr förderfähig.
Wie groß muss der Pufferspeicher dimensioniert werden?
Faustregel: 50 l pro kW Wärmepumpen-Nennheizleistung als Minimum, 80 l/kW als Standard für gute Modulation. Bei 8-kW-WP also 400–640 l Pufferspeicher, gängig 600 oder 800 l. Bei FBH-Heizung mit hoher thermischer Trägheit reichen oft 30 l/kW (= 240 l für 8-kW-WP). Bei Hybrid-Konzepten (Pellet + WP) entsprechend größer (siehe Pellet-Pillar). Pufferspeicher mit Schichtladelanze (Vaillant allSTOR exclusive plus, Reflex Storatherm) bieten 12–22 % höhere Solar-/Wärmeertragsausbeute — Mehrkosten 400–800 €, fast immer wirtschaftlich.
Welche Pumpen sind in der Wärmepumpen-Hydraulik empfehlenswert?
Hocheffizienz-Pumpen Klasse A nach Energieeffizienzrichtlinie 2024/1791/EU. Bekannte Modelle: Wilo Stratos PICO (kleine Heizkreise), Wilo Yonos PICO (mittelgroß), Grundfos Alpha2 und Alpha3, Vortex BWO 155 OEM, KSB Calio S. Drehzahlgeregelt nach Differenzdruck oder Vorlauftemperatur — vermeidet Pumpen-Über-Lauf bei niedrigem Wärmebedarf in der Übergangszeit. Strom-Aufnahme im Vergleich zu alten Standard-Pumpen 70–85 % weniger. Über 20 Jahre Strom-Ersparnis pro Pumpe rund 600–1.200 €, Mehrkosten gegenüber Standard-Pumpe 80–200 €.
Brauche ich ein Druckausdehnungsgefäß und welche Größe?
Ja, zwingend nach DIN EN 12828 (Sicherheitsausrüstung von Heizungsanlagen). Größe: Bei 8-kW-WP mit 600-l-Pufferspeicher und Heizkreis-Inhalt 80 l (= 680 l Gesamt-Volumen): Druckausdehnungsgefäß 12–18 l Nutzvolumen bei 1 bar Vordruck. Standardgrößen 12, 18, 25 l. Modelle: Reflex N 18 (rund 65 €), Caleffi 555018 (60 €). Größere Anlagen (MFH) brauchen 35–80 l Volumina. Die Berechnung erfolgt nach der Norm — der Heizungsbauer dimensioniert das im Standard-Inbetriebnahme-Schritt.
Wer trägt die Verantwortung für den hydraulischen Abgleich?
Pflicht des Heizungsbauers (Werkvertrag-Pflicht nach BGB §634), aber in der Praxis wird oft der TGA-Planer beauftragt, die Berechnung als Vor-Auslegung mit Voreinstellwerten zu liefern. Der Heizungsbauer setzt diese dann an den Ventilen um. Bei BAFA-Audit haftet der Bauherr gegenüber dem BAFA für die Korrektheit — er muss das Protokoll vorlegen. Wenn der Heizungsbauer ein fehlerhaftes Protokoll liefert, kann der Bauherr ihn nach BGB §634 in Anspruch nehmen. Praxis-Tipp: Vor der BAFA-Antragstellung das Verfahren-B-Protokoll vom Heizungsbauer abfordern und prüfen lassen.
Welche Pflichtdokumente verlangt BAFA im Verwendungsnachweis?
Im Verwendungsnachweis (V-Antrag) nach Inbetriebnahme: Inbetriebnahme-Protokoll des Heizungsbauers, hydraulischer Abgleich Protokoll Verfahren B (3–8 Seiten), Heizlast-Berechnung nach DIN/TS 12831-1, Hersteller-Datenblätter der eingebauten Wärmepumpe und des Speichers, Rechnungs-Kopien zum Nachweis der förderfähigen Kosten, gegebenenfalls iSFP-Bestätigung des Energieberaters. Bei Audit (Stichprobe 5–10 % der Förderfälle) zusätzlich Vor-Ort-Begehung und Stichproben-Prüfung der Voreinstellungen. Vollständige Dokumentation ist nicht-verhandelbarer Zuwendungs-Bestandteil; bei fehlenden Dokumenten Rückforderung möglich.

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