Wie kommt Luft in die Heizungsanlage?
Die Heizung ist ein geschlossenes System — und trotzdem ist immer wieder von Luft im Heizkreis die Rede. Diese Seite erklärt, wie Luft in die Heizungsanlage gelangt: aus dem Befüllwasser, beim Befüllen und bei Arbeiten an der Anlage — und warum gerade in der Anfangszeit mehr Luft im Spiel ist.
Die Heizung ist geschlossen — und doch kommt Luft hinein#
Wer hört, dass sich Luft im Heizkreis befinden kann, stellt sich zu Recht eine Frage: Wie kann das sein? Die Heizungsanlage ist doch ein geschlossenes System — wie soll da Luft hineinkommen?
Die Frage ist berechtigt, und sie führt zu einem nützlichen Verständnis. Tatsächlich ist die Heizungsanlage ein geschlossenes System: Sie ist nicht offen zur Umgebung, das Heizungswasser zirkuliert in einem in sich geschlossenen Kreislauf. Trotzdem kann sich Luft im Heizkreis befinden — und das ist kein Widerspruch.
Der Schlüssel zum Verständnis ist, dass geschlossen nicht bedeutet, dass nie und auf keinem Weg Luft hineingelangen könnte. Es gibt nachvollziehbare Wege, auf denen Luft in eine Heizungsanlage kommt — und es gibt einen wichtigen Umstand, der oft übersehen wird: Ein Teil der Luft ist gewissermaßen von Anfang an mit dabei, nämlich gelöst im Wasser, mit dem die Anlage befüllt wurde.
Wenn man also fragt, wie Luft in die Heizungsanlage kommt, ist die Antwort nicht ein geheimnisvolles Leck, durch das ständig Luft einströmt. Die Antwort ist eine Kombination aus mehreren, gut erklärbaren Vorgängen. Diese Vorgänge zu kennen ist nützlich, denn sie machen verständlich, warum Luft im Heizkreis ein normales, nachvollziehbares Phänomen ist — und warum es gerade in der Anfangszeit einer Anlage häufiger auftritt.
Die folgenden Abschnitte stellen die wichtigsten Wege vor, auf denen Luft in die Heizungsanlage gelangt: die Luft, die im Befüllwasser gelöst ist und sich mit der Zeit daraus löst; die Luft, die beim Befüllen und bei Arbeiten an der Anlage hineingelangen kann; und schließlich die Erklärung, warum die Anfangszeit besonders ist. Wer das verstanden hat, versteht das Thema Luft im Heizkreis nicht mehr als rätselhaft, sondern als normalen Vorgang.
Luft aus dem Befüllwasser#
Der wichtigste und vielleicht überraschendste Weg, auf dem Luft in die Heizungsanlage kommt, ist das Befüllwasser selbst. Die Luft muss gar nicht von außen einströmen — ein Teil von ihr ist von Anfang an im Wasser enthalten.
Der Grund ist eine Eigenschaft des Wassers. Wasser enthält stets eine gewisse Menge Luft in gelöster Form. Diese gelöste Luft ist nicht als Bläschen sichtbar; sie steckt im Wasser, ähnlich wie sich Stoffe darin auflösen können. Wenn eine Heizungsanlage mit Wasser befüllt wird, kommt mit diesem Wasser deshalb zwangsläufig auch eine Menge gelöster Luft in das System.
Wie viel Luft Wasser gelöst halten kann, ist nicht immer gleich — es hängt unter anderem von den Bedingungen ab, etwa von der Temperatur. Das ist der entscheidende Punkt: Verändern sich die Bedingungen, kann Wasser einen Teil der gelösten Luft nicht mehr halten. Die gelöste Luft tritt dann aus dem Wasser aus und wird zu freier Luft im Heizkreis — zu Luft, die sich sammeln und stören kann.
Genau das geschieht im Betrieb einer Heizungsanlage. Das Heizungswasser wird erwärmt und durchläuft verschiedene Zustände. Im Zuge dessen kann sich Luft, die im Befüllwasser gelöst war, allmählich aus dem Wasser lösen und sich im Heizkreis als freie Luft sammeln.
Das erklärt einen scheinbaren Widerspruch: Eine Heizung kann Luft im Heizkreis bekommen, ohne dass von außen Luft hineinströmt — schlicht, weil die Luft schon im Befüllwasser steckte und sich mit der Zeit daraus löst. Die Luft kommt gewissermaßen von innen, aus dem Wasser selbst.
Dieser Mechanismus ist der Hauptgrund, warum Luft im Heizkreis ein so normales Phänomen ist. Jede wassergefüllte Heizung wurde mit Wasser befüllt, jedes Befüllwasser brachte gelöste Luft mit, und ein Teil dieser Luft tritt im Lauf der Zeit aus dem Wasser aus. Dass eine Heizungsanlage entlüftet werden kann und Entlüftungseinrichtungen hat, ist die direkte Antwort auf genau diesen Umstand.
Luft beim Befüllen und bei Arbeiten an der Anlage#
Neben der Luft, die im Befüllwasser gelöst steckt, gibt es weitere Wege, auf denen Luft in die Heizungsanlage gelangt — Wege, die mit dem Befüllen und mit Arbeiten an der Anlage zusammenhängen.
Der eine Weg ist das Befüllen selbst. Wenn eine Heizungsanlage mit Wasser gefüllt wird — bei der Inbetriebnahme oder wenn nach einem Druckverlust Wasser nachgefüllt wird —, kann dabei auch Luft in das System gelangen. Das Befüllen ist ein Vorgang, bei dem Wasser in die Anlage eingebracht wird, und je nachdem, wie es geschieht, kann Luft mitgehen. Deshalb gehört zu einer fachgerechten Befüllung, dass sie so erfolgt, dass möglichst wenig Luft eingetragen wird — und deshalb ist es üblich, dass nach einem Befüllen ohnehin entlüftet wird.
Ein weiterer Weg sind Arbeiten an der Heizungsanlage. Immer dann, wenn der Heizkreis geöffnet wird — etwa bei einer Reparatur, beim Austausch eines Bauteils, bei bestimmten Wartungsarbeiten —, kann Luft in das System gelangen. Ein geöffneter Heizkreis ist nicht mehr vollständig geschlossen, und an der geöffneten Stelle kann Luft eindringen. Auch nach solchen Arbeiten gehört das Entlüften deshalb zum normalen Vorgehen des Fachbetriebs dazu.
Diese beiden Wege haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind an konkrete Anlässe gebunden — an ein Befüllen, an Arbeiten an der Anlage. Sie führen nicht dazu, dass ständig Luft einströmt, sondern dass bei bestimmten Gelegenheiten Luft hinzukommt. Das ist ein wichtiger Unterschied zu einem Dauerproblem.
Für den Verbraucher folgt daraus eine nützliche Einordnung. Wenn nach einer Reparatur an der Heizung, nach einem Nachfüllen von Wasser oder nach einer Arbeit am Heizkreis Anzeichen von Luft auftreten, ist das nachvollziehbar und kein Grund zur Sorge — bei solchen Anlässen kommt eben Luft ins Spiel, und ein anschließendes Entlüften gehört dazu. Etwas anderes ist es, wenn Luft immer wieder ohne erkennbaren Anlass auftritt; darauf geht eine eigene Q&A-Seite in diesem Cluster ein.
Besonders in der Anfangszeit — und was das bedeutet#
Wenn man die verschiedenen Wege betrachtet, auf denen Luft in die Heizungsanlage gelangt, ergibt sich ein klares Bild: Besonders in der Anfangszeit einer Anlage ist mehr Luft im Spiel. Das zu verstehen, nimmt dem Thema viel von seiner Beunruhigung.
Warum die Anfangszeit? Weil mehrere der genannten Wege gerade am Anfang zusammentreffen. Eine neue Heizungsanlage wurde frisch befüllt — mit Wasser, das gelöste Luft mitbrachte. Diese gelöste Luft beginnt nach der Inbetriebnahme, sich nach und nach aus dem Wasser zu lösen und sich im Heizkreis zu sammeln. Hinzu kommt die Luft, die beim Befüllen selbst eingetragen worden sein kann. In den ersten Wochen und Monaten nach der Inbetriebnahme arbeitet sich gewissermaßen die Luft heraus, die mit der Befüllung in die Anlage gekommen ist.
Deshalb ist es ganz normal und zu erwarten, dass eine neue Wärmepumpen-Heizung in ihrer Anfangszeit mehr mit dem Thema Luft zu tun hat. In dieser Phase kann es eher vorkommen, dass entlüftet werden muss — und das ist kein Zeichen für einen Mangel, sondern Teil des Einspielens der Anlage. Es ist üblich, dass der Fachbetrieb in der Anfangszeit dem Thema Luft Aufmerksamkeit schenkt und gegebenenfalls nachentlüftet.
Was bedeutet das für den weiteren Verlauf? Mit der Zeit, wenn die anfangs eingebrachte Luft herausgearbeitet ist, beruhigt sich das Thema in aller Regel. Eine eingespielte Anlage hat normalerweise weniger mit Luft zu tun als eine ganz neue. Das Thema verliert mit der Zeit an Bedeutung.
Daraus ergibt sich auch eine wichtige Unterscheidung. Luft in der Anfangszeit einer neuen oder neu befüllten Anlage ist normal und erklärbar. Wenn dagegen eine seit Langem eingespielte Anlage immer wieder und ohne erkennbaren Anlass mit Luft zu tun hat, ist das etwas anderes — dann lohnt es sich, der Sache fachlich nachzugehen. Diesem Unterschied widmet sich die abschließende Q&A-Seite dieses Clusters. Festzuhalten bleibt hier: Dass gerade am Anfang Luft im Spiel ist, ist der Normalfall und gehört zum Einspielen einer Heizungsanlage dazu.
⚠ Praxis-Hinweis
Luft in der Anfangszeit einer neuen oder neu befüllten Anlage ist normal und gehört zum Einspielen. Hat dagegen eine seit Langem eingespielte Anlage immer wieder ohne Anlass mit Luft zu tun, lohnt es sich, der Sache mit dem Fachbetrieb nachzugehen.
Häufige Fragen — Wie kommt Luft in die Heizungsanlage?
Wie kommt Luft in eine geschlossene Heizungsanlage?▾
Was bedeutet Luft aus dem Befüllwasser?▾
Kann bei Reparaturen Luft in die Anlage gelangen?▾
Warum ist in der Anfangszeit mehr Luft im Spiel?▾
Beruhigt sich das Thema Luft mit der Zeit?▾
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