Welche Wärmepumpe passt zu meinen alten Heizkörpern?
Bestehende Heizkörper sind kein Hindernis für eine Wärmepumpe — aber sie bestimmen, welche Art von Gerät man braucht und wie effizient es laufen wird. Diese Q&A-Seite erklärt das Vorlauftemperatur-Problem verständlich, zeigt, welche Modelle hohe Vorlauftemperaturen schaffen, wie der Heizkörper-Check abläuft und was die Vorlauftemperatur konkret für die Jahresarbeitszahl bedeutet.
Das Heizkörper-Problem verstehen
Um die richtige Wärmepumpe zu wählen, muss man zuerst verstehen, worum es bei alten Heizkörpern überhaupt geht. Es geht nicht um Alter oder Optik, sondern um eine einfache physikalische Beziehung. Jeder Heizkörper gibt umso mehr Wärme an den Raum ab, je heißer das Heizungswasser ist, das durch ihn fließt, und je größer seine Heizfläche ist. Ein kleiner Heizkörper mit sehr heißem Wasser kann denselben Raum warm bekommen wie ein großer Heizkörper mit lauwarmem Wasser. Alte Heizungen — Gas- und Ölheizungen aus den 1980er- bis 2000er-Jahren — wurden oft mit Vorlauftemperaturen von 70, 75, teils 90 °C ausgelegt. Entsprechend wurden die Heizkörper bemessen: Bei diesen hohen Temperaturen reichten relativ kompakte Heizkörper aus. Genau das ist das Erbe, mit dem die Wärmepumpe umgehen muss. Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist, die sie liefern muss. Ihr Idealbereich liegt bei 30–40 °C, wie ihn eine Fußbodenheizung verlangt. Muss sie dagegen 60 oder 65 °C liefern, weil die alten Heizkörper für hohe Temperaturen ausgelegt sind, sinkt ihre Effizienz — sie funktioniert weiterhin, verbraucht aber mehr Strom. Der entscheidende Punkt: Es gibt drei Stellschrauben, um die nötige Vorlauftemperatur zu senken, und nur eine davon ist die Wärmepumpe selbst. Erstens die Heizkörper: Größere Heizkörper geben bei niedrigerer Temperatur dieselbe Wärme ab. Tauscht man einzelne zu kleine Heizkörper gegen größere Niedertemperatur-Modelle, sinkt die nötige Vorlauftemperatur. Zweitens die Wärmeverluste des Raums: Wird ein Raum besser gedämmt, sinkt seine Heizlast, und der vorhandene Heizkörper reicht plötzlich auch bei niedrigerer Temperatur. Drittens die Wärmepumpe: Hochtemperatur-Modelle sind gerade dafür gebaut, auch hohe Vorlauftemperaturen mit noch akzeptabler Effizienz zu liefern. In der Praxis ist die Lösung fast immer eine Kombination: ein hochtemperaturfähiges Gerät, der Tausch der wenigen kritischen Heizkörper und ein sauberer hydraulischer Abgleich. Bevor man irgendetwas kauft, muss aber klar sein, welche Vorlauftemperatur das Haus tatsächlich braucht.
Hochtemperatur-Wärmepumpen — welche Modelle hohe Vorlauftemperaturen schaffen
Wenn die alten Heizkörper hohe Vorlauftemperaturen verlangen, kommt es auf die Wahl des Geräts an. Die marktüblichen Wärmepumpen unterscheiden sich erheblich darin, welche Vorlauftemperatur sie liefern können — und mit welcher Effizienz. Das zentrale technische Merkmal ist das Kältemittel und die Verdichtertechnik. Geräte mit dem natürlichen Kältemittel R290 (Propan) erreichen besonders hohe Vorlauftemperaturen, weil R290 thermodynamisch günstige Eigenschaften für den Hochtemperaturbereich hat. Viele aktuelle R290-Luft-Wärmepumpen schaffen 70 °C, einzelne bis 75 °C Vorlauftemperatur — und das, ohne dass ein elektrischer Heizstab einspringen muss. Ein grober Marktüberblick, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und ohne dass kleine Modellunterschiede entscheidend wären: — Vaillant aroTHERM plus: R290, gehört mit bis zu rund 75 °C zu den hochtemperaturfähigsten Luft-Wärmepumpen am Markt. — Viessmann Vitocal 250-A: R290, erreicht hohe Vorlauftemperaturen im Bereich um 70 °C. — Daikin Altherma in der Hochtemperatur-Ausführung: traditionell stark im Hochtemperaturbereich, mit speziellen Modellen für hohe Vorlauftemperaturen. — Stiebel Eltron, Bosch, Buderus, Wolf, Mitsubishi: bieten ebenfalls hochtemperaturfähige Modelle, mit je nach Baureihe unterschiedlichen Maximalwerten. Wichtig ist die richtige Interpretation der Datenblatt-Angabe. Wenn ein Hersteller eine maximale Vorlauftemperatur von 75 °C nennt, heißt das nicht, dass das Gerät bei 75 °C noch hocheffizient läuft. Es heißt nur, dass es diese Temperatur erreichen kann. Je höher die Vorlauftemperatur, desto niedriger die Leistungszahl. Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ist deshalb kein Freibrief, die Heizkörper zu ignorieren — sie ist die Versicherung dafür, dass das Haus auch an den kältesten Tagen warm wird, und sie macht den Tausch besonders vieler Heizkörper überflüssig. Was man vermeiden sollte: ein Gerät zu wählen, das die nötige Vorlauftemperatur nur mit Hilfe des elektrischen Heizstabs erreicht. Der Heizstab heizt mit einer Leistungszahl von eins — eine Kilowattstunde Strom ergibt eine Kilowattstunde Wärme. Springt er häufig ein, ruiniert das die Jahresarbeitszahl. Ein gut gewähltes Hochtemperatur-Gerät liefert die nötige Temperatur über den Verdichter, nicht über den Heizstab. Die Gerätewahl sollte deshalb immer auf der konkret ermittelten nötigen Vorlauftemperatur basieren — und mit etwas Reserve nach oben, damit das Gerät nicht ständig am Limit arbeitet.
Heizkörper-Check: tauschen, ergänzen oder behalten
Nicht alle Heizkörper im Haus sind gleich kritisch. Der typische Fehler ist, entweder alle oder keinen zu tauschen. Richtig ist der gezielte Blick Raum für Raum. So läuft der Heizkörper-Check ab: Schritt eins — den Vorlauftemperatur-Test machen. An einem kalten Wintertag wird die Vorlauftemperatur der bestehenden Heizung abgesenkt. Dabei zeigt sich genau, welche Räume zuerst auskühlen. Diese Räume haben die kritischen Heizkörper — dort ist die Heizfläche im Verhältnis zur Raum-Heizlast zu klein. Schritt zwei — die kritischen Räume identifizieren. Häufig sind es nur wenige: oft das Badezimmer, in dem ein kleiner Handtuchheizkörper viel Wärme liefern soll, oder ein Raum mit großer Außenfläche und kleinem Heizkörper. Die Mehrheit der Heizkörper im Haus ist meist großzügiger dimensioniert als gedacht — gerade in Altbauten wurden Heizkörper oft mit Sicherheitszuschlag eingebaut. Schritt drei — entscheiden, was mit jedem kritischen Heizkörper geschieht: — Behalten: Wenn der Heizkörper auch bei der angepeilten niedrigeren Vorlauftemperatur den Raum warm bekommt, bleibt er. Das gilt für den Großteil. — Ergänzen oder vergrößern: Ein zu kleiner Heizkörper kann gegen ein größeres Modell getauscht werden. Es gibt spezielle Niedertemperatur- oder Wärmepumpen-Heizkörper mit größerer Fläche oder mit kleinem eingebautem Ventilator (Gebläsekonvektoren), die auch bei niedriger Vorlauftemperatur viel Wärme abgeben. — Gezielt dämmen statt tauschen: Manchmal ist es einfacher, die Außenwand hinter dem Heizkörper oder die Wärmeverluste des Raums zu reduzieren, als den Heizkörper selbst zu vergrößern. Schritt vier — den hydraulischen Abgleich einplanen. Unabhängig vom Heizkörper-Tausch sorgt der hydraulische Abgleich dafür, dass jeder Heizkörper genau den Wasservolumenstrom bekommt, den er braucht. Ohne Abgleich werden manche Räume überversorgt und andere unterversorgt — und man muss die Vorlauftemperatur für alle anheben, nur damit der schlechteste Raum warm wird. Der Abgleich ist Pflicht für die Förderung und einer der wirksamsten und günstigsten Effizienz-Hebel überhaupt. Das Ergebnis des Checks ist eine klare Liste: Diese zwei oder drei Heizkörper werden getauscht, der Rest bleibt, der hydraulische Abgleich kommt obendrauf. Diese gezielte Lösung kostet einen Bruchteil eines kompletten Heizkörper-Tauschs und macht die alten Heizkörper wärmepumpentauglich.
Was die Vorlauftemperatur für die JAZ bedeutet
Die Vorlauftemperatur ist die wichtigste Einzelgröße für die Effizienz einer Wärmepumpe. Ein Gefühl für die Größenordnung hilft bei jeder Entscheidung. Die Grundregel: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die Leistungszahl der Wärmepumpe um grob 2–2,5 %. Umgekehrt kostet jedes Grad mehr ungefähr ebenso viel. Über eine Spanne von zum Beispiel 35 auf 55 °C — also 20 Grad — summiert sich das auf einen erheblichen Effizienzunterschied. In typischen Größenordnungen ausgedrückt: — Wärmepumpe mit 35 °C Vorlauftemperatur (Fußbodenheizung, gut gedämmtes Haus): reale Jahresarbeitszahl oft 4,0–4,8. — Wärmepumpe mit 45–50 °C Vorlauftemperatur (gut dimensionierte Heizkörper, teilsanierter Altbau): reale JAZ oft 3,5–4,0. — Wärmepumpe mit 55–60 °C Vorlauftemperatur (Bestand-Heizkörper, wenig saniert): reale JAZ oft 3,0–3,5. — Wärmepumpe mit 65–70 °C Vorlauftemperatur (knappe Heizkörper, unsaniert): reale JAZ oft 2,5–3,0. Diese Werte sind Anhaltspunkte, keine Garantien — der konkrete Wert hängt auch vom Klima, vom Gerät und von der Auslegung ab. Aber das Muster ist eindeutig: Die Vorlauftemperatur entscheidet darüber, in welchem JAZ-Bereich man landet. Was das in Geld bedeutet: Eine JAZ von 3,0 statt 4,0 heißt, dass für dieselbe Wärmemenge rund ein Drittel mehr Strom gebraucht wird. Bei einem Haushalt mit 25.000 kWh Wärmebedarf ist das ein Unterschied von mehreren tausend Kilowattstunden Strom pro Jahr — gut und gerne mehrere hundert Euro jährlich, über zwanzig Jahre ein vier- bis fünfstelliger Betrag. Die wichtige Schlussfolgerung für die Heizkörper-Frage: Es lohnt sich fast immer, in die Senkung der Vorlauftemperatur zu investieren — durch den Tausch der wenigen kritischen Heizkörper, durch den hydraulischen Abgleich, durch gezielte Teil-Dämmung. Jeder Euro, der die nötige Vorlauftemperatur senkt, zahlt sich über die gesamte Lebensdauer der Wärmepumpe in niedrigeren Stromkosten aus. Noch ein praktischer Hinweis: Die nötige Vorlauftemperatur ist kein fester Wert, sondern hängt von der Heizkurve ab. An milden Tagen braucht das Haus deutlich weniger heißes Wasser als am kältesten Tag. Eine gut eingestellte Heizkurve fährt die Vorlauftemperatur nur dann hoch, wenn es wirklich kalt ist — den Rest des Jahres läuft die Wärmepumpe mit niedrigeren Temperaturen und entsprechend besserer Effizienz. Die genannten JAZ-Werte sind bereits Jahresmittel über alle Temperaturen hinweg.
⚠ Praxis-Hinweis
Eine hohe maximale Vorlauftemperatur im Datenblatt heißt nicht, dass das Gerät dort effizient läuft — und ein Gerät, das die Zieltemperatur nur mit elektrischem Heizstab erreicht, ruiniert die JAZ. Die Gerätewahl auf die konkret ermittelte nötige Vorlauftemperatur stützen, nicht auf Prospektwerte.
Häufige Fragen — Welche Wärmepumpe passt zu alten Heizkörpern?
Kann ich meine alten Heizkörper bei einer Wärmepumpe behalten?▾
Welche Wärmepumpe schafft die höchste Vorlauftemperatur?▾
Wie stark sinkt die Effizienz bei hoher Vorlauftemperatur?▾
Was sind Wärmepumpen-Heizkörper oder Niedertemperatur-Heizkörper?▾
Muss ein elektrischer Heizstab einspringen, wenn die Heizkörper alt sind?▾
Warum ist der hydraulische Abgleich bei alten Heizkörpern so wichtig?▾
Wie finde ich heraus, welche Vorlauftemperatur mein Haus braucht?▾
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