Wärmepumpe oder Infrarotheizung — was lohnt sich?
Die Infrarotheizung wird oft als günstige, einfache Alternative zur Wärmepumpe beworben — niedrige Anschaffungskosten, keine Bauarbeiten. Diese Q&A-Seite vergleicht die beiden ehrlich und erklärt den einen entscheidenden Unterschied, der fast alles bestimmt: die Effizienz. Sie zeigt, wie Anschaffung und Betrieb zusammenhängen und wann eine Infrarotheizung trotzdem die richtige Wahl sein kann.
Die zwei Konzepte im Überblick
Wärmepumpe und Infrarotheizung sind beide elektrisch betrieben — und genau das führt zu einem verbreiteten Missverständnis. Sie sind technisch grundverschieden. Die Infrarotheizung ist eine direkte Elektroheizung. Sie wandelt Strom unmittelbar in Wärme um — vergleichbar mit einem elektrischen Heizlüfter oder einer Herdplatte, nur dass sie die Wärme als Infrarotstrahlung abgibt, die Flächen und Körper im Raum erwärmt. Eine Infrarotheizung ist meist eine flache Platte, die an Wand oder Decke montiert wird. Sie braucht nur einen Stromanschluss, keine Rohre, keinen Wasserkreislauf, keine Außeneinheit. Die Wärmepumpe wandelt Strom nicht direkt in Wärme um, sondern nutzt ihn, um kostenlose Umweltwärme zu transportieren. Aus einer Kilowattstunde Strom werden je nach Jahresarbeitszahl drei bis viereinhalb Kilowattstunden Wärme. Der Unterschied lässt sich in einer einzigen Zahl ausdrücken — der Leistungszahl. Die Infrarotheizung hat eine Leistungszahl von eins: Eine Kilowattstunde Strom ergibt genau eine Kilowattstunde Wärme. Die Wärmepumpe hat eine Jahresarbeitszahl von typisch drei bis viereinhalb: Eine Kilowattstunde Strom ergibt drei bis viereinhalb Kilowattstunden Wärme. Das bedeutet: Für dieselbe Wärmemenge verbraucht die Infrarotheizung das Drei- bis Viereinhalbfache an Strom wie die Wärmepumpe. Bei gleichem Strompreis sind also auch die laufenden Heizkosten der Infrarotheizung drei- bis viereinhalbmal so hoch. Diese Tatsache ist der Kern des gesamten Vergleichs. Sie wird im nächsten Abschnitt ausführlich behandelt, weil sie so oft übersehen wird. Vorab die nüchterne Einordnung: Die Infrarotheizung ist in der Anschaffung billig und einfach — aber als alleinige Heizung eines normalen Hauses ist sie im Betrieb sehr teuer. Die Wärmepumpe ist in der Anschaffung teuer, im Betrieb dafür um ein Vielfaches günstiger. Wichtig ist deshalb von Anfang an: Wärmepumpe und Infrarotheizung sind keine gleichwertigen Alternativen für dieselbe Aufgabe. Sie spielen in unterschiedlichen Ligen — und die Infrarotheizung hat ein klar umrissenes, schmales Einsatzfeld, das der letzte Abschnitt beschreibt.
Der entscheidende Effizienz-Unterschied
Der eine Unterschied, der über alles andere entscheidet, ist die Effizienz. Er verdient eine genaue Betrachtung, weil die Werbung für Infrarotheizungen ihn oft geschickt umgeht. Die Ausgangslage: Ein Haus braucht eine bestimmte Wärmemenge, um warm zu werden — diese Menge ist durch das Gebäude vorgegeben und unabhängig davon, womit geheizt wird. Die Frage ist nur, wie viel Strom nötig ist, um diese Wärmemenge bereitzustellen. Die Infrarotheizung mit ihrer Leistungszahl von eins braucht für jede Kilowattstunde Wärme exakt eine Kilowattstunde Strom. Die Wärmepumpe mit einer Jahresarbeitszahl von beispielsweise 3,5 braucht für dieselbe Kilowattstunde Wärme nur etwa 0,29 Kilowattstunden Strom — den Rest liefert die kostenlose Umweltwärme. Ein Rechenbeispiel macht die Dimension klar. Ein Haus mit einem Wärmebedarf von 15.000 Kilowattstunden im Jahr: — Mit der Infrarotheizung: 15.000 Kilowattstunden Strom. Bei einem Strompreis von 30 Cent sind das 4.500 Euro Heizkosten pro Jahr. — Mit der Wärmepumpe bei einer Jahresarbeitszahl von 3,5: rund 4.290 Kilowattstunden Strom. Bei einem günstigeren Wärmepumpentarif von 28 Cent sind das rund 1.200 Euro pro Jahr. Der Unterschied beträgt in diesem Beispiel über 3.000 Euro — pro Jahr. Über die zwanzigjährige Lebensdauer einer Heizung summiert sich das zu einem sehr großen, fünf- bis sechsstelligen Betrag. Dieser laufende Mehrverbrauch übersteigt die gesamten Anschaffungskosten einer Wärmepumpe um ein Vielfaches. Wie umgeht die Werbung diesen Punkt? Mit mehreren Argumenten, die einer Prüfung nicht standhalten: — Behauptet wird, Infrarotheizungen heizten effizienter, weil sie Flächen statt Luft erwärmen und man die Raumtemperatur deshalb senken könne. Der mögliche Effekt daraus ist klein und ändert nichts am grundsätzlichen Faktor drei bis viereinhalb. — Verwiesen wird auf die niedrigen Anschaffungskosten — ohne die laufenden Kosten dagegenzustellen. — Gerechnet wird mit dem Wärmebedarf eines sehr gut gedämmten Hauses, in dem der absolute Verbrauch klein ist — was den Effizienzunterschied in absoluten Euro kleiner aussehen lässt, ihn aber nicht aufhebt. Die nüchterne Wahrheit: Es gibt keinen Trick, der die Leistungszahl von eins verbessert. Eine direkte Elektroheizung kann physikalisch nicht mehr als eine Kilowattstunde Wärme aus einer Kilowattstunde Strom machen. Als alleinige Heizung eines normalen Hauses ist die Infrarotheizung deshalb die mit Abstand teuerste Art zu heizen.
Anschaffung gegen Betrieb
Wenn die Infrarotheizung im Betrieb so viel teurer ist — warum wird sie überhaupt als Alternative gehandelt? Wegen der Anschaffung. Hier liegt ihr einziger echter Vorteil, und es lohnt sich, Anschaffung und Betrieb sauber gegeneinanderzustellen. Die Anschaffung der Infrarotheizung ist tatsächlich günstig und einfach. Die einzelnen Heizplatten kosten überschaubare Beträge, sie werden an Wand oder Decke montiert und an den Stromkreis angeschlossen. Es gibt keine Außeneinheit, keinen Wasserkreislauf, keinen Speicher, keine Bohrung, keine aufwendige Installation. Wer mehrere Räume ausstatten will, summiert die Plattenpreise — aber die Gesamtsumme bleibt deutlich unter der einer Wärmepumpe. Es fallen auch keine Wartungskosten an, weil es keine bewegten Teile gibt. Die Anschaffung der Wärmepumpe ist teuer. Die komplette Anlage kostet einen fünfstelligen Betrag, der im Bestand allerdings über die BAFA-Heizungsförderung deutlich reduziert wird — ein Vorteil, den die Infrarotheizung als alleinige Heizung in der Regel nicht hat. Der Betrieb dreht das Bild vollständig um. Die Infrarotheizung verbraucht, wie gezeigt, das Drei- bis Viereinhalbfache an Strom. Dieser laufende Mehrverbrauch ist der Punkt, an dem die anfängliche Ersparnis nicht nur aufgezehrt, sondern weit überholt wird. Eine Gesamtbetrachtung über die Lebensdauer macht es eindeutig: Die Infrarotheizung spart bei der Anschaffung einen einmaligen vierstelligen bis niedrig fünfstelligen Betrag. Sie verliert im Betrieb pro Jahr einen hohen vierstelligen Betrag gegenüber der Wärmepumpe. Schon nach wenigen Jahren ist der Anschaffungsvorteil vollständig aufgebraucht, danach wird die Infrarotheizung Jahr für Jahr teurer. Über zwanzig Jahre gerechnet ist sie als Vollheizung um ein Vielfaches teurer als die Wärmepumpe. Es ist ein klassischer Fall von niedrigen Anschaffungskosten, die mit hohen Folgekosten teuer erkauft werden. Wer nur auf den Anschaffungspreis schaut, trifft eine sehr teure Entscheidung. Die einzige sinnvolle Vergleichsgröße sind die Gesamtkosten über die Lebensdauer — und in dieser Rechnung verliert die Infrarotheizung als Vollheizung deutlich. Dazu kommt ein Punkt, der oft übersehen wird: Eine direkte Elektroheizung als alleinige Heizung erfüllt die Anforderung des Gebäudeenergiegesetzes an neue Heizungen in der Regel nicht ohne Weiteres — anders als die Wärmepumpe, die als erneuerbare Heizung gilt. Wer ernsthaft über eine Infrarotheizung als Hauptheizung nachdenkt, muss auch diese rechtliche Frage klären.
Wann eine Infrarotheizung trotzdem sinnvoll ist
Trotz aller Nachteile als Vollheizung hat die Infrarotheizung ein klar umrissenes, sinnvolles Einsatzfeld. Es ist nur ein anderes, als die Werbung suggeriert. Die Infrarotheizung kann sinnvoll sein: Für einzelne, selten genutzte Räume. Ein Hobbyraum, eine Werkstatt, ein Gästezimmer, das nur wenige Tage im Jahr beheizt wird — hier spielt der schlechte Wirkungsgrad eine kleinere Rolle, weil die absolute Wärmemenge gering ist. Eine Infrarotheizung an die Wand zu schrauben ist dann unkomplizierter und billiger, als einen Heizkörper an den Heizkreis anzuschließen. Als punktuelle Zusatzheizung. Im Bad als schnelle Wärme am Morgen, als gezielte Wärmequelle an einem Arbeitsplatz, als Ergänzung in einem einzelnen kühlen Raum — als Zusatz zu einer effizienten Hauptheizung, nicht als deren Ersatz. Im sehr gut gedämmten Gebäude mit minimalem Wärmebedarf. In einem Passivhaus oder einem Gebäude mit extrem niedrigem Heizwärmebedarf ist die absolute Wärmemenge so klein, dass auch eine ineffiziente Heizung in absoluten Euro überschaubar bleibt. Hier kann eine Infrarotheizung in Einzelfällen eine vertretbare Lösung sein — aber selbst dort ist eine kleine Wärmepumpe oft die wirtschaftlichere Wahl, und die rechtliche Frage der GEG-Konformität ist zu klären. In schwer erschließbaren Situationen. Ein nachträglich ausgebauter Dachraum, ein abgelegener Anbau, ein Raum ohne Anbindung an den zentralen Heizkreis — wo das Verlegen von Heizungsrohren unverhältnismäßig aufwendig wäre, kann eine Infrarotheizung für diesen einen Raum die pragmatische Lösung sein. Wann die Infrarotheizung dagegen die falsche Wahl ist: als alleinige Heizung eines normalen, dauerhaft bewohnten Hauses mit normalem Wärmebedarf. Genau in dieser Rolle wird sie am häufigsten beworben — und genau dort ist sie am teuersten. Wer ein Einfamilienhaus dauerhaft beheizen will, fährt mit der Wärmepumpe über die Lebensdauer um ein Vielfaches günstiger. Die zusammenfassende Einordnung: Die Infrarotheizung ist kein Konkurrent der Wärmepumpe, sondern ein Werkzeug für einen anderen Zweck. Für die punktuelle, ergänzende oder selten genutzte Beheizung einzelner Räume ist sie eine praktische, günstige Lösung. Als Hauptheizung eines Hauses ist sie es nicht. Wer vor der Grundsatzentscheidung für die Heizung eines Hauses steht, sollte die Infrarotheizung als Vollheizung nicht ernsthaft gegen die Wärmepumpe abwägen — die Effizienzlücke ist zu groß. Wer dagegen einen einzelnen Nebenraum versorgen will, kann mit ihr gut bedient sein.
⚠ Praxis-Hinweis
Die niedrigen Anschaffungskosten einer Infrarotheizung täuschen: Als Vollheizung verbraucht sie das Drei- bis Viereinhalbfache an Strom wie eine Wärmepumpe. Schon nach wenigen Jahren ist der Anschaffungsvorteil aufgebraucht. Als Hauptheizung eines normalen Hauses ist die Infrarotheizung die teuerste Lösung — sinnvoll nur für einzelne Neben- oder Zusatzräume.
Häufige Fragen — Wärmepumpe oder Infrarotheizung — was lohnt sich?
Ist eine Infrarotheizung günstiger als eine Wärmepumpe?▾
Warum verbraucht eine Infrarotheizung so viel mehr Strom?▾
Stimmt es, dass Infrarotheizungen effizienter heizen, weil sie Flächen erwärmen?▾
Wann ist eine Infrarotheizung sinnvoll?▾
Kann ich mein Haus komplett mit Infrarotheizungen heizen?▾
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