MFH-Wärmepumpe — Heizlast, Kaskade, Trinkwarmwasser
Wärmepumpe im Mehrfamilienhaus erfordert andere Auslegung als im EFH: höhere Heizlast 25-200 kW, zentrale Trinkwarmwasser-Bereitung, höhere Vorlauf-Anforderungen. Konzepte: zentrale Kaskade, Etagen-WP, Trinkwasser-Bereitung mit Frischwasser-Station.
Heizlast & Auslegungs-Konzepte
Heizlast-Bandbreite MFH: • 4-WE-MFH (Bauj. 2010+): 18-30 kW • 6-WE-MFH (Bauj. 1990+): 28-45 kW • 8-WE-MFH (Bauj. 1970): 50-80 kW • 12-WE-MFH (Bauj. 1960): 80-130 kW • 20-WE-MFH (Plattenbau): 120-200 kW Auslegungs-Konzepte: Konzept A — Zentrale Mono-WP: • Eine große WP (oder 2 in Kaskade) im Heizraum • Verteilt Wärme über Steigstränge zu allen Wohneinheiten • Trinkwarmwasser zentral mit Pufferspeicher und Frischwasser-Station • Geeignet bis ca. 80 kW Heizlast • Vorteil: einfache Steuerung, BAFA-Antrag pro Anlage • Nachteil: Hot-Spot-Heizraum, hohe Anschluss-Stromleistung Konzept B — Kaskade aus 2-4 WP: • Mehrere Module 30-60 kW in Reihe • Modulation 30-100 % über Kaskade • Geeignet 80-250 kW Heizlast • Vorteil: Modulation breit, redundant bei Ausfall • Nachteil: höhere Investition, komplexe Steuerung Konzept C — Etagen-WP (dezentral): • Pro WE eine kleine WP 4-7 kW • Trinkwarmwasser pro WE eigener Speicher oder Durchlauferhitzer • Vorteil: WMG-Abrechnung einfach, individuell • Nachteil: 8 WP statt 1 Kaskade — höhere Wartung, Außeneinheiten optisch Konzept D — Hybrid-Konzept: • Bestand-Brennwertkessel bleibt für Spitzenlast/TWW • WP für Grundlast (60-70 % Heizarbeit) • Geeignet, wenn Stromanschluss begrenzt Auswahl-Kriterien: • Heizlast > 80 kW → Kaskade • Heizlast 25-80 kW → Mono-WP oder kleine Kaskade • Sehr unterschiedliche Nutzungsprofile → Etagen-WP • Bestand mit funktionierendem Brennwert < 8 J. → Hybrid
Trinkwarmwasser & Hydraulik
Trinkwarmwasser-Konzepte MFH: 1. Zentraler Pufferspeicher + Frischwasser-Station: • Pufferspeicher 1.000-3.000 L • Frischwasser-Station (FRIWA) erwärmt TWW im Durchfluss auf 50-55 °C • Vorteil: kein Legionellen-Risiko (kein stehendes Trinkwasser) • Nachteil: hohe Investition (FRIWA 6-10k €) • Geeignet für alle MFH-Größen 2. Zentraler Trinkwasser-Speicher (klassisch): • Direkter Trinkwasser-Speicher 800-3.000 L • Tägliche Aufheizung > 60 °C wegen Legionellen-Verordnung • Nachteil: WP muss 60 °C VL fahren → JAZ-Drop • Workaround: separate Heizpatrone für TWW-Aufheizung • Investition niedriger, Effizienz schlechter 3. Dezentrale TWW (pro WE): • Pro Wohnung Speicher 80-150 L • Oder elektrische Durchlauferhitzer (ineffizient, nicht empfohlen) • Kombinierbar mit Etagen-WP • Vorteil: keine Legionellen-Pflicht zentral, einfache Abrechnung • Nachteil: pro WE Aufstellfläche nötig Legionellen-Pflicht (TrinkwV § 14): • Großanlagen > 400 L Speicher oder > 3 L Volumen Inhalt PWH-Leitung • Pflicht: 60 °C Speicher, 55 °C Zirkulation • Vereinfachung mit FRIWA: nur kurzzeitige Erwärmung im Durchfluss → keine 60 °C-Pflicht Hydraulik-Anforderungen: • Steigstränge mit ausreichendem Querschnitt (DN 32-50 für 6-12 WE) • Hydraulischer Abgleich pro Strang nach VdZ-Verfahren B (gefordert für BAFA-Förderung) • Pufferspeicher mind. 30 L pro kW WP-Leistung • Heizkurve pro Strang individuell einstellbar (Wohnung im EG braucht andere als DG) Praxis-Stolpersteine: • Hydraulik aus den 1970ern: zu kleine Querschnitte, Heizflächen zu klein → VL muss 60 °C → JAZ 2,5 • Bestand-Steigstrang-Tausch bei laufender Vermietung kaum machbar • Zirkulationsleitung TWW: alte Anlage hat keine, Nachrüstung 8-15k € • Außeneinheit-Aufstellung: Schall-Probleme zur Nachbar-WE • Strom-Hausanschluss: oft 35-50 A, WP-Kaskade benötigt 80-160 A → Netzverstärkung 5-15k €
⚠ Praxis-Hinweis
MFH-WP-Auslegung ohne Heizlast-Berechnung nach DIN EN 12831 (zentral und pro WE) wird vom BAFA abgelehnt. Energieberater-Bestätigung verpflichtend. Nicht aus dem Bestand-Gas-Verbrauch hochrechnen — er passt selten.
Häufige Fragen — Mehrfamilienhaus Wärmepumpe — Detail-Auslegung
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