Was kostet eine Wärmepumpe im Jahr an laufenden Kosten?
Die laufenden Kosten entscheiden über die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe — und sie lassen sich gut abschätzen, wenn man die richtigen Größen kennt. Diese Q&A-Seite zeigt, woraus die jährlichen Kosten bestehen, wie man die Stromkosten realistisch rechnet, was für Wartung und Rücklagen einzuplanen ist und wie der Vergleich mit Gas und Öl ausfällt.
Woraus die laufenden Kosten bestehen
Die laufenden Kosten einer Wärmepumpe setzen sich aus mehreren Posten zusammen. Der größte ist der Strom, aber er ist nicht der einzige. Die Stromkosten. Mit Abstand der größte Posten. Die Wärmepumpe verbraucht Strom, um aus der Umweltwärme nutzbare Heizwärme und Warmwasser zu machen. Wie viel das kostet, hängt vom Wärmebedarf des Hauses, von der Jahresarbeitszahl der Anlage und vom Stromtarif ab — die genaue Rechnung folgt im nächsten Abschnitt. Die Wartung. Eine Wärmepumpe ist wartungsärmer als eine Gas- oder Ölheizung — es gibt keine Verbrennung, keinen Schornsteinfeger, keine Abgasmessung. Ganz ohne Wartung läuft sie aber nicht. Ein regelmäßiger Wartungstermin durch den Fachbetrieb kostet je nach Umfang und Region einen überschaubaren jährlichen Betrag. Manche Hersteller koppeln eine Garantieverlängerung an einen Wartungsvertrag. Rücklagen für Reparatur und Ersatz. Wie jede technische Anlage hat eine Wärmepumpe eine begrenzte Lebensdauer und kann im Lauf der Jahre Reparaturen brauchen. Wer klug rechnet, legt jährlich einen kleinen Betrag als Rücklage zurück, damit ein späterer Verdichtertausch oder am Ende der Austausch der Anlage nicht überraschend trifft. Mögliche weitere Posten. Eine separate Versicherung ist meist nicht nötig — die Wärmepumpe ist in der Regel über die Wohngebäudeversicherung mitversichert; ob das so ist und in welchem Umfang, sollte man aber prüfen. Bei Sole-Wärmepumpen kann die Sole-Flüssigkeit über die Jahre kontrolliert und gegebenenfalls ergänzt werden. Was nicht zu den laufenden Kosten gehört: die Anschaffung. Sie ist eine einmalige Investition und wird getrennt betrachtet. Wer laufende Kosten mit einer fossilen Heizung vergleicht, vergleicht Strom plus Wartung plus Rücklage gegen Brennstoff plus Wartung plus Schornsteinfeger plus Rücklage. Die Größenordnung vorweg: In der Praxis machen die Stromkosten meist deutlich über 80 Prozent der laufenden Kosten aus. Wartung und Rücklage sind im Vergleich kleine Posten. Deshalb lohnt es sich, die Stromkosten genau zu verstehen — und alles dafür zu tun, dass die Jahresarbeitszahl hoch ist. Genau das ist Thema des nächsten Abschnitts.
Stromkosten realistisch rechnen — Wärmebedarf, JAZ, Tarif
Die jährlichen Stromkosten einer Wärmepumpe lassen sich mit einer einfachen Rechnung gut abschätzen. Man braucht dafür drei Zahlen. Erste Zahl — der Wärmebedarf. Das ist die Wärmemenge, die das Haus pro Jahr für Heizung und Warmwasser braucht, gemessen in Kilowattstunden. Eine gute Annäherung liefert der bisherige Brennstoffverbrauch: Wer bisher zum Beispiel 2.000 Kubikmeter Gas oder 2.000 Liter Heizöl pro Jahr verbraucht hat, kann daraus den Wärmebedarf ableiten. Grob entspricht ein Liter Heizöl rund 10 Kilowattstunden, ein Kubikmeter Erdgas grob 10 Kilowattstunden — der Wirkungsgrad der alten Heizung ist dabei schon mit eingerechnet, weil man vom tatsächlichen Verbrauch ausgeht. Zweite Zahl — die Jahresarbeitszahl (JAZ). Sie sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom macht. Typische Werte: 4,0 bis 4,8 im gut gedämmten Haus mit Fußbodenheizung, 3,5 bis 4,0 im teilsanierten Altbau, 3,0 bis 3,5 im wenig sanierten Altbau mit höherer Vorlauftemperatur. Dritte Zahl — der Stromtarif. Für Wärmepumpen gibt es oft vergünstigte Wärmepumpentarife, die günstiger sind als der normale Haushaltsstrom. Die Höhe schwankt regional und über die Zeit; eine Größenordnung sind grob 25 bis 30 Cent je Kilowattstunde. Die Rechnung: Stromverbrauch der Wärmepumpe gleich Wärmebedarf geteilt durch die JAZ. Stromkosten gleich Stromverbrauch mal Tarif. Ein Beispiel: Wärmebedarf 20.000 Kilowattstunden, JAZ 3,8, Tarif 28 Cent. Stromverbrauch gleich 20.000 geteilt durch 3,8 gleich rund 5.260 Kilowattstunden. Stromkosten gleich 5.260 mal 0,28 Euro gleich rund 1.475 Euro pro Jahr. Dasselbe Haus mit einer schlechteren JAZ von 3,0: Stromverbrauch rund 6.667 Kilowattstunden, Stromkosten rund 1.867 Euro. Der Unterschied von fast 400 Euro pro Jahr zeigt, wie stark die JAZ wirkt — und warum hydraulischer Abgleich und eine optimierte Heizkurve sich auszahlen. Wer eine eigene PV-Anlage hat, senkt die Stromkosten weiter, weil ein Teil des Wärmepumpenstroms aus dem eigenen Dach kommt und nichts kostet. In der Übergangszeit kann das einen spürbaren Anteil ausmachen. Wichtig: Diese Rechnung liefert eine realistische Hausnummer, keine Garantie. Ein kalter Winter erhöht den Verbrauch, ein milder senkt ihn. Über mehrere Jahre gemittelt trifft die Abschätzung aber gut.
Wartung, Versicherung und Rücklagen
Neben dem Strom gibt es kleinere, aber regelmäßige Posten — und es lohnt sich, sie von Anfang an einzuplanen, statt von ihnen überrascht zu werden. Die Wartung. Eine Wärmepumpe sollte regelmäßig vom Fachbetrieb gewartet werden. Geprüft werden unter anderem der Anlagendruck, die Funktion der Sicherheitseinrichtungen, bei Luft-Wärmepumpen der Zustand des Verdampfers und der Kondenswasserablauf, die Einstellungen der Regelung. Der jährliche Aufwand dafür ist überschaubar und deutlich geringer als bei einer fossilen Heizung, bei der zusätzlich Schornsteinfeger und Abgasmessung anfallen. Zwischen den Fachbetrieb-Terminen kann der Betreiber selbst einiges tun — das Außengerät frei von Laub und Schnee halten, den Kondenswasserablauf kontrollieren, Heizkörper bei Bedarf entlüften. Wartungsvertrag — ja oder nein? Viele Hersteller und Fachbetriebe bieten Wartungsverträge an. Sie haben den Vorteil planbarer Kosten und werden teils mit einer verlängerten Garantie gekoppelt. Ob sich ein Vertrag gegenüber der Einzelbeauftragung lohnt, ist eine individuelle Abwägung — wichtig ist, die enthaltenen Leistungen und die Garantiebedingungen genau zu vergleichen. Die Versicherung. Eine eigene Wärmepumpen-Versicherung ist meist nicht erforderlich. In der Regel ist die Wärmepumpe als fest mit dem Gebäude verbundene Anlage über die Wohngebäudeversicherung mitversichert — gegen Feuer, Leitungswasser, Sturm und Hagel. Das Außengerät einer Luft-Wärmepumpe sollte allerdings ausdrücklich mitversichert sein, auch gegen Diebstahl und Vandalismus. Es lohnt sich, das mit dem Versicherer zu klären und die Police gegebenenfalls anzupassen — das verursacht meist nur geringe oder keine Mehrkosten. Die Rücklage. Der am häufigsten vergessene Posten. Eine Wärmepumpe hält viele Jahre, aber nicht ewig, und im Lauf der Zeit können Reparaturen anfallen. Wer jährlich einen kleinen Betrag zurücklegt, hat am Ende der Lebensdauer Geld für den Austausch und ist gegen eine teure Reparatur abgesichert. Diese Rücklage ist keine Besonderheit der Wärmepumpe — auch eine Gas- oder Ölheizung muss irgendwann ersetzt werden. Sie gehört aber in eine ehrliche Kostenbetrachtung. In der Summe sind Wartung, Versicherung und Rücklage zusammen ein deutlich kleinerer Posten als die Stromkosten. Sie ändern nichts an der grundsätzlichen Wirtschaftlichkeit, gehören aber in jede vollständige Jahresrechnung — damit die laufenden Kosten nicht schöngerechnet werden.
Beispielrechnungen und Vergleich mit Gas und Öl
Zwei durchgerechnete Beispiele zeigen die Größenordnung der laufenden Jahreskosten und den Vergleich mit fossilen Heizungen. Die Zahlen sind beispielhaft. Beispiel 1 — teilsanierter Altbau, 150 Quadratmeter, Wärmebedarf 20.000 Kilowattstunden. — Wärmepumpe mit JAZ 3,8, Tarif 28 Cent: Stromkosten rund 1.475 Euro. Wartung und Rücklage zusammen grob 250 bis 350 Euro. Laufende Kosten rund 1.750 bis 1.850 Euro pro Jahr. — Zum Vergleich die alte Gasheizung: 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf bedeuten bei einem typischen Gas-Wirkungsgrad einen Gasbezug von grob 21.000 bis 22.000 Kilowattstunden. Bei einem Gaspreis inklusive CO2-Bepreisung von beispielsweise 12 Cent sind das rund 2.520 bis 2.640 Euro Brennstoffkosten, dazu Wartung, Schornsteinfeger und Rücklage. Laufende Kosten grob 2.900 bis 3.100 Euro. — Ergebnis: Die Wärmepumpe liegt in diesem Beispiel rund 1.100 bis 1.300 Euro pro Jahr günstiger. Beispiel 2 — gut gedämmtes Haus, 140 Quadratmeter, Wärmebedarf 11.000 Kilowattstunden. — Wärmepumpe mit JAZ 4,3, Tarif 27 Cent: Stromverbrauch rund 2.560 Kilowattstunden, Stromkosten rund 690 Euro. Mit Wartung und Rücklage laufende Kosten grob 950 bis 1.050 Euro pro Jahr. — Hier ist der Vorteil gegenüber einer fossilen Heizung noch deutlicher, weil die hohe JAZ den Stromverbrauch klein hält. Was diese Beispiele zeigen: — Die Wärmepumpe ist in den laufenden Kosten in aller Regel günstiger als eine fossile Heizung — und der Abstand wächst, weil der CO2-Preis auf Gas und Öl in den kommenden Jahren weiter steigt. — Die Jahresarbeitszahl ist der wichtigste Hebel. Eine hohe JAZ macht den Unterschied zwischen einem kleinen und einem großen Kostenvorteil. — Der Vergleich muss fair sein: Strom plus Wartung plus Rücklage gegen Brennstoff plus Wartung plus Schornsteinfeger plus Rücklage. Wer nur die reinen Energiekosten vergleicht, lässt Posten weg. Wichtige Einschränkung: Künftige Strom- und Gaspreise sind unsicher, ebenso die Entwicklung des CO2-Preises. Die Beispiele sind eine realistische Momentaufnahme, keine Prognose auf zwanzig Jahre. Die Richtung ist aber stabil — die Wärmepumpe gewinnt den Vergleich der laufenden Kosten, und die Preisentwicklung spricht eher für als gegen sie. Eine genaue Rechnung für das eigene Haus liefert die Abschätzung mit dem konkreten Wärmebedarf und der zu erwartenden JAZ.
⚠ Praxis-Hinweis
Ein fairer Kostenvergleich mit Gas oder Öl rechnet auf beiden Seiten alles mit: bei der Wärmepumpe Strom plus Wartung plus Rücklage, bei der fossilen Heizung Brennstoff plus Wartung plus Schornsteinfeger plus Rücklage. Wer nur die reinen Energiekosten vergleicht, lässt Posten weg und verzerrt das Ergebnis.
Häufige Fragen — Was kostet eine Wärmepumpe im Jahr an laufenden Kosten?
Was kostet eine Wärmepumpe ungefähr im Jahr?▾
Wie berechne ich die jährlichen Stromkosten meiner Wärmepumpe?▾
Wie stark beeinflusst die Jahresarbeitszahl die Kosten?▾
Wie teuer ist die Wartung einer Wärmepumpe?▾
Brauche ich eine extra Versicherung für die Wärmepumpe?▾
Ist eine Wärmepumpe im Betrieb günstiger als eine Gasheizung?▾
Senkt eine PV-Anlage die laufenden Kosten der Wärmepumpe?▾
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