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Long-Tail-Q&A — Kosten

Luft- oder Erdwärmepumpe — was ist günstiger?

Luft- und Erdwärmepumpe arbeiten beide effizient, unterscheiden sich aber im Preis deutlich. Diese Q&A-Seite vergleicht die beiden ehrlich: den grundsätzlichen Kostenunterschied, die Anschaffung, die Betriebskosten — und beantwortet die entscheidende Frage, wann sich die teurere Erdwärme tatsächlich lohnt und wann die Luft-Wärmepumpe die wirtschaftlichere Wahl ist.

Der grundsätzliche Kostenunterschied

Luft-Wasser-Wärmepumpe und Sole-Wasser-Wärmepumpe — umgangssprachlich Erdwärmepumpe — unterscheiden sich darin, woher sie die Umweltwärme holen. Die Luft-Wärmepumpe entzieht sie der Außenluft, die Erdwärmepumpe dem Erdreich. Dieser Unterschied prägt die gesamte Kostenstruktur. Die Luft-Wärmepumpe ist die günstigere Variante in der Anschaffung. Sie braucht keine Erschließung der Wärmequelle — das Außengerät wird im Garten oder an der Hauswand aufgestellt, fertig. Deshalb ist sie die mit Abstand am häufigsten verbaute Bauform. Die Erdwärmepumpe ist in der Anschaffung deutlich teurer, weil die Wärmequelle erst erschlossen werden muss. Das geschieht entweder über eine Erdwärmebohrung — eine oder mehrere Vertikalbohrungen von typisch 80 bis 120 Metern Tiefe — oder über einen Flächenkollektor, also horizontal in rund 1,2 bis 1,5 Metern Tiefe verlegte Rohrschlangen. Beides verursacht Tiefbau- oder Bohrkosten, die die Luft-Wärmepumpe nicht hat. Grob liegt dieser Aufpreis bei 9.000 bis 16.000 Euro. Im Betrieb dreht sich das Bild teilweise um. Die Erdwärmepumpe arbeitet effizienter, weil das Erdreich eine über das Jahr nahezu konstante Temperatur hat — im Winter ist es dort wärmer als die Außenluft. Die Luft-Wärmepumpe muss dagegen genau dann, wenn der Wärmebedarf am höchsten ist, die kälteste Luft nutzen. Die Erdwärmepumpe erreicht deshalb eine höhere Jahresarbeitszahl und verbraucht etwas weniger Strom. Die Kernfrage ist damit klar umrissen: Die Erdwärmepumpe kostet in der Anschaffung mehr und spart im Betrieb etwas. Lohnt sich der höhere Anschaffungspreis durch die niedrigeren Betriebskosten? Die ehrliche Antwort vorweg: über die reine Stromrechnung meist nicht — der Betriebskostenvorteil ist kleiner, als viele erwarten. Die Erdwärmepumpe lohnt sich vor allem dann, wenn weitere Gründe hinzukommen. Welche das sind, zeigt der letzte Abschnitt. Zunächst der genaue Vergleich von Anschaffung und Betrieb.

Anschaffung im Vergleich

Beim Anschaffungspreis hat die Luft-Wärmepumpe einen klaren Vorsprung. Der Vergleich im Detail. Die Luft-Wärmepumpe. Eine komplette Anlage inklusive Einbau kostet im typischen Einfamilienhaus grob 27.000 bis 40.000 Euro brutto. Darin enthalten sind das Gerät, die Speicher, die Hydraulik, der Elektroanschluss, die Montage — aber keine Erschließungskosten, weil keine nötig sind. Das Außengerät braucht lediglich ein Fundament oder eine Konsole und einen schalltechnisch geeigneten Aufstellort. Die Erdwärmepumpe. Hier kommt zur eigentlichen Wärmepumpenanlage die Erschließung der Wärmequelle hinzu. Variante Erdwärmesonde: Eine oder mehrere Vertikalbohrungen. Die Kosten hängen von der nötigen Bohrtiefe, der Anzahl der Bohrungen und dem Untergrund ab. Hinzu kommen die wasserrechtliche Anzeige und die Sole-Anbindung. Grob bewegt sich die Sonden-Erschließung im Bereich von 10.000 bis 16.000 Euro. Variante Flächenkollektor: Horizontal verlegte Rohrschlangen. Die Bohrung entfällt, dafür ist großflächiger Erdaushub nötig. Der Flächenkollektor ist oft etwas günstiger als die Bohrung, verlangt aber ein großes, unbebautes Grundstück — die Kollektorfläche muss etwa das Anderthalb- bis Doppelte der beheizten Wohnfläche betragen. Hinzu kommt die Wiederherstellung des Gartens nach den Erdarbeiten. In der Summe liegt eine Erdwärmepumpe inklusive Erschließung im typischen Einfamilienhaus grob bei 36.000 bis 55.000 Euro brutto — also rund 9.000 bis 16.000 Euro über der Luft-Wärmepumpe. Ein wichtiger Punkt zur Förderung: Beide Bauformen sind im Bestand über die BAFA-Heizungsförderung förderfähig. Die Sole-Wärmequelle löst zudem den Effizienzbonus aus. Allerdings gibt es eine Obergrenze der förderfähigen Kosten je Wohneinheit — liegt der Bruttopreis der Erdwärmepumpe über dieser Grenze, wird der übersteigende Teil nicht bezuschusst. Dadurch schlägt der Anschaffungs-Mehrpreis der Erdwärmepumpe nach Förderung oft fast voll auf den Nettopreis durch. Der Anschaffungs-Nachteil der Erdwärmepumpe verschwindet durch die Förderung also nicht, er bleibt deutlich spürbar. Für den Neubau gilt eine andere Förderlogik — dort läuft die Förderung über zinsverbilligte KfW-Kredite, und die Wärmequelle lässt sich günstiger in den Bauablauf integrieren. Im Bestand aber ist der Anschaffungs-Vorsprung der Luft-Wärmepumpe das gewichtigste Argument.

Betriebskosten im Vergleich

Im Betrieb hat die Erdwärmepumpe die Nase vorn — aber der Vorsprung ist kleiner, als viele vermuten. Der Vergleich in Zahlen. Die Erdwärmepumpe nutzt das Erdreich als Wärmequelle. In der Tiefe der Sonden herrscht eine über das Jahr nahezu konstante Temperatur. Die Wärmepumpe muss deshalb nur eine geringe und gleichbleibende Temperaturdifferenz überbrücken und erreicht eine hohe Jahresarbeitszahl — typisch im Bereich 4,5 bis 5,0, bei guter Auslegung auch darüber. Die Luft-Wärmepumpe nutzt die Außenluft. Deren Temperatur schwankt stark, und ausgerechnet im kalten Winter, wenn am meisten geheizt wird, ist sie am niedrigsten. Die Luft-Wärmepumpe erreicht deshalb eine etwas niedrigere Jahresarbeitszahl — typisch 3,5 bis 4,5 je nach Haus und Auslegung. Moderne Luft-Wärmepumpen sind hier deutlich besser geworden; der Abstand zur Erdwärmepumpe ist kleiner als früher. Was das in Geld bedeutet, ein Beispiel: Wärmebedarf 18.000 Kilowattstunden, Stromtarif 28 Cent. — Luft-Wärmepumpe mit JAZ 4,0: Stromverbrauch 4.500 Kilowattstunden, Stromkosten rund 1.260 Euro pro Jahr. — Erdwärmepumpe mit JAZ 4,8: Stromverbrauch 3.750 Kilowattstunden, Stromkosten rund 1.050 Euro pro Jahr. — Der Betriebskostenvorteil der Erdwärmepumpe: rund 210 Euro pro Jahr. Nun die entscheidende Gegenrechnung: Der Anschaffungs-Mehrpreis der Erdwärmepumpe liegt bei grob 9.000 bis 16.000 Euro netto. Bei einem jährlichen Betriebskostenvorteil von rund 200 Euro dauert es viele Jahrzehnte, bis sich dieser Mehrpreis allein über die Stromersparnis ausgeglichen hat — länger als die typische Lebensdauer der Anlage. Über die reine Stromrechnung amortisiert sich die Erdwärmepumpe im Bestand also in der Regel nicht. Dieser nüchterne Befund ist wichtig, weil er weit verbreiteten Erwartungen widerspricht. Die Erdwärmepumpe ist effizienter — das stimmt. Aber der Effizienzvorsprung ist in Euro kleiner, als der Begriff hohe Jahresarbeitszahl vermuten lässt, und er reicht für sich genommen nicht aus, um den deutlich höheren Anschaffungspreis zu rechtfertigen. Das heißt nicht, dass die Erdwärmepumpe eine schlechte Wahl ist. Es heißt nur, dass die Entscheidung nicht über die Stromrechnung fällt. Sie fällt über andere Argumente — und genau die sind Thema des letzten Abschnitts.

Wann sich die teurere Erdwärme lohnt

Wenn die Erdwärmepumpe sich über die Stromrechnung allein nicht rechnet — wann lohnt sie sich dann doch? Es gibt eine Reihe guter Gründe, die zusammen den Ausschlag geben können. Der Aufstellort für eine Luft-Wärmepumpe ist schwierig. Auf sehr engen Grundstücken kann es schalltechnisch problematisch sein, eine Luft-Wärmepumpe so aufzustellen, dass die Immissionsrichtwerte beim Nachbarn nachts eingehalten werden. Die Erdwärmepumpe hat kein Außengerät und keinen Ventilator — sie ist von außen praktisch geräuschlos. Wo der Schall zum echten Problem wird, ist das ein starkes Argument. Kühlung im Sommer ist gewünscht. Eine Erdwärmepumpe kann besonders sparsam kühlen — die kühle Sole aus dem Erdreich wird ohne nennenswerten Verdichterbetrieb durch die Flächenheizung geführt. Diese passive Kühlung ist sehr energiesparend. Wer im Sommer eine sanfte Kühlung wünscht, bekommt sie mit der Erdwärmepumpe besonders effizient. Die Wärmequelle lässt sich günstig erschließen. Bei einem ohnehin geplanten großen Erdaushub, einem sehr großen Grundstück für einen Flächenkollektor oder günstigen geologischen Bedingungen für die Bohrung fallen die Erschließungskosten niedriger aus — dann schrumpft der Anschaffungs-Nachteil. Hoher Komfort- und Effizienzanspruch über die Lebensdauer. Wer das Haus langfristig selbst bewohnt und über Jahrzehnte den maximalen Wirkungsgrad und die größte Versorgungssicherheit auch bei extremer Kälte will, für den hat die konstante Wärmequelle einen Wert, der sich nicht nur in der Jahres-Stromrechnung ausdrückt. Langlebigkeit und Wertigkeit. Erdwärmesonden gelten als sehr langlebig, und eine Erdwärmepumpe ist robusten Betriebsbedingungen ausgesetzt — keine Vereisung, kein Abtaubetrieb. Manche Eigentümer bewerten das als Beitrag zur Werthaltigkeit der Immobilie. Wann dagegen die Luft-Wärmepumpe die klar bessere Wahl ist: — Wenn das Grundstück eine Bohrung oder einen Kollektor nicht hergibt oder die Bohrung nicht genehmigungsfähig ist, etwa in Wasserschutzgebieten. — Wenn der Aufstellort für ein Außengerät schalltechnisch unkritisch ist. — Wenn die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht und keine besonderen Zusatzwünsche bestehen. Das Fazit: Für die große Mehrheit der Bestandsgebäude ist die Luft-Wärmepumpe die wirtschaftlich richtige Wahl — sie ist deutlich günstiger und arbeitet heute effizient genug. Die Erdwärmepumpe ist die richtige Wahl, wenn handfeste Zusatzgründe vorliegen: ein schalltechnisch schwieriger Standort, der Wunsch nach effizienter Sommerkühlung, günstige Erschließungsbedingungen oder ein gehobener Langzeit-Komfortanspruch. Wer schwankt, sollte beide Varianten konkret durchrechnen lassen — mit echten Angeboten, nicht mit Faustzahlen.

⚠ Praxis-Hinweis

Die Erdwärmepumpe ist effizienter, aber ihr Betriebskostenvorteil von oft nur rund 200 Euro im Jahr gleicht den Anschaffungs-Mehrpreis von 9.000 bis 16.000 Euro über die Stromrechnung allein nicht aus. Die Sole-Variante nur wählen, wenn Zusatzgründe wie Schallschutz, Sommerkühlung oder günstige Erschließung den Mehrpreis rechtfertigen.

Häufige Fragen — Luft- oder Erdwärmepumpe — was ist günstiger?

Ist eine Luft- oder eine Erdwärmepumpe günstiger?
In der Anschaffung ist die Luft-Wärmepumpe deutlich günstiger — sie braucht keine Erschließung der Wärmequelle. Eine Erdwärmepumpe kostet wegen Bohrung oder Flächenkollektor grob 9.000 bis 16.000 Euro mehr. Im Betrieb ist die Erdwärmepumpe etwas günstiger, weil sie effizienter arbeitet, aber der Vorsprung beträgt oft nur rund 200 Euro im Jahr. Über die reine Stromrechnung gleicht dieser Betriebsvorteil den Anschaffungs-Mehrpreis im Bestand meist nicht aus.
Wie viel kostet die Erdwärme-Erschließung extra?
Grob 9.000 bis 16.000 Euro über der Luft-Wärmepumpe. Bei einer Erdwärmesonde — einer oder mehreren Vertikalbohrungen von typisch 80 bis 120 Metern — liegt die Erschließung inklusive wasserrechtlicher Anzeige und Sole-Anbindung im Bereich von rund 10.000 bis 16.000 Euro. Ein Flächenkollektor ist oft etwas günstiger, braucht aber ein großes, unbebautes Grundstück und verursacht Kosten für die Gartenwiederherstellung. Die genaue Höhe hängt von Tiefe, Anzahl der Bohrungen und Untergrund ab.
Wie groß ist der Effizienzunterschied zwischen Luft und Erdwärme?
Die Erdwärmepumpe erreicht typisch eine Jahresarbeitszahl von 4,5 bis 5,0, die Luft-Wärmepumpe je nach Haus 3,5 bis 4,5. Der Grund: Das Erdreich hat eine über das Jahr konstante Temperatur, während die Luft-Wärmepumpe im kalten Winter die kälteste Luft nutzen muss. In Geld ausgedrückt ist der Vorsprung aber kleiner, als der JAZ-Unterschied vermuten lässt — bei typischem Wärmebedarf oft nur rund 200 Euro Stromersparnis im Jahr. Moderne Luft-Wärmepumpen haben den Abstand verkleinert.
Amortisiert sich die teurere Erdwärmepumpe über die Stromersparnis?
Im Bestand in der Regel nicht. Der Anschaffungs-Mehrpreis von grob 9.000 bis 16.000 Euro steht einem jährlichen Betriebskostenvorteil von oft nur rund 200 Euro gegenüber. Bis sich der Mehrpreis allein über die Stromersparnis ausgeglichen hat, vergehen viele Jahrzehnte — länger als die typische Lebensdauer der Anlage. Die Erdwärmepumpe lohnt sich deshalb nicht über die Stromrechnung, sondern über andere Gründe wie schwierigen Schallschutz, gewünschte Sommerkühlung oder günstige Erschließungsbedingungen.
Wann lohnt sich die Erdwärmepumpe trotz höherem Preis?
Wenn handfeste Zusatzgründe zusammenkommen: Der Aufstellort für eine Luft-Wärmepumpe ist schalltechnisch schwierig, weil das Grundstück sehr eng ist — die Erdwärmepumpe hat kein Außengerät und ist von außen geräuschlos. Es wird eine besonders sparsame Sommerkühlung gewünscht, die die Erdwärmepumpe passiv über die Sole liefert. Die Wärmequelle lässt sich günstig erschließen. Oder es besteht ein gehobener Langzeit-Komfort- und Effizienzanspruch. Über die Stromrechnung allein lohnt sie sich nicht.
Wann ist die Luft-Wärmepumpe die bessere Wahl?
Für die große Mehrheit der Bestandsgebäude. Sie ist deutlich günstiger in der Anschaffung und arbeitet heute effizient genug. Die klar bessere Wahl ist sie, wenn das Grundstück eine Bohrung oder einen Kollektor nicht hergibt oder die Bohrung nicht genehmigungsfähig ist (etwa in Wasserschutzgebieten), wenn der Aufstellort für ein Außengerät schalltechnisch unkritisch ist und wenn die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund steht, ohne dass besondere Zusatzwünsche wie effiziente Sommerkühlung bestehen.
Kann eine Erdwärmepumpe im Sommer kühlen?
Ja, und besonders sparsam. Die Erdwärmepumpe kann passiv kühlen: Die kühle Sole-Temperatur aus dem Erdreich wird ohne nennenswerten Verdichterbetrieb durch die Flächenheizung geführt und senkt die Raumtemperatur sanft. Das ist sehr energiesparend. Eine Luft-Wärmepumpe kann je nach Modell aktiv kühlen, was mehr Strom verbraucht. Wer im Sommer Wert auf eine effiziente, sanfte Kühlung legt, hat mit der Erdwärmepumpe das sparsamere Konzept — das ist eines der stärksten Argumente für die Sole-Variante.

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