Aktive oder passive Kühlung mit der Wärmepumpe — was ist der Unterschied?
Wenn eine Wärmepumpe kühlt, gibt es dafür zwei grundverschiedene Wege: die passive und die aktive Kühlung. Sie unterscheiden sich in Energieverbrauch, Kühlleistung und in der Frage, welche Wärmepumpe sie überhaupt kann. Diese Q&A-Seite erklärt beide Kühlarten verständlich und zeigt, welche zu welcher Anlage passt.
Die zwei Kühlarten im Überblick
Wenn eine Wärmepumpe im Sommer kühlt, kann sie das auf zwei sehr unterschiedliche Arten tun: passiv oder aktiv. Der Unterschied ist grundlegend und hat spürbare Folgen für Energieverbrauch, Kühlleistung und Kosten. Die passive Kühlung. Bei der passiven Kühlung — auch natürliche Kühlung genannt — arbeitet der Verdichter der Wärmepumpe nicht. Die Kühle kommt direkt aus der Umweltquelle. Konkret funktioniert das nur mit einer Sole-Wärmepumpe: Das Erdreich ist im Sommer kühler als die Raumtemperatur. Die kühle Sole, die durch die Erdwärmesonde zirkuliert, wird über einen Wärmetauscher mit dem Heizkreis verbunden, und die Kühle wird über die Fußbodenheizung ins Haus geführt. Es wird also lediglich Flüssigkeit umgewälzt — der energieintensive Verdichter bleibt aus. Deshalb der Name passiv: Die Wärmepumpe kühlt fast ohne eigene Arbeit. Die aktive Kühlung. Bei der aktiven Kühlung arbeitet der Verdichter — die Wärmepumpe läuft im Prinzip rückwärts. Der Kältekreis wird umgekehrt, sodass die Wärmepumpe dem Heizwasser Wärme entzieht und sie nach außen abgibt. Das gekühlte Wasser wird dann über das Verteilsystem ins Haus geführt. Weil hier der Verdichter läuft, verbraucht die aktive Kühlung Strom — ähnlich wie der Heizbetrieb, nur in die andere Richtung. Dafür liefert sie mehr Kühlleistung als die passive Kühlung. Der Kern des Unterschieds in einem Satz: Die passive Kühlung nutzt die ohnehin vorhandene Kühle des Erdreichs und braucht dafür kaum Strom; die aktive Kühlung erzeugt die Kühle mit dem Verdichter und braucht dafür Strom, liefert aber mehr Leistung. Die entscheidende Folgerung: Welche Kühlart möglich ist, hängt von der Bauform der Wärmepumpe ab. Die passive Kühlung setzt eine kühle, konstante Umweltquelle voraus — das ist das Erdreich der Sole-Wärmepumpe. Eine Luft-Wärmepumpe hat keine solche Quelle: Die Außenluft ist im Sommer warm, nicht kühl, sie kann nicht passiv kühlen. Die Luft-Wärmepumpe kann nur aktiv kühlen. Daraus ergibt sich schon die grobe Zuordnung, die der letzte Abschnitt vertieft: Die Sole-Wärmepumpe kann passiv (und je nach Ausführung auch aktiv) kühlen, die Luft-Wärmepumpe nur aktiv. Die folgenden beiden Abschnitte betrachten die zwei Kühlarten jeweils im Detail.
Passive Kühlung — sanft und sparsam
Die passive Kühlung ist die elegante, energiesparende Art zu kühlen — sie ist eines der stärksten Argumente für die Sole-Wärmepumpe. Wie sie funktioniert. Das Erdreich hat in der Tiefe der Erdwärmesonde das ganze Jahr über eine nahezu konstante Temperatur. Im Winter ist es dort wärmer als die Außenluft — das nutzt die Sole-Wärmepumpe zum Heizen. Im Sommer ist es dort kühler als die Raumtemperatur — und genau das nutzt die passive Kühlung. Die kühle Sole aus dem Erdreich wird über einen Wärmetauscher mit dem Heizkreis gekoppelt, und das so gekühlte Wasser fließt durch die Fußbodenheizung. Der Boden wird leicht kühl und nimmt Wärme aus den Räumen auf. Diese Wärme wandert über die Sole zurück ins Erdreich. Warum sie so sparsam ist. Bei der passiven Kühlung läuft der Verdichter nicht — und der Verdichter ist der einzige große Stromverbraucher der Wärmepumpe. Es arbeiten nur die Umwälzpumpen, die die Sole und das Heizwasser bewegen. Deren Stromverbrauch ist gering. Die passive Kühlung kostet damit nur einen kleinen Bruchteil dessen, was eine aktive Kühlung oder gar eine Klimaanlage verbrauchen würde. Man kühlt sozusagen mit der gespeicherten Kühle des Erdreichs, fast geschenkt. Ein schöner Nebeneffekt. Die Wärme, die im Sommer über die passive Kühlung ins Erdreich abgegeben wird, regeneriert die Erdwärmequelle ein Stück weit — das Erdreich wird wieder aufgewärmt, nachdem ihm im Winter Wärme entzogen wurde. Die passive Kühlung und der Heizbetrieb ergänzen sich also über das Jahr. Die Grenzen der passiven Kühlung. Die passive Kühlung ist sanft — und sie ist begrenzt. Die Kühlleistung hängt davon ab, wie kühl das Erdreich ist und wie viel Wärme die Sole abführen kann. Sie reicht für eine angenehme Temperierung, die der Sommerhitze die Spitze nimmt — typischerweise eine Absenkung um einige wenige Grad. Sie reicht nicht für ein kräftiges Herunterkühlen. An einer langen, extremen Hitzeperiode kann sich das Erdreich zudem etwas erwärmen, was die Kühlleistung weiter begrenzt. Die passive Kühlung ist also moderat — aber sehr sparsam. Die Einordnung. Die passive Kühlung ist die effizienteste Form, ein Haus im Sommer zu kühlen — sie liefert spürbaren Komfort zu minimalen Stromkosten. Ihr Preis ist die moderate Leistung und die Bindung an die Sole-Wärmepumpe. Wer eine Sole-Wärmepumpe hat oder plant, sollte die passive Kühlung unbedingt mitdenken: Sie ist einer der attraktivsten Zusatznutzen dieser Bauform.
Aktive Kühlung — mehr Leistung, mehr Strom
Die aktive Kühlung ist der zweite Weg — leistungsstärker als die passive, aber mit Stromverbrauch verbunden. Wie sie funktioniert. Bei der aktiven Kühlung wird der Kältekreis der Wärmepumpe umgekehrt. Statt dem Haus Wärme zuzuführen, entzieht die Wärmepumpe dem Heizwasser Wärme und gibt sie nach außen ab. Der Verdichter arbeitet dabei — er ist es, der die Wärme aktiv von innen nach außen pumpt. Das gekühlte Wasser wird über das Verteilsystem, meist die Fußbodenheizung, ins Haus geführt. Warum sie Strom verbraucht. Weil der Verdichter läuft, verbraucht die aktive Kühlung Strom — der Verdichter ist der große Stromverbraucher der Wärmepumpe. Der Stromverbrauch der aktiven Kühlung ist deutlich höher als der der passiven Kühlung, bei der der Verdichter ausbleibt. Im Vergleich zu einer klassischen Klimaanlage kann die aktive Kühlung über die Fußbodenheizung dennoch effizient sein, weil sie mit moderaten Temperaturen arbeitet. Sie ist aber kein Gratis-Komfort wie die passive Kühlung. Ihr Vorteil — mehr Leistung. Weil die aktive Kühlung die Kühle aktiv erzeugt und nicht von der Erdreichtemperatur abhängt, kann sie mehr Kühlleistung liefern als die passive Kühlung. Sie ist auch dann verfügbar, wenn keine kühle Umweltquelle vorhanden ist — sie funktioniert deshalb auch mit der Luft-Wärmepumpe. Welche Wärmepumpen aktiv kühlen. Die aktive Kühlung ist die Kühlart der Luft-Wärmepumpe, weil diese keine kühle Quelle für die passive Kühlung hat. Aber auch eine Sole-Wärmepumpe kann je nach Ausführung aktiv kühlen — sie hat dann beide Optionen. In der Praxis nutzt eine Sole-Wärmepumpe meist die sparsame passive Kühlung und greift nur bei Bedarf auf die aktive zurück. Die Grenzen. Auch die aktive Kühlung über die Fußbodenheizung bleibt eine Flächenkühlung — sie unterliegt derselben physikalischen Grenze wie die passive: Die Bodenoberfläche darf nicht zu kühl werden, sonst droht Kondenswasser. Deshalb ist auch die aktive Flächenkühlung in ihrer Leistung begrenzt — sie ist stärker als die passive, aber auch sie ist keine Klimaanlage. Eine kräftigere Kühlung ist über spezielle Gebläsekonvektoren möglich, die die Kühle anders abgeben. Die Einordnung. Die aktive Kühlung ist die universellere, leistungsstärkere Kühlart — sie funktioniert mit jeder kühlfähigen Wärmepumpe, auch mit der Luft-Wärmepumpe. Ihr Preis ist der Stromverbrauch durch den laufenden Verdichter. Wer eine Luft-Wärmepumpe hat und kühlen will, kühlt aktiv — das ist der normale Fall. Wer eine Sole-Wärmepumpe hat, hat die Wahl und wird meist die sparsame passive Kühlung bevorzugen.
Welche Kühlart zu welcher Wärmepumpe passt
Aus den beiden Kühlarten und den Bauformen der Wärmepumpe ergibt sich eine klare Zuordnung. Sie hilft bei der Frage, was im eigenen Fall möglich und sinnvoll ist. Die Sole-Wärmepumpe. Sie ist die vielseitigere Bauform beim Kühlen. Weil sie das kühle Erdreich als Quelle hat, beherrscht sie die passive Kühlung — die sparsamste Art zu kühlen. Je nach Ausführung kann sie zusätzlich aktiv kühlen, wenn mehr Leistung gebraucht wird. In der Praxis bedeutet das: Eine Sole-Wärmepumpe kühlt im Normalfall passiv, fast geschenkt, und hat bei Bedarf die aktive Kühlung als Reserve. Die passive Kühlung ist einer der stärksten Pluspunkte der Sole-Wärmepumpe — wer ohnehin über diese Bauform nachdenkt, bekommt den Sommerkomfort als sehr effizienten Zusatznutzen. Die Luft-Wärmepumpe. Sie kann nur aktiv kühlen, weil ihr die kühle Umweltquelle für die passive Kühlung fehlt — die Außenluft ist im Sommer warm. Eine kühlfähige Luft-Wärmepumpe kehrt für die Kühlung ihren Kältekreis um, der Verdichter läuft, es wird Strom verbraucht. Das funktioniert gut und liefert eine ordentliche Kühlleistung, ist aber kein Gratis-Komfort. Wer eine Luft-Wärmepumpe wählt und kühlen möchte, sollte bei der Auswahl darauf achten, ein Modell mit aktiver Kühlfunktion zu nehmen. Was das für die Entscheidung bedeutet: Wer Wert auf eine besonders sparsame Sommerkühlung legt, hat mit der Sole-Wärmepumpe und ihrer passiven Kühlung das effizienteste Konzept. Das kann sogar ein Argument sein, das bei der Wahl zwischen Sole- und Luft-Wärmepumpe mit auf die Waagschale gehört — neben den anderen bekannten Faktoren wie Anschaffungskosten und Grundstück. Wer eine Luft-Wärmepumpe wählt — was für die Mehrheit der Häuser die wirtschaftliche Standardwahl ist —, bekommt mit der aktiven Kühlfunktion ebenfalls einen brauchbaren Sommerkomfort. Er muss nur einplanen, dass diese Kühlung Strom kostet, und die Kühlfunktion bei der Geräteauswahl ausdrücklich mitbestellen. In beiden Fällen gilt: Das Verteilsystem muss passen. Die Flächenkühlung über die Fußbodenheizung ist bei beiden Kühlarten der übliche Weg. Eine Fußbodenheizung ist damit die gemeinsame praktische Voraussetzung — ob passiv oder aktiv gekühlt wird. Die zusammenfassende Empfehlung: Wer die Sommerkühlung wichtig findet, sollte sie früh in die Wärmepumpen-Planung einbeziehen und mit dem Fachbetrieb klären, welche Kühlart die gewählte Bauform bietet. Bei der Sole-Wärmepumpe ist die effiziente passive Kühlung ein starkes Plus; bei der Luft-Wärmepumpe ist die aktive Kühlung eine gute, wenn auch stromverbrauchende Option. Beide liefern keine Klimaanlagen-Leistung, sondern eine angenehme, sanfte Temperierung — die passive besonders sparsam, die aktive etwas leistungsstärker.
⚠ Praxis-Hinweis
Die sparsame passive Kühlung gibt es nur mit der Sole-Wärmepumpe — die Luft-Wärmepumpe kann ausschließlich aktiv kühlen, mit laufendem Verdichter und Stromverbrauch. Wer die effiziente Sommerkühlung wichtig findet, sollte das bei der Wahl zwischen Sole- und Luft-Wärmepumpe mitbedenken.
Häufige Fragen — Aktive oder passive Kühlung mit der Wärmepumpe?
Was ist der Unterschied zwischen aktiver und passiver Kühlung?▾
Welche Wärmepumpe kann passiv kühlen?▾
Warum ist die passive Kühlung so sparsam?▾
Verbraucht die aktive Kühlung viel Strom?▾
Kann eine Sole-Wärmepumpe auch aktiv kühlen?▾
Hilft die passive Kühlung der Erdwärmequelle?▾
Welche Kühlart soll ich wählen?▾
Wärmepumpe mit Kühlfunktion planen
Wir vermitteln Heizungsbauer-Partner, die die Kühlfunktion von Anfang an mitplanen — passiv oder aktiv.