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Kältemittel bei Wärmepumpen — R290, R32 und R454C erklärt

Auf jedem Wärmepumpen-Datenblatt steht ein Kältemittel-Kürzel — R290, R32, R454C. Diese Buchstaben-Zahlen-Kombinationen wirken kryptisch, haben aber eine echte Bedeutung für Klimawirkung und Zukunftssicherheit. Diese Q&A-Seite erklärt, wozu eine Wärmepumpe ein Kältemittel braucht, was der GWP-Wert aussagt, wie sich die gängigen Kältemittel unterscheiden und was das für die Kaufentscheidung bedeutet.

Wozu eine Wärmepumpe ein Kältemittel braucht

Das Kältemittel ist der Stoff, der den gesamten Wärmepumpen-Prozess überhaupt erst möglich macht. Es zirkuliert im geschlossenen Kältekreis und ist das Arbeitsmedium, das die Wärme transportiert. Warum braucht es dafür einen besonderen Stoff? Weil das Kältemittel eine spezielle Eigenschaft haben muss: Es muss schon bei niedrigen Temperaturen verdampfen und sich durch Druckänderung kontrolliert zwischen flüssig und gasförmig umschalten lassen. Genau dieser Phasenwechsel — flüssig zu gasförmig und zurück — ist der Mechanismus, mit dem die Wärmepumpe Wärme aufnimmt und wieder abgibt. Im Verdampfer nimmt das flüssige Kältemittel Umweltwärme auf und verdampft. Im Verflüssiger gibt das verdichtete, heiße Gas seine Wärme ab und wird wieder flüssig. Ein gewöhnlicher Stoff wie Wasser wäre dafür ungeeignet, weil sein Verdampfungspunkt nicht in den richtigen Temperaturbereich fällt. Das Kältemittel ist gezielt so gewählt, dass sein Verhalten exakt zu den Betriebsbedingungen einer Wärmepumpe passt. Das Kältemittel zirkuliert in einem geschlossenen Kreis. Es wird nicht verbraucht und nicht ausgestoßen — anders als der Brennstoff einer fossilen Heizung. Im Normalbetrieb bleibt es vollständig im Gerät. Es kann nur dann in die Umwelt gelangen, wenn der Kreislauf undicht wird, also bei einem Defekt oder einer unsachgemäßen Behandlung. Deshalb ist die fachgerechte Installation und Wartung wichtig, und deshalb darf am Kältekreis nur ein zertifizierter Fachbetrieb arbeiten. Genau hier liegt der Grund, warum das Kältemittel überhaupt eine klimapolitische Bedeutung hat. Solange es im Gerät bleibt, ist es harmlos. Entweicht es aber, kann es je nach Art einen mehr oder weniger starken Treibhauseffekt verursachen. Wie stark, beschreibt eine Kennzahl — der GWP-Wert. Er ist der nächste Punkt.

Der GWP-Wert — warum das Kältemittel klimarelevant ist

Die entscheidende Kennzahl bei Kältemitteln ist der GWP-Wert. GWP steht für Global Warming Potential, auf Deutsch Treibhauspotenzial. Er beschreibt, wie stark ein Stoff zur Erderwärmung beiträgt, wenn er in die Atmosphäre gelangt. Der GWP-Wert ist ein Vergleichsmaß. Als Bezugsgröße dient Kohlendioxid, dem der Wert 1 zugeordnet wird. Der GWP-Wert eines Kältemittels sagt also: Eine bestimmte Menge dieses Stoffs wirkt so stark wie die entsprechend vielfache Menge CO2. Ein Kältemittel mit einem GWP von 675 wirkt, wenn es entweicht, so klimaschädlich wie die 675-fache Menge CO2. Ein Kältemittel mit einem GWP nahe 0 ist dagegen klimatisch praktisch unbedenklich. Wichtig zur Einordnung: Der GWP-Wert wird nur dann zum Problem, wenn das Kältemittel tatsächlich entweicht. Im dichten, geschlossenen Kältekreis einer intakten Wärmepumpe gelangt nichts in die Atmosphäre. Relevant wird der Wert bei Leckagen, bei der Wartung und vor allem am Ende der Lebensdauer, wenn das Gerät entsorgt wird und das Kältemittel fachgerecht abgesaugt werden muss. Je höher der GWP, desto größer der mögliche Schaden im Fehlerfall — und desto strenger die Vorschriften für Handhabung und Entsorgung. Der Gesetzgeber hat das Thema im Blick. Die europäische F-Gase-Verordnung regelt den Umgang mit fluorierten Treibhausgasen — und viele klassische Kältemittel sind solche fluorierten Gase mit hohem GWP. Die Verordnung sieht vor, dass die Menge dieser hoch-GWP-Kältemittel über die Jahre schrittweise reduziert wird. Das hat eine klare Folge für den Wärmepumpen-Markt: Der Trend geht eindeutig weg von Kältemitteln mit hohem GWP und hin zu Stoffen mit niedrigem oder sehr niedrigem Treibhauspotenzial. Für den Käufer einer Wärmepumpe bedeutet das zweierlei. Erstens eine Klimafrage: Ein Kältemittel mit niedrigem GWP ist die umweltfreundlichere Wahl. Zweitens eine Frage der Zukunftssicherheit: Geräte mit zukunftsfähigen Kältemitteln sind auch in vielen Jahren noch unkompliziert zu warten, weil das Kältemittel verfügbar bleibt. Geräte mit auslaufenden hoch-GWP-Kältemitteln können später bei Wartung und Nachfüllung schwieriger und teurer werden. Welche Kältemittel heute gängig sind und wie sie sich einordnen, zeigt der nächste Abschnitt.

R290, R32 und R454C im Überblick

Bei aktuellen Wärmepumpen begegnen einem vor allem drei Kältemittel. Sie unterscheiden sich deutlich im GWP-Wert und in ihren Eigenschaften. R290 — Propan. R290 ist ein natürliches Kältemittel, schlicht Propan. Sein GWP-Wert ist extrem niedrig, nahezu vernachlässigbar — klimatisch ist R290 praktisch unbedenklich. Damit ist es das zukunftssicherste Kältemittel und von der F-Gase-Verordnung nicht betroffen. R290 hat zudem thermodynamisch günstige Eigenschaften, die hohe Vorlauftemperaturen ermöglichen — viele R290-Geräte erreichen 70 Grad und mehr, was sie für Altbauten mit Heizkörpern attraktiv macht. Die eine Besonderheit von R290: Propan ist brennbar. Das ist beherrschbar und durch konstruktive Maßnahmen und Vorschriften abgedeckt — in der Praxis führt es vor allem dazu, dass R290-Geräte meist als Monoblock gebaut werden, bei dem das Kältemittel komplett im Außengerät bleibt und nicht durch Leitungen ins Gebäude geführt wird. R32. R32 ist ein fluoriertes Kältemittel mit einem GWP-Wert im Bereich von einigen hundert. Es ist deutlich klimafreundlicher als ältere Kältemittel wie das früher verbreitete R410A, dessen GWP weit über tausend lag, aber es ist kein natürliches Kältemittel und liegt im GWP klar über R290. R32 ist weit verbreitet, gut beherrscht und kommt in vielen Geräten zum Einsatz, auch in Split-Anlagen. Es ist nur schwer entflammbar. R454C. R454C ist ein neueres Kältemittelgemisch mit einem GWP-Wert, der niedriger liegt als bei R32, aber immer noch deutlich über dem von R290. Es wurde unter anderem als Reaktion auf die strenger werdenden Vorgaben entwickelt und ersetzt in manchen Geräten ältere Kältemittel mit höherem GWP. Die grobe Rangfolge nach Klimafreundlichkeit: R290 hat das mit Abstand niedrigste Treibhauspotenzial und ist als natürliches Kältemittel die zukunftssicherste Wahl. R454C liegt im Mittelfeld, R32 darüber — beide aber deutlich besser als die alten Kältemittel früherer Gerätegenerationen. Ein wichtiger Hinweis zur Einordnung: Der GWP-Wert ist ein Auswahlkriterium, aber nicht das einzige. Ein Gerät mit R32 ist keine schlechte Wärmepumpe — entscheidend sind auch Effizienz, Auslegung, Schallverhalten und die Qualität der Installation. Der Trend und die Empfehlung gehen aber klar in Richtung R290, weil es klimatisch und regulatorisch die sauberste und zukunftssicherste Lösung ist. Die genauen GWP-Zahlen und die Kältemittel-Zuordnung einzelner Modelle stehen im jeweiligen Datenblatt — sie können sich mit neuen Gerätegenerationen ändern.

Was das für die Kaufentscheidung bedeutet

Wie wichtig ist das Kältemittel bei der Wahl einer Wärmepumpe — und worauf sollte man konkret achten? Das Kältemittel ist ein relevantes, aber nicht das alleinige Kriterium. Vorrang haben bei der Auswahl die grundlegenden Fragen: die richtige Bauform für das Haus, die passende Dimensionierung nach der Heizlast, die zu erwartende Effizienz, das Schallverhalten und vor allem die Qualität von Planung und Installation durch den Fachbetrieb. Eine Wärmepumpe wird nicht dadurch gut, dass sie das beste Kältemittel hat — sondern dadurch, dass sie zum Haus passt und sauber eingebaut ist. Innerhalb dieses Rahmens spricht aber einiges dafür, dem Kältemittel Aufmerksamkeit zu schenken — und im Zweifel ein Gerät mit niedrigem GWP, also mit R290, zu bevorzugen. Die Klimawirkung. Ein Kältemittel mit sehr niedrigem GWP minimiert den möglichen Klimaschaden im Fehler- und Entsorgungsfall. Wer eine Wärmepumpe aus Klimagründen einbaut, schließt mit einem natürlichen Kältemittel den Kreis konsequent. Die Zukunftssicherheit. Die F-Gase-Verordnung reduziert die Verfügbarkeit hoch-GWP-Kältemittel über die Jahre schrittweise. Ein Gerät mit einem zukunftsfähigen Kältemittel wie R290 bleibt über seine gesamte, oft zwanzigjährige Lebensdauer unkompliziert zu warten. Bei Geräten mit auslaufenden Kältemitteln kann die Nachfüllung nach einer Leckage später schwieriger und teurer werden. Die Fördersystematik. Die BAFA-Heizungsförderung im Bestand kennt einen Effizienzbonus, der unter anderem für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel gewährt wird. Ein R290-Gerät kann damit nicht nur klimatisch, sondern auch förderseitig im Vorteil sein. Die genauen Bedingungen sollte man zum Zeitpunkt der Planung bei der BAFA prüfen, da sich Förderdetails ändern können. Die technische Eignung. R290 erreicht hohe Vorlauftemperaturen — für einen Altbau mit Heizkörpern, der höhere Vorlauftemperaturen braucht, ist das ein praktischer Vorteil. In einem gut gedämmten Neubau mit Fußbodenheizung spielt dieser Punkt eine kleinere Rolle. Die praktische Empfehlung: Man sollte beim Vergleich von Angeboten nach dem Kältemittel fragen und es als Kriterium mitberücksichtigen. Bei sonst gleichwertigen Geräten ist R290 die klima- und zukunftssicherste Wahl. Ein Gerät mit R32 oder R454C deshalb pauschal abzulehnen, wäre aber falsch — wenn es in Auslegung, Effizienz und Installation überzeugt und besser zum Haus passt, kann es die richtige Wahl sein. Das Kältemittel gehört auf die Kriterienliste, steht dort aber nicht an erster Stelle.

⚠ Praxis-Hinweis

Das Kältemittel ist ein Kriterium, aber nicht das wichtigste — Auslegung, Effizienz und Installationsqualität gehen vor. Bei sonst gleichwertigen Geräten ist R290 wegen niedrigstem GWP und Zukunftssicherheit die beste Wahl; ein R32- oder R454C-Gerät pauschal abzulehnen, wäre aber falsch.

Häufige Fragen — Kältemittel bei Wärmepumpen — R290, R32, R454C erklärt

Wozu braucht eine Wärmepumpe ein Kältemittel?
Das Kältemittel ist das Arbeitsmedium im geschlossenen Kältekreis. Es hat die besondere Eigenschaft, schon bei niedrigen Temperaturen zu verdampfen und sich durch Druckänderung kontrolliert zwischen flüssig und gasförmig umschalten zu lassen. Genau dieser Phasenwechsel ist der Mechanismus, mit dem die Wärmepumpe im Verdampfer Umweltwärme aufnimmt und im Verflüssiger Heizwärme abgibt. Ohne ein passendes Kältemittel funktioniert der Wärmepumpen-Prozess nicht.
Was bedeutet der GWP-Wert eines Kältemittels?
GWP steht für Global Warming Potential, das Treibhauspotenzial. Der Wert beschreibt, wie stark ein Stoff zur Erderwärmung beiträgt, wenn er in die Atmosphäre gelangt — gemessen im Vergleich zu CO2, dem der Wert 1 zugeordnet wird. Ein Kältemittel mit GWP 675 wirkt so klimaschädlich wie die 675-fache Menge CO2, ein Kältemittel mit GWP nahe 0 ist klimatisch praktisch unbedenklich. Relevant wird der Wert nur, wenn das Kältemittel entweicht — im dichten Kältekreis einer intakten Wärmepumpe gelangt nichts in die Atmosphäre.
Welches Kältemittel ist das umweltfreundlichste?
R290, also Propan. Es ist ein natürliches Kältemittel mit einem extrem niedrigen, nahezu vernachlässigbaren GWP-Wert und damit klimatisch praktisch unbedenklich. Es ist von der F-Gase-Verordnung nicht betroffen und gilt als das zukunftssicherste Kältemittel. R454C liegt im Mittelfeld, R32 darüber — beide sind fluorierte Kältemittel mit höherem GWP, aber immer noch deutlich klimafreundlicher als ältere Kältemittel früherer Gerätegenerationen wie R410A.
Ist R290 wegen der Brennbarkeit gefährlich?
R290 (Propan) ist brennbar, das ist aber beherrschbar und durch konstruktive Maßnahmen und Vorschriften abgedeckt. In der Praxis führt die Brennbarkeit vor allem dazu, dass R290-Geräte meist als Monoblock gebaut werden — der gesamte Kältekreis bleibt im Außengerät, das Kältemittel wird nicht durch Leitungen ins Gebäude geführt. Bei fachgerechter Installation und Aufstellung durch einen zertifizierten Betrieb ist eine R290-Wärmepumpe sicher im Betrieb.
Ist eine Wärmepumpe mit R32 eine schlechte Wahl?
Nein. R32 ist ein weit verbreitetes, gut beherrschtes Kältemittel und deutlich klimafreundlicher als die alten Kältemittel früherer Gerätegenerationen. Sein GWP liegt aber klar über dem von R290. Ein R32-Gerät ist keine schlechte Wärmepumpe — entscheidend sind auch Effizienz, Auslegung, Schallverhalten und Installationsqualität. Bei sonst gleichwertigen Geräten ist R290 die klima- und zukunftssicherere Wahl, aber ein R32-Gerät, das besser zum Haus passt, kann trotzdem die richtige Entscheidung sein.
Beeinflusst das Kältemittel die Förderung?
Ja, im Bestand. Die BAFA-Heizungsförderung kennt einen Effizienzbonus, der unter anderem für Wärmepumpen mit natürlichem Kältemittel — also R290 — gewährt wird. Ein R290-Gerät kann damit nicht nur klimatisch, sondern auch förderseitig im Vorteil sein. Die genauen Bedingungen und Bonushöhen können sich ändern, daher sollte man den aktuellen Stand zum Zeitpunkt der Planung bei der BAFA prüfen.
Wie wichtig ist das Kältemittel bei der Kaufentscheidung?
Es ist ein relevantes, aber nicht das alleinige Kriterium. Vorrang haben die passende Bauform, die richtige Dimensionierung nach der Heizlast, die Effizienz, das Schallverhalten und die Qualität von Planung und Installation. Innerhalb dieses Rahmens spricht aber einiges dafür, ein Gerät mit niedrigem GWP zu bevorzugen — wegen der Klimawirkung, der Zukunftssicherheit bei Wartung und Nachfüllung und eines möglichen Förder-Vorteils. Das Kältemittel gehört auf die Kriterienliste, steht dort aber nicht an erster Stelle.

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