Was ist die Jahresarbeitszahl (JAZ) — einfach erklärt
Die Jahresarbeitszahl ist die wichtigste Kennzahl einer Wärmepumpe — sie entscheidet über Stromverbrauch und Betriebskosten. Gleichzeitig wird sie oft mit ähnlich klingenden Begriffen verwechselt. Diese Q&A-Seite erklärt verständlich, was die JAZ aussagt, wie sie sich von COP und SCOP unterscheidet, welche Werte realistisch sind und wie man die JAZ verbessert.
Was die JAZ aussagt
Die Jahresarbeitszahl — kurz JAZ — beantwortet eine einfache Frage: Wie viele Kilowattstunden Wärme macht die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom, gemittelt über ein ganzes Jahr? Eine JAZ von 4 bedeutet: Aus einer Kilowattstunde Strom werden vier Kilowattstunden Heizwärme. Drei davon stammen aus der kostenlosen Umweltwärme, eine aus dem Strom. Eine JAZ von 3 bedeutet entsprechend drei Kilowattstunden Wärme je Kilowattstunde Strom. Die Formel ist denkbar einfach: Jahresarbeitszahl gleich erzeugte Wärmemenge geteilt durch verbrauchten Strom, jeweils über ein volles Jahr gerechnet. Warum ist diese Zahl so wichtig? Weil sie direkt über die Heizkosten entscheidet. Der Wärmebedarf eines Hauses ist eine feste Größe — das Haus braucht jeden Winter ungefähr dieselbe Wärmemenge. Wie viel Strom dafür nötig ist, hängt allein an der JAZ. Ein Beispiel: Ein Haus mit 20.000 Kilowattstunden Wärmebedarf braucht bei einer JAZ von 4 genau 5.000 Kilowattstunden Strom, bei einer JAZ von 3 dagegen rund 6.667 Kilowattstunden. Das sind über 1.600 Kilowattstunden Unterschied pro Jahr — bei einem Strompreis um 28 Cent gut 450 Euro jährlich, allein wegen einer um eins niedrigeren JAZ. Die JAZ ist außerdem der ehrlichste Wert, weil sie die reale Anlage im realen Haus über ein reales Jahr beschreibt. Sie umfasst alles: die kalten und die milden Tage, den Heizbetrieb und die Warmwasserbereitung, gute und schlechte Wochen, gegebenenfalls auch den Einsatz des elektrischen Heizstabs. Ein einzelner Messwert an einem milden Tag würde ein zu schönes Bild zeichnen — die JAZ über das ganze Jahr nicht. Genau deshalb ist die JAZ aber auch erst nach einem vollständigen Betriebsjahr bekannt. Vor dem Kauf kann man sie nicht messen, nur abschätzen. Für die Abschätzung und den Vergleich von Geräten gibt es andere Kennzahlen — COP und SCOP. Wie diese mit der JAZ zusammenhängen und warum man sie nicht verwechseln sollte, zeigt der nächste Abschnitt.
JAZ, COP und SCOP — die Begriffe auseinanderhalten
Rund um die Effizienz einer Wärmepumpe kursieren drei Abkürzungen, die ständig durcheinandergeraten: JAZ, COP und SCOP. Sie messen Ähnliches, aber nicht dasselbe. Der COP — Coefficient of Performance, auf Deutsch Leistungszahl. Der COP ist eine Momentaufnahme. Er gibt das Verhältnis von Wärme zu Strom in einem ganz bestimmten Betriebspunkt an, unter genau festgelegten Bedingungen — zum Beispiel bei einer Quellentemperatur von 2 Grad und einer Heizwasser-Temperatur von 35 Grad. Der COP ist ein Laborwert für einen einzelnen Punkt. Er ist nützlich zum technischen Vergleich, sagt aber wenig über das ganze Jahr, weil sich die Bedingungen ständig ändern. Der SCOP — Seasonal Coefficient of Performance, die saisonale Leistungszahl. Der SCOP versucht, eine ganze Heizsaison abzubilden. Er wird nach einem genormten Verfahren ermittelt, das verschiedene Außentemperaturen und Lastzustände mit einem standardisierten Klimaprofil gewichtet. Der SCOP steht auf dem Datenblatt und auf dem EU-Energielabel und ist die richtige Kennzahl, um Geräte vor dem Kauf zu vergleichen. Aber: Auch der SCOP ist ein genormter Laborwert. Er beschreibt das Gerät unter Standardbedingungen, nicht die konkrete Anlage im konkreten Haus. Die JAZ — die Jahresarbeitszahl. Sie ist der einzige Wert, der die reale, eingebaute Anlage im realen Haus über ein reales Jahr beschreibt. Sie wird nicht im Labor ermittelt, sondern aus den tatsächlichen Zählerständen für Wärme und Strom berechnet. Die JAZ berücksichtigt das konkrete Klima am Standort, die konkrete Vorlauftemperatur der Heizflächen, die Qualität der Auslegung, das Nutzerverhalten und einen eventuellen Heizstab-Einsatz. Der Zusammenhang: COP ist der Punktwert, SCOP der genormte Saisonwert, JAZ der reale Jahreswert. In der Praxis liegt die reale JAZ oft etwas unter dem SCOP des Datenblatts — weil das eigene Haus selten exakt dem genormten Standardprofil entspricht und weil Auslegungs- und Einstellungsfehler die reale Effizienz drücken können. Für die Praxis heißt das: Beim Gerätevergleich vor dem Kauf schaut man auf den SCOP. Für die Beurteilung, ob die eigene Anlage gut läuft, zählt die JAZ. Wer einen SCOP-Wert aus dem Prospekt mit einer JAZ aus einem Erfahrungsbericht direkt vergleicht, vergleicht Unvergleichbares.
Welche JAZ realistisch ist
Welche Jahresarbeitszahl darf man von einer Wärmepumpe erwarten? Das hängt vor allem von zwei Dingen ab: von der Wärmequelle und von der nötigen Vorlauftemperatur des Hauses. Die Vorlauftemperatur ist der größte Hebel. Je niedriger die Temperatur, mit der das Heizsystem auskommt, desto höher die JAZ. Typische Größenordnungen für eine Luft-Wasser-Wärmepumpe: — Gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung, niedrige Vorlauftemperatur: reale JAZ etwa 4,0 bis 4,8. — Teilsanierter Altbau mit gut dimensionierten Heizkörpern, mittlere Vorlauftemperatur: reale JAZ etwa 3,5 bis 4,0. — Wenig sanierter Altbau mit höherer Vorlauftemperatur: reale JAZ etwa 3,0 bis 3,5. — Sehr hohe Vorlauftemperatur bei knappen Heizkörpern: reale JAZ etwa 2,5 bis 3,0. Eine Sole-Wasser-Wärmepumpe liegt jeweils etwas höher, weil das Erdreich eine konstante, im Winter günstigere Quellentemperatur bietet — typisch reale JAZ um 4,5 bis 5,0, bei guter Auslegung darüber. Wichtig ist die Einordnung: Eine JAZ von 3,0 klingt im Vergleich zu 4,5 bescheiden, ist aber kein schlechter Wert. Sie bedeutet, dass aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme werden — das schlägt jede fossile Heizung und jede direkte Elektroheizung deutlich. Eine JAZ von 3,0 macht die Wärmepumpe wirtschaftlich konkurrenzfähig. Eine JAZ um 4,0 und höher ist sehr gut. Als grobe Orientierung gilt: Ab einer JAZ von etwa 3,0 arbeitet eine Wärmepumpe solide. Werte deutlich darunter — etwa 2,5 oder weniger im Jahresmittel — deuten auf ein Problem hin: eine zu hohe Vorlauftemperatur, einen fehlenden hydraulischen Abgleich, einen häufig mitlaufenden Heizstab oder eine falsche Einstellung. Ein verbreiteter Fehler bei der Erwartung: Man darf die reale JAZ nicht mit dem SCOP aus dem Prospekt gleichsetzen. Wenn das Datenblatt einen SCOP von 5,0 nennt, heißt das nicht, dass die Anlage im eigenen Haus eine JAZ von 5,0 erreicht. Der SCOP gilt unter Normbedingungen — die reale JAZ liegt je nach Haus und Auslegung darunter. Wer das weiß, wird von seiner Anlage nicht enttäuscht, sondern beurteilt sie am realistischen Maßstab.
Wie man die JAZ verbessert
Die Jahresarbeitszahl ist kein Schicksal — sie lässt sich beeinflussen. Einige Hebel greifen schon bei der Planung, andere auch noch im laufenden Betrieb. Die Vorlauftemperatur senken — der wirksamste Hebel. Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die Effizienz um grob 2 bis 2,5 Prozent. Die Vorlauftemperatur senkt man, indem die Heizflächen groß genug sind. In der Planung heißt das: gezielter Tausch einzelner zu kleiner Heizkörper gegen größere Niedertemperatur-Modelle. Wer ohnehin saniert, kann eine Fußbodenheizung einbauen. Den hydraulischen Abgleich durchführen lassen. Ohne Abgleich werden manche Räume über-, andere unterversorgt, und die Vorlauftemperatur muss für das ganze Haus angehoben werden, nur damit der schlechteste Raum warm wird. Der Abgleich verteilt die Wärme bedarfsgerecht und erlaubt eine niedrigere Vorlauftemperatur. Er ist Pflicht für die Förderung und einer der wirksamsten und günstigsten JAZ-Hebel. Die Heizkurve optimieren. Nach der Inbetriebnahme ist die Heizkurve oft vorsichtshalber zu hoch eingestellt. Wer sie über eine Heizsaison schrittweise auf das richtige Maß absenkt, hebt die JAZ — ohne einen Cent zu investieren. Das ist der wichtigste Hebel im laufenden Betrieb. Die Wärmepumpe richtig dimensionieren. Ein überdimensioniertes Gerät taktet an milden Tagen ständig ein und aus, jeder Anlauf kostet Effizienz. Die Auslegung sollte der berechneten Heizlast folgen, nicht einem pauschalen Sicherheitszuschlag. Den Heizstab-Einsatz vermeiden. Der elektrische Heizstab heizt mit einer Leistungszahl von eins und drückt die JAZ stark, wenn er regelmäßig mitläuft. Eine richtig ausgelegte Anlage mit korrekt eingestellter Heizkurve braucht ihn nur als seltene Notreserve. Gebäude-Schwachstellen entschärfen. Günstige Teil-Maßnahmen wie die Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Kellerdecke senken die Heizlast und die nötige Vorlauftemperatur — und damit steigt die JAZ. Die Warmwasser-Einstellungen prüfen. Warmwasser braucht höhere Temperaturen als die Heizung und drückt die Misch-JAZ. Eine nicht unnötig hohe Speichertemperatur und eine nicht zu häufige Legionellen-Aufheizung halten den Warmwasser-Anteil effizient. Die wichtigste Erkenntnis: Die größten JAZ-Hebel liegen nicht im Gerät, sondern in der Planung und Einstellung. Eine durchschnittliche Wärmepumpe, sorgfältig ausgelegt und eingeregelt, erreicht eine bessere JAZ als ein Spitzengerät an einer schlecht geplanten Anlage. Wer beim Fachbetrieb auf Heizlastberechnung, hydraulischen Abgleich und eine saubere Inbetriebnahme achtet und die Heizkurve im ersten Jahr optimiert, holt das Meiste aus seiner Anlage heraus.
⚠ Praxis-Hinweis
SCOP und JAZ nicht verwechseln: Der SCOP aus dem Datenblatt ist ein genormter Laborwert für den Gerätevergleich, die JAZ der reale Jahreswert der eingebauten Anlage. Die reale JAZ liegt meist etwas unter dem SCOP — wer das weiß, beurteilt seine Anlage am richtigen Maßstab.
Häufige Fragen — Was ist die Jahresarbeitszahl (JAZ) — einfach erklärt
Was bedeutet die Jahresarbeitszahl einer Wärmepumpe?▾
Was ist der Unterschied zwischen JAZ, COP und SCOP?▾
Welche JAZ ist gut bei einer Wärmepumpe?▾
Ist eine JAZ von 3,0 schlecht?▾
Erreicht meine Wärmepumpe die JAZ aus dem Datenblatt?▾
Wie kann ich die JAZ meiner Wärmepumpe verbessern?▾
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