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Auslegungs-Außentemperatur: Werte für DE

Die Auslegungs-Außentemperatur ist die regionale Bemessungs-Größe für die Heizlast. Hier finden Sie Werte je BL und PLZ — mit konkretem Impact auf die Wärmepumpen-Wahl.

4 Min. Lesezeit6 Abschnitte·Xpora-Redaktion · geprüft 2026

Definition und Statistik#

Die Auslegungs-Außentemperatur (auch: Norm-Außentemperatur oder θ_e) nach DIN EN 12831 ist die statistische Mindest-Außentemperatur, die als Bemessungs-Grundlage für die Heizlast-Berechnung verwendet wird. Sie wird ermittelt aus 30-Jahre-Klimadaten als Mittel der zwei kältesten 24-Stunden-Perioden pro Jahr. Praktisch wird sie an etwa 1–2 % der Stunden im Jahr unterschritten — also ca. 90 Stunden pro Jahr. Niedrigere Außentemperaturen kommen kurzzeitig vor, sind für die Heizlast-Auslegung aber nicht relevant — die thermische Trägheit des Gebäudes (Dämmung, Speichermasse) puffert kurze Tiefst-Temperaturen aus. Grundlage in DE: DIN EN 12831-1 in Verbindung mit DWD-Klimadatensatz 2024 (gemäß Beiblatt 1 zur DIN).

Werte nach Bundesland 2024#

Auslegungs-Außentemperaturen nach Klimazonen (Stand DWD-Datensatz 2024):

(1) Norddeutsche Tiefebene -10 °C: Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen Tiefland, NRW.

(2) Mittlere Norddeutschland -12 °C: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen Mitte, Hessen Tiefland.

(3) Süddeutschland -14 °C: Bayern Tiefland, Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg Mitte.

(4) Süddeutsche Mittelgebirge -16 °C: Schwarzwald, Bayerischer Wald (Höhenlagen 700–1.000 m).

(5) Hochlagen Süd -18 °C: Allgäu, Berchtesgadener Land, Erzgebirge, Harz.

(6) Höchstlagen -20 °C: Hochschwarzwald, Watzmann-Region (über 1.500 m ü. NN).

Für die meisten EFH-Standorte in DE liegt die Auslegungs-Außentemperatur zwischen -10 und -14 °C. Sehr kalte Standorte sind Sondermassen.

PLZ-genauer Lookup#

Für die genaue Bestimmung der Auslegungs-Außentemperatur wird die Postleitzahl verwendet. Beispiele:

10115 Berlin-Mitte: -12 °C 20095 Hamburg-Innenstadt: -10 °C 80331 München-Innenstadt: -14 °C (-12 °C Stadtwärmeinsel) 50667 Köln-Innenstadt: -10 °C (-8 °C Stadtwärmeinsel) 70173 Stuttgart-Mitte: -12 °C 01067 Dresden-Innenstadt: -14 °C 30159 Hannover-Innenstadt: -10 °C 90402 Nürnberg-Innenstadt: -14 °C 28195 Bremen-Mitte: -10 °C 44135 Dortmund-Mitte: -10 °C

Der DWD bietet einen Online-Lookup unter dwd.de mit PLZ-Eingabe. Auch kommerzielle Heizlast-Software (Solid, Hottgenroth) hat den Datensatz integriert. Bei Lage in Sonderzone (Höhenlage, Bergregion, Talkessel) Lokal-Klima vom Energieberater prüfen lassen.

Auswirkung auf WP-Auslegung#

Die Auslegungs-Außentemperatur beeinflusst die WP-Auslegung erheblich:

Bei Standort mit -10 °C Auslegungs-Außentemperatur (Norddeutschland Tiefland): WP-Modell 'normal' geeignet, COP bei -10 °C bei modernen Geräten 2,5–3,0.

Bei -14 °C (Süddeutschland): WP-Modell mit guter Tiefst-Temperatur-Performance nötig. COP bei -14 °C 2,0–2,5. Heizpatrone-Backup wahrscheinlicher aktiviert.

Bei -18 °C (Allgäu, Erzgebirge): Hochtemperatur-WP mit R290 oder hoher Modulationsfähigkeit nötig. COP bei -18 °C 1,5–2,0. Backup-Heizung (Heizpatrone) Pflicht-Auslegung. Sole-Wasser-WP oft besser geeignet als Luft-WP.

Faustregel: Pro 4 °C niedrigere Auslegungs-Außentemperatur muss die WP etwa 15–20 % mehr Heizleistung liefern können, weil die Heizlast steigt UND der COP sinkt. Bei Standort -16 °C statt -10 °C: WP-Auslegung um 25–30 % größer als bei -10 °C-Standort gleicher Hausgröße.

Bivalenztemperatur und Bivalenzpunkt#

Bei Wärmepumpen mit elektrischer Heizpatrone als Backup wird ein 'Bivalenzpunkt' definiert — die Außentemperatur, bei der die WP zu klein wird und die Heizpatrone einspringen muss. Beispiel:

WP-Auslegung 6 kW bei +2 °C, lineare Skalierung

  • bei -2 °C liefert WP 5 kW Heizleistung
  • bei -7 °C liefert WP 4 kW
  • bei -12 °C liefert WP 3,2 kW

Wenn Heizlast bei -12 °C 8 kW ist, muss Heizpatrone 4,8 kW liefern → Bivalenzpunkt etwa 0 °C (ab da Heizpatrone aktiv).

Faustregel: Bivalenzpunkt sollte bei -3 bis -5 °C liegen. Höher = WP zu klein dimensioniert, Heizpatrone läuft viel. Niedriger = WP überdimensioniert, taktet bei mildem Wetter.

Bei modernen Inverter-WPs mit großer Modulationsbreite ist der Bivalenzpunkt weniger kritisch, weil sie auch bei niedriger Außentemperatur weiter modulieren können.

Praxis-Tipps Standort-Wahl#

Praxis-Tipps für die Auslegungs-Außentemperatur-Bestimmung:

(1) Bei Bestandsbauten in städtischen Zentren: Stadtwärmeinsel-Effekt von 2–3 K abziehen. Ein Berlin-Mitte-Haus hat -10 °C statt der Standard -12 °C.

(2) Bei Höhenlage über 500 m ü. NN: pro 100 m Höhenlage 0,5 K kälter rechnen. Allgäu auf 800 m mit -16 °C statt -14 °C des Tieflands.

(3) Bei Talkessel-Lage: Kaltluft-Sammlung kann 2–3 K niedrigere Tagestemperaturen verursachen — z. B. Schwarzwald-Tal-Lage statt Höhenlage.

(4) Bei Küsten-Nähe: maritimes Klima dämpft Tiefst-Temperaturen — Helgoland nur -6 °C, Sylt -8 °C.

(5) Bei Wärmepumpen-Auslegung Sicherheits-Reserve 10 % einrechnen — bei Klimawandel werden Tiefst-Temperaturen seltener, aber kurzzeitig kann es noch -20 °C werden.

(6) Bei großem Pufferspeicher (über 800 Liter) Auslegungs-Sicherheits-Reserve auf 5 % reduzieren — Speicher puffert Tiefst-Temperaturen aus.

Häufige Fragen — Auslegungs-Außentemperatur und Klimazonen

Was ist die Auslegungs-Außentemperatur?
Statistische Mindest-Außentemperatur an 1–2 % der Stunden pro Jahr — Bemessungs-Grundlage für die Heizlast nach DIN EN 12831. Werte je nach Klimazone -10 bis -18 °C in DE.
Welcher Wert gilt für meinen Standort?
Über DWD-Klimadatensatz 2024 oder PLZ-Lookup ermitteln. Hamburg/NRW -10, Berlin/Brandenburg -12, Bayern/Sachsen -14, Allgäu/Erzgebirge -18. Bei Sonderlage Energieberater fragen.
Was ist der Bivalenzpunkt?
Außentemperatur, ab der die elektrische Heizpatrone bei der Wärmepumpe einspringen muss. Sollte bei -3 bis -5 °C liegen. Höher: WP unterdimensioniert. Niedriger: überdimensioniert, taktet.
Berücksichtigt die Auslegung den Klimawandel?
Aktuell nein — DIN EN 12831 mit DWD-2024-Daten basiert auf 30-Jahre-Statistik. Klimawandel führt zu seltener werdenden Tiefst-Temperaturen, aber kurzzeitige Extreme bleiben möglich.
Stadtwärmeinsel — wie berücksichtigen?
In städtischen Zentren 2–3 K wärmer als Standard-Wert. Berlin-Mitte effektiv -10 °C statt -12 °C, München-Innenstadt -12 °C statt -14 °C. Reduziert Heizlast um 5–10 %.

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