Lüftungs-Wärmeverlust: Berechnung in der Praxis
Der Lüftungs-Wärmeverlust ist 10–30 % der Gesamt-Heizlast. Hier sehen Sie die Berechnungs-Formel, Luftwechsel-Werte und die Auswirkung auf die WP-Auslegung.
Berechnungs-Formel#
Der Lüftungs-Wärmeverlust Φ_V wird berechnet nach: Φ_V = 0,34 × V × n × (θ_i - θ_e), wobei:
0,34 W·h/(m³·K) = volumenspezifische Wärmekapazität der Luft (vereinfacht aus 1.005 J/kg·K × 1,2 kg/m³ ÷ 3.600 s) V = beheiztes Raumvolumen in m³ n = Luftwechselzahl in 1/h θ_i - θ_e = Temperatur-Differenz innen/außen in K
Beispiel EFH 130 m² × 2,5 m Höhe = 325 m³, n = 0,5 (typisch undichtes Bestand-Haus), θ_i = 20 °C, θ_e = -10 °C → Δ = 30 K: Φ_V = 0,34 × 325 × 0,5 × 30 = 1.658 W ≈ 1,7 kW.
Das sind 17 % der Gesamt-Heizlast bei 10 kW. Bei dichten Häusern (n = 0,2–0,3) entsprechend 0,7–1,0 kW (7–10 %), bei sehr undichten (n = 0,8–1,0) 2,5–3,3 kW (25–33 %). Die Luftwechselzahl ist also der entscheidende Hebel.
Luftwechsel-Zahlen nach Hauszustand#
Praxis-Werte der Luftwechselzahl n in 1/h:
(1) Sehr undichtes Altbau-Haus 1950er ohne Sanierung: n = 0,8–1,5 (laut DIN-EN-12831 Mindestwerte für Lüftung)
(2) Bestand 1990er ohne Sanierung: n = 0,5–0,7
(3) Saniert mit gedichteten Fenstern und Türen: n = 0,3–0,5
(4) KfW-55-Neubau mit dichter Hülle ohne KWL: n = 0,2–0,3 (aber dann Schimmel-Risiko durch Stosslüftung)
(5) KfW-55-Neubau mit kontrollierter Wohnraumlüftung (KWL): n = 0,3–0,5 plus Wärmerückgewinnung 80 %, effektiver Lüftungsverlust nur 20 % davon
(6) Passivhaus mit KWL und Wärmerückgewinnung 90 %: n = 0,4–0,5, effektiver Verlust nur 10 %
Mindest-Luftwechsel für Hygiene (Feuchteschutz): n = 0,5 nach DIN 1946-6. Bei n < 0,5 ohne Lüftungsanlage entsteht Schimmel-Risiko. Bei modernen dichten Häusern muss daher KWL eingebaut werden — Investition 4.000–8.000 Euro für EFH, Energie-Einspar-Effekt durch Wärmerückgewinnung 1.500–3.000 kWh/Jahr.
Mit kontrollierter Wohnraumlüftung (KWL)#
Mit KWL und Wärmerückgewinnung wird der effektive Lüftungs-Wärmeverlust deutlich reduziert. Berechnung:
Grund-Luftwechselverlust: Φ_V = 0,34 × V × n × Δθ Mit Wärmerückgewinnung WRG η = 80 % (Standard-Lüftungsanlage): Φ_V_eff = (1 - 0,8) × Φ_V = 0,2 × Φ_V.
Beispiel EFH 325 m³ mit KWL
- Ohne WRG: Φ_V = 1.658 W (siehe oben)
- Mit WRG η = 80 %: Φ_V_eff = 332 W
Reduzierung um 1.300 W = 13 % der gesamten 10-kW-Heizlast.
KWL-Hersteller mit gängigen Geräten 2026: Helios Ventilatoren (KWL EC 200/300), Pichler ECONFLUSH, Vallox 110 MV, Zehnder ComfoAir 350. Investition 4.000–8.000 Euro inkl. Verrohrung. Wärmerückgewinnungs-Wirkungsgrad 75–90 % je nach Modell. Stromaufnahme 30–80 W permanent (Ventilator), also ca. 250–700 kWh/Jahr Strom-Hilfsenergie. Netto-Energie-Einspar-Effekt 1.000–2.500 kWh/Jahr Heizenergie nach Hilfsenergie-Abzug.
Mindest-Luftwechsel für Hygiene#
Die DIN 1946-6 (Lüftung von Wohnungen) regelt Mindest-Luftwechsel zur Vermeidung von Schimmel und CO2-Anreicherung:
(1) Lüftung zum Feuchteschutz: Grund-Luftwechsel 0,3 1/h, immer aktiviert. Bei dichten Häusern Pflicht-Aufgabe der Lüftungsanlage.
(2) Reduzierte Lüftung: Bei Personen-Anwesenheit 0,5–0,7 1/h.
(3) Nenn-Lüftung: Bei normaler Personen-Anzahl 0,7–1,0 1/h.
(4) Intensiv-Lüftung: Beim Kochen, Duschen kurzzeitig 1,5–3,0 1/h.
Mit KWL werden alle Modi automatisch über Sensoren (CO2, Feuchte) gesteuert — Hygiene-Lüftung permanent, Erhöhung bei Bedarf. Ohne KWL muss der Eigentümer Stosslüftung durchführen — alle 2–3 Stunden für 5–10 Minuten Fenster auf, mind. 2× pro Tag.
Problem bei dichten Bestandsbauten ohne KWL: theoretischer Wärmeverlust niedrig, aber praktischer Verlust durch Stosslüftung kann sogar höher sein als bei undichten Häusern, weil viele Eigentümer zu lange/zu oft lüften. Mit KWL dieser Effekt unterbunden.
Auswirkung auf WP-Auslegung#
Der Lüftungs-Wärmeverlust beeinflusst die WP-Auslegung direkt — er ist ein Bestandteil der Heizlast. Beispiele 130-m²-EFH:
Bestand 1990er ohne Sanierung, n = 0,5: Lüftungsverlust 1,7 kW von 10 kW Heizlast. Nach Fenster-Tausch und Türdichtung, n = 0,3: 1,0 kW von 8 kW Heizlast (Heizlast wegen anderer Dämm-Maßnahmen reduziert). Mit KWL und WRG 80 %: 0,3 kW von 7 kW Heizlast.
WP-Wahl entsprechend: vor Sanierung 10 kW WP, nach Vollsanierung 7 kW WP — Sprung von zu groß auf passend. Wichtig: Heizlast-Berechnung NACH allen geplanten Sanierungs-Maßnahmen, nicht vorher. Sonst wird die WP überdimensioniert und taktet später.
Kombination Wärmepumpe + KWL: ideal, weil gut gedämmtes Haus + niedriger Lüftungsverlust = niedrigere Vorlauftemperatur möglich (FBH 30–32 °C statt 40 °C) → JAZ 4,5+ statt 3,5. Gesamt-Energie-Einspar-Effekt KWL+WP-Optimierung: 3.000–5.000 kWh/Jahr Strom-Heizung-Reduzierung gegenüber unsaniertem Bestand mit gleicher Wohnfläche.
Praxis-Tipps zur Lüftung#
Praxis-Empfehlungen für die Lüftungs-Optimierung:
(1) Vor Wärmepumpen-Einbau: Blower-Door-Test machen (250–400 Euro) — ermittelt tatsächliche Luftwechselzahl. Wenn n > 0,8: erst undichten Stellen abdichten.
(2) Bei dichten Häusern (n < 0,3): KWL wird zur Pflicht für Feuchteschutz. Ohne KWL Schimmel-Risiko.
(3) Im Bestand mit n = 0,5–0,7: KWL optional. Mit Stosslüftung leben oder KWL nachrüsten. KWL-Nachrüstung 3.000–8.000 Euro je Verlegungs-Aufwand.
(4) WP-Auslegung an gedämmten/saniert-Endzustand anpassen. Sonst WP zu groß = Takten = JAZ-Verlust.
(5) Bei hohem Komfort-Anspruch: KWL mit Wärmepumpen-Anbindung — manche Lüftungsgeräte nutzen Wärme der Abluft direkt für Wassererwärmung (z. B. Vaillant recoVAIR-Kombination mit aroTHERM).
(6) Im MFH besondere Aufmerksamkeit: zentrale KWL für mehrere Wohnungen oder dezentrale Wohnungs-KWL — Auswahl je Eigentümer-Konsens.
Häufige Fragen — Lüftungs-Wärmeverlust berechnen
Wie groß ist der Lüftungs-Wärmeverlust?▾
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Wie wirkt sich der Lüftungsverlust auf die Wärmepumpe aus?▾
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