Startseite/Ratgeber/Heiz-Tag-Methode für Energieverbrauchs-Schätzung
Auslegung

Heiz-Tag-Methode: Vom Heizlast zum Jahresverbrauch

Aus der Heizlast (Watt) berechnet die Heiz-Tag-Methode den Jahres-Heizenergiebedarf (kWh). Hier das Verfahren mit konkreten Klimadaten 2026.

4 Min. Lesezeit6 Abschnitte·Xpora-Redaktion · geprüft 2026

Konzept Gradtagzahl#

Die Heiz-Tag-Methode (auch: Gradtagzahl-Methode oder GTZ-Methode) ist ein vereinfachtes Verfahren zur Schätzung des Jahres-Heizenergiebedarfs. Konzept: Statt für jeden Tag im Jahr den Heizbedarf einzeln zu berechnen, wird die Summe der Heiz-Tag-Stunden mit der mittleren Heizlast multipliziert. Eine Heizgradstunde ist eine Stunde, in der die Außentemperatur unter der Heizgrenze (typisch 15 °C) liegt, gewichtet mit der Differenz zur Innentemperatur (typisch 20 °C).

Formel: Heiz-Energiebedarf [kWh/Jahr] = Heizlast [kW] × GTZ [Kh/Jahr] / Δθ_Auslegung [K]

GTZ = Gradtagzahl = Summe (θ_i - θ_e) über alle Heizstunden (in Kh, Kelvin × Stunden).

DWD-Klimadatensatz 2024 enthält GTZ-Werte für jede Klimazone. Für Berlin: GTZ = 86.000 Kh/Jahr bei θ_i = 20 °C, Heizgrenze 15 °C. Für Allgäu (kälter): 105.000 Kh/Jahr.

GTZ-Werte für DE#

Praxis-GTZ-Werte 2024 für verschiedene Standorte (in Kh/Jahr bei θ_i = 20 °C, Heizgrenze 15 °C):

Norddeutsche Tiefebene: Hamburg: 78.000 Kh Bremen: 80.000 Kh Kiel: 82.000 Kh

Berlin/Brandenburg: Berlin: 86.000 Kh Potsdam: 87.000 Kh Frankfurt/Oder: 90.000 Kh

NRW Tiefland: Köln: 75.000 Kh Düsseldorf: 76.000 Kh Dortmund: 79.000 Kh Münster: 81.000 Kh

Hessen/Mitte: Frankfurt: 80.000 Kh Kassel: 88.000 Kh Gießen: 86.000 Kh

Baden-Württemberg: Stuttgart: 85.000 Kh Freiburg: 78.000 Kh Konstanz: 84.000 Kh

Bayern: München: 92.000 Kh Nürnberg: 95.000 Kh Garmisch: 110.000 Kh Kempten: 105.000 Kh

Sachsen/Thüringen: Dresden: 90.000 Kh Leipzig: 87.000 Kh Erfurt: 92.000 Kh Chemnitz: 95.000 Kh

Mittelgebirge: 100.000–110.000 Kh Höchstlagen über 1.000 m: 115.000–130.000 Kh

Berechnungs-Beispiel#

Beispiel-Berechnung Jahres-Heizenergiebedarf für 130-m²-EFH in Berlin:

Gegeben: Heizlast Φ_HL = 10 kW (siehe Pillar Heizlast-Berechnung) GTZ Berlin = 86.000 Kh/Jahr Auslegungs-Δθ = 32 K (Innen 20 °C, Auslegung -12 °C)

Formel: Q_Heiz = Φ_HL × GTZ / Δθ_Auslegung = 10 × 86.000 / 32 = 26.875 kWh/Jahr

Davon Trinkwasser-Wärme typisch 3.000 kWh/Jahr für 4-Personen-Haushalt → Gesamt-Wärmebedarf 29.875 kWh.

Mit Wärmepumpe JAZ 4,0: Stromverbrauch = 29.875 / 4 = 7.470 kWh/Jahr. Kosten bei 28 ct/kWh WP-Tarif: 2.090 Euro/Jahr.

Im Vergleich Gas-Heizung mit Wirkungsgrad 95 %: Gas-Verbrauch = 29.875 / 0,95 = 31.450 kWh/Jahr. Kosten bei 12 ct/kWh: 3.774 Euro/Jahr + 250 Euro Wartung = 4.024 Euro.

Wärmepumpen-Vorteil 1.934 Euro/Jahr. Über 20 Jahre 38.700 Euro Ersparnis.

Faktoren bei der Schätzung#

Die Heiz-Tag-Methode liefert eine Schätzung — der reale Verbrauch kann abweichen wegen:

(1) Innen-Heizlast: Personen geben 80 W/Person Wärme ab, Geräte 200–400 W permanent (Computer, TV), Beleuchtung 50–150 W. Zusammen oft 400–800 W = 4–8 % Heizlast-Reduktion.

(2) Solare Gewinne: Süd-Fenster bekommen im Mittel 70–120 W/m² Solarstrahlung in der Heizperiode. Bei 15 m² Süd-Fensterfläche: 1.000–1.800 W reduzierende Wirkung — 10–18 % Heizlast-Reduktion.

(3) Heiz-Verhalten: Eigentümer mit Sparsam-Heizung (18 °C nachts, 19 °C tags) hat 25 % weniger Verbrauch als Eigentümer mit Komfort-Heizung (22 °C konstant).

(4) Lüftungs-Verhalten: Bei häufiger Stosslüftung 5–10 % Mehrverbrauch.

(5) Klima-Schwankungen: Milder Winter -10 % Verbrauch, kalter Winter +15 %.

Daher: Heiz-Tag-Methode-Wert ist Mittel-Schätzung. Realer Verbrauch typisch 70–110 % des berechneten Werts. Wer den Vorjahres-Verbrauch der vorhandenen Heizung kennt, hat den präzisesten Wert.

Volllaststunden ableiten#

Aus dem Jahres-Heizenergiebedarf und der Heizlast lassen sich die Volllaststunden berechnen — die Stunden, die die Wärmepumpe rechnerisch auf Volllast laufen müsste. Wichtig für JAZ-Berechnung und Wirtschaftlichkeit.

Formel: Volllaststunden [h] = Q_Heiz [kWh] / Φ_HL [kW]

Beispiel Berlin EFH 130 m²: Vollllaststunden = 26.875 / 10 = 2.688 h/Jahr.

Deutschlandweit typische Werte: Norddeutschland (mild): 1.800–2.200 h Mittelgebirge: 2.300–2.600 h Berlin/Brandenburg: 2.500–2.800 h München/Bayern: 2.700–3.000 h Mittelgebirge/Allgäu: 3.000–3.500 h Höchstlagen: 3.500–4.000 h

Für Trinkwasser zusätzlich 800–1.200 h/Jahr.

Volllaststunden bestimmen die Verdichter-Lebenserwartung. Bei 80.000 Stunden Verdichter-Lebensdauer: bei 2.500 Volllaststunden/Jahr 32 Jahre Lebensdauer (theoretisch). Praktisch wegen Modulation und Teillast ergibt das ca. 18–22 Jahre Wärmepumpen-Lebensdauer.

Praxis-Anwendung#

Praktische Anwendung der Heiz-Tag-Methode:

(1) Vor WP-Anschaffung: Schätzung der Jahres-Stromkosten zur Wirtschaftlichkeits-Beurteilung. Heizlast aus Heizlast-Berechnung, GTZ aus DWD-Datensatz.

(2) Bei Sanierung: Auswirkung von Dämm-Maßnahmen abschätzen. Pro 10 % Heizlast-Reduktion etwa 10 % weniger Jahres-Heizenergiebedarf.

(3) Bei Heizungs-Tausch: Vergleich verschiedener Heizungs-Optionen über 20 Jahre Lebensdauer. Wärmepumpe vs. Gas-Brennwert vs. Pellet-Heizung mit konkretem Cost-of-Ownership.

(4) Bei BAFA-Verwendungsnachweis: Plausibilitäts-Check des angegebenen Energiebedarfs.

(5) Bei Energieausweis-Erstellung: Einer der Berechnungs-Bausteine — der Energieausweis nach GEG nutzt eine spezielle Form der Methode.

Faustregel-Verfeinerung 2026: Bei JAZ-Schätzung Volllaststunden teilen, weil die WP nicht permanent auf Volllast läuft. Tatsächliche Wärmepumpen-Stunden 4.000–5.500 h/Jahr (Modulation 50–70 %).

Häufige Fragen — Heiz-Tag-Methode für Energieverbrauchs-Schätzung

Was ist die Gradtagzahl?
Summe aller Heizgradstunden eines Jahres in Kh (Kelvin × Stunden). Berlin GTZ 86.000 Kh/Jahr, München 92.000 Kh, Allgäu 105.000 Kh. Aus DWD-Datensatz 2024 abrufbar.
Wie berechne ich den Jahres-Heizbedarf?
Q_Heiz = Heizlast × GTZ / Auslegungs-Δθ. Beispiel Berlin EFH mit 10 kW Heizlast: 10 × 86.000 / 32 = 26.875 kWh/Jahr. Plus Trinkwasser 3.000 kWh.
Wie viel Strom braucht meine Wärmepumpe?
Strom-Verbrauch = Heizenergiebedarf / JAZ. Bei 26.875 + 3.000 = 29.875 kWh Wärmebedarf und JAZ 4: 7.470 kWh Strom. Bei 28 ct/kWh: 2.090 Euro/Jahr.
Wie genau ist die Schätzung?
Mittel-Schätzung. Realer Verbrauch typisch 70–110 % des berechneten Werts. Faktoren: Innen-Heizlast, Sonnen-Gewinne, Heiz-Verhalten, Lüftungs-Verhalten, Klima-Schwankungen.
Wie viele Volllaststunden hat eine Wärmepumpe?
Norddeutschland 1.800–2.200 h, Berlin 2.500–2.800 h, Bayern 2.700–3.000 h, Mittelgebirge 3.000–3.500 h. Plus Trinkwasser 800–1.200 h.

Heizlast-Berechnung mit Energieberater

BAFA-Energieberater erstellt fachgerechte DIN-EN-12831-Berechnung. Investition förderfähig durch iSFP-Bonus.