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Heizlast

Transmissions-Wärmeverlust: Berechnung Schritt für Schritt

Der Transmissions-Wärmeverlust ist 70–90 % der Gesamt-Heizlast. Hier sehen Sie die Berechnungs-Schritte mit konkreten Praxis-Beispielen.

5 Min. Lesezeit6 Abschnitte·Xpora-Redaktion · geprüft 2026

Berechnungs-Methodik#

Der Transmissions-Wärmeverlust Φ_T entsteht durch Wärmeleitung durch alle Außenflächen des Gebäudes. Berechnung nach DIN EN 12831:

Φ_T = (Σ U_i × A_i × f_i + ΔU_WB × A_gesamt) × (θ_innen - θ_außen)

wobei: U_i = U-Wert des Bauteils i in W/m²K A_i = Fläche des Bauteils in m² f_i = Temperatur-Korrekturfaktor (1 bei direkt nach außen, 0,5 bei zu unbeheiztem Keller, 0,7 bei beheizten Nachbarräumen) ΔU_WB = Wärmebrücken-Pauschal-Zuschlag (0,03–0,10 W/m²K) A_gesamt = Gesamt-Hüllen-Fläche θ_innen, θ_außen = Innen-/Außentemperatur in °C

Beispiel-Rechnung 130-m²-EFH: - Außenwand 200 m² × 0,9 W/m²K × 1,0 = 180 W/K - Dach 130 m² × 0,4 W/m²K × 1,0 = 52 W/K - Fenster 35 m² × 1,5 W/m²K × 1,0 = 52,5 W/K - Boden gegen Keller 130 m² × 0,5 W/m²K × 0,5 = 32,5 W/K - Wärmebrücken 495 m² × 0,1 W/m²K = 49,5 W/K Σ = 366,5 W/K

Bei Δθ = 30 K (Innen 20 °C, außen -10 °C): Φ_T = 366,5 × 30 = 11,0 kW.

Temperatur-Korrekturfaktoren#

Nicht alle Außenflächen grenzen direkt an die Außenluft. Korrekturfaktoren f_i nach DIN EN 12831:

Direkt an Außenluft (Wand außen, Dach, Fenster zu außen): f = 1,0 Gegen unbeheizten Keller: f = 0,5–0,6 Gegen unbeheizten Dachraum: f = 0,9–1,0 Gegen Erdreich (Bodenfläche, Kellerwand): f = 0,3–0,5 (durch Erd-Temperatur-Ausgleich) Gegen Treppenhaus (im MFH): f = 0,5–0,7 Gegen Nachbar-Wohnung im MFH (allseitig beheizt): f = 0,1–0,2 (kaum Wärmeverlust)

Beispiel: 100-m²-Boden gegen unbeheizten Keller mit U-Wert 0,5 W/m²K bei f = 0,5: Wärmeverlust = 100 × 0,5 × 0,5 = 25 W/K Bei 30 K Differenz: 750 W permanent.

Wenn Keller später als Hobby-Raum beheizt würde: f = 0,1 (geringer Verlust). Wenn Keller-Decke gedämmt wird: U-Wert sinkt auf 0,2 → 10 W/K. Wenn beides: 4 W/K. Faktor-10-Reduktion.

Wärmebrücken-Berücksichtigung#

Wärmebrücken sind Schwachstellen der Gebäudehülle (siehe auch Pillar U-Werte). In der Heizlast werden sie durch Pauschal-Zuschlag berücksichtigt:

(1) Bestand ohne Detail-Berechnung: ΔU_WB = +0,10 W/m²K auf alle Bauteile.

(2) Bestand mit nachgewiesenen optimierten Anschlussdetails: ΔU_WB = +0,05 W/m²K.

(3) Neubau mit standardgerechter Wärmebrücken-Optimierung: ΔU_WB = +0,03 W/m²K.

(4) Passivhaus mit konsequenter Wärmebrücken-Vermeidung: ΔU_WB = +0,01 W/m²K oder Detail-Berechnung mit Ψ-Wert (Längenwärmedurchgangskoeffizient).

Konkrete Auswirkung 130-m²-EFH mit 495 m² Hülle

  • Standard ΔU = 0,10: Wärmebrücken-Anteil 49,5 W/K = 1,5 kW bei 30 K
  • Detail ΔU = 0,05: 24,8 W/K = 0,7 kW
  • KfW-55-Standard ΔU = 0,03: 14,8 W/K = 0,4 kW

Unterschied 1,1 kW zwischen schlecht und gut optimiertem Detail-Aufbau — ca. 11 % der Gesamt-Heizlast.

Bauteil-Anteile am Gesamt-Verlust#

Typische Verteilung des Transmissions-Wärmeverlusts auf Bauteile (130-m²-EFH 1990er):

Außenwand: 35–45 % (große Fläche, mittlerer U-Wert) Fenster: 20–30 % (kleine Fläche, sehr hoher U-Wert) Dach: 15–25 % (große Fläche, mittlerer U-Wert) Boden: 5–15 % (großer Korrekturfaktor) Wärmebrücken: 5–15 % (Pauschal-Zuschlag)

Diese Verteilung zeigt die Optimierungs-Prioritäten:

(1) Außenwand-Dämmung mit WDVS reduziert 35 % der Heizlast um 70 % → 24 % Reduktion.

(2) Fenster-Tausch reduziert 25 % der Heizlast um 80 % → 20 % Reduktion.

(3) Dach-Dämmung reduziert 20 % um 75 % → 15 % Reduktion.

(4) Kellerdecke-Dämmung reduziert 10 % um 60 % → 6 % Reduktion.

Alle 4 Maßnahmen zusammen: 65 % Heizlast-Reduktion. Aus 9 kW wird 3,2 kW. Dann passt die WP zur Sanierung. Reihenfolge der Sanierung: erst Hülle, dann Heizung — sonst Heizung überdimensioniert.

Detail-Berechnungs-Software#

Für DIN-EN-12831-Berechnung verwendet der Energieberater Software:

(1) Solid (Hottgenroth Software): Marktführer in DE, ca. 1.500 Euro/Lizenz/Jahr für Profis. Enthält DIN-EN-12831, EnEV-Berechnung, Sanierungs-Empfehlungen.

(2) ETU-Energiekonzept (ETU): ca. 2.000 Euro/Lizenz/Jahr. Schwerpunkt iSFP-Erstellung.

(3) ZUB Helena: Studenten-/Hochschul-Edition kostenfrei, Profi 1.200 Euro/Jahr. Wissenschaftlich, weniger Bedien-Komfort.

(4) EBT-Kompakt: kostenfreie Excel-Vorlage des Energieberater-Verbands, einfach für überschlägige Berechnung.

(5) Online-Tools (z. B. Heizlast-Schnell-Rechner unter ubakus.de): kostenfrei, reduziert auf Wesentliches, ungenauer als Profi-Software.

Für WP-Auslegung mind. semi-professionelle Berechnung nötig — Faustregeln zu ungenau. Energieberater-Beauftragung 800–1.500 Euro für komplette Heizlast-Berechnung mit Sanierungs-Empfehlungen, durch BAFA-iSFP-Bonus 65 % förderfähig.

Praxis-Berechnung Schritt für Schritt#

Einfache Schritt-für-Schritt-Berechnung für ein 130-m²-EFH:

Schritt 1: Bauteile aufnehmen (m²-Flächen)

  • Außenwand: 200 m² (Annahme: 25 m Umfang × 8 m Höhe abzüglich Fenster-Fläche)
  • Dach: 130 m² (entspricht Grundriss, Steildach mit Verhältnis 1:1)
  • Fenster: 35 m² (Flächen-Anteil 20 % der Wohnfläche im EFH typisch)
  • Boden gegen Keller: 130 m²

Schritt 2: U-Werte je Bauteil (anhand Baujahr aus Pillar U-Werte): Baujahr 1990er: Wand 0,9, Dach 0,4, Fenster 1,5, Boden 0,5

Schritt 3: Wärmeverluste je Bauteil bei Δθ = 30 K (Innen 20°, außen -10°)

  • Wand: 200 × 0,9 × 30 = 5.400 W
  • Dach: 130 × 0,4 × 30 = 1.560 W
  • Fenster: 35 × 1,5 × 30 = 1.575 W
  • Boden: 130 × 0,5 × 0,5 × 30 = 975 W (mit f = 0,5)

Schritt 4: Wärmebrücken-Pauschal: 495 m² × 0,1 × 30 = 1.485 W

Schritt 5: Summe Transmissions-Verlust: 5.400 + 1.560 + 1.575 + 975 + 1.485 = 10.995 W ≈ 11 kW.

Plus Lüftungs-Verlust 1,7 kW (siehe Pillar Lüftung) → Gesamt-Heizlast 12,7 kW.

Praxis-Korrektur: Innenheizlasten (Personen, Geräte) 200–400 W → effektive Heizlast 12,3 kW. WP-Auslegung 12 kW Heizleistung passt. Bei kompletter Sanierung Reduktion auf etwa 5 kW möglich.

Häufige Fragen — Transmissions-Wärmeverlust einer Heizlast

Wie groß ist der Transmissions-Wärmeverlust?
70–90 % der Gesamt-Heizlast. Hauptbestandteil: Außenwand 35–45 %, Fenster 20–30 %, Dach 15–25 %, Boden 5–15 %, Wärmebrücken 5–15 %.
Wie wird er berechnet?
Φ_T = Σ U×A×f × Δθ. Pro Bauteil: U-Wert (W/m²K) × Fläche (m²) × Korrekturfaktor × Temperatur-Differenz (K). Plus Wärmebrücken-Pauschal +0,03 bis +0,10 W/m²K.
Was sind Korrekturfaktoren?
Berücksichtigen, dass nicht alle Flächen direkt an Außenluft grenzen. Direkt außen f=1, gegen Keller f=0,5, gegen Erdreich f=0,3-0,5. Reduzieren rechnerischen Wärmeverlust.
Welches Bauteil bringt am meisten Sanierungs-Effekt?
Außenwand-Dämmung (35-45% der Heizlast, 70% Reduktion möglich). Fenster-Tausch (25%, 80% Reduktion). Dach (20%, 75% Reduktion). Reihenfolge: erst Hülle, dann Heizung.
Welche Software wird genutzt?
Solid (Hottgenroth, ca. 1.500 Euro/Jahr), ETU-Energiekonzept (2.000 Euro), ZUB Helena (1.200 Euro), kostenfreie Online-Tools wie ubakus.de. Profi-Berechnung beim Energieberater 800-1.500 Euro.

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