Mindest-Innentemperaturen: Werte nach DIN
Die Innentemperatur-Vorgaben der DIN bestimmen die Heizlast pro Raum. Hier sehen Sie die Werte und ihren Einfluss auf die Wärmepumpen-Auslegung.
DIN-Werte je Raum-Typ#
Nach DIN EN 12831 (Anhang B) gelten folgende Mindest-Innentemperaturen:
Wohnzimmer, Esszimmer: 20 °C Küche: 20 °C (mit Grundausstattung) oder 19 °C (mit Aktivitätswärme) Schlafzimmer: 18 °C (Erwachsene) oder 20 °C (Kinder, Senioren) Badezimmer mit Wanne/Dusche: 24 °C Badezimmer ohne Wanne (Gäste-WC): 20 °C Flure: 18 °C Treppenhaus (beheizt): 15 °C Keller (beheizt): 15 °C Keller (unbeheizt): 5–8 °C Büro im Eigenheim: 20 °C Werkstatt/Hobby-Raum: 15 °C
Für die Heizlast-Berechnung wird raumweise mit diesen Werten gerechnet — nicht pauschal mit 20 °C für das ganze Haus. Das macht die Berechnung präziser, weil ein Bad mit 24 °C einen deutlich höheren Heizbedarf pro m² hat als ein Schlafzimmer mit 18 °C.
Höhere Innentemperaturen — Sonderfälle#
Bei Sonderanforderungen können höhere Innentemperaturen gewählt werden:
(1) Senioren-Haushalt: 22 °C in allen Wohnräumen statt 20 °C, 26 °C im Bad statt 24 °C. Heizlast steigt um 5–10 %.
(2) Kinder-Haushalt: ähnlich wie Senioren in Schlafzimmern und Bädern.
(3) Personen mit Erkrankung (z. B. Rheuma, Asthma): individuelle Erhöhung um 1–2 K. Mit ärztlichem Attest in Krankenkassen-Anträgen begründbar.
(4) Tropisches Aquarium oder Reptilien-Terrarium im Wohnraum: Raum-Temperatur bis 26 °C nötig.
(5) Hochwertige Holzbau-Substanz (z. B. Antiquitäten, Klavier): konstante 21–22 °C ohne Schwankung empfohlen.
Für die Wärmepumpen-Auslegung wichtig: Bei höheren Innentemperaturen steigt die Vorlauftemperatur (FBH bei 22 °C-Raum statt 20 °C: 4 °C höhere Vorlauf nötig), was die JAZ um 10 % senkt. Praxis: bei Standard-Auslegung 20 °C Soll planen, bei Bedarf Heizkurve nachjustieren.
Niedrigere Innentemperaturen — Spar-Modus#
Reduzierung der Innentemperatur als Spar-Maßnahme:
Faustregel: 1 K weniger Innentemperatur spart ca. 6 % Heizenergie. Bei 20 → 18 °C also 12 % Ersparnis.
Bei einem 130-m²-EFH mit 27.000 kWh Heizenergiebedarf: 12 % = 3.240 kWh. Mit JAZ 4 sind das 810 kWh Strom oder 230 Euro/Jahr.
Komfort-Grenzen
- Wohnzimmer unter 19 °C: empfindliche Personen frieren
- Bad unter 22 °C: unangenehm beim Duschen
- Schlafzimmer 16–18 °C optimal für Schlaf
- Räume unter 15 °C: Schimmel-Risiko bei ungelüfteten Ecken
Nacht-Absenkung: 2 K Reduktion (20 → 18 °C) für 8 h ist Standard. Spart ca. 5 % Jahresenergie. Bei Wärmepumpen aber mit Vorsicht — siehe Pillar 'Heizkurve-Optimierung': zu starke Absenkung führt zu morgendlichem Hochheizen mit hoher Vorlauftemperatur, JAZ-Verlust.
GEG-konform sind alle Werte über 18 °C. Unter 18 °C im Hauptwohnbereich ist energetisch sparsam, aber für viele Eigentümer komfort-grenzwertig.
Raum-spezifische Heizlast#
Die Heizlast wird raumweise berechnet — bei verschiedenen Soll-Temperaturen ergeben sich unterschiedliche Werte:
Beispiel-Räume in 130-m²-EFH:
Wohnzimmer 30 m², 2 Außenwände, 2 Süd-Fenster 6 m²: U-Werte 1990er: Wand 0,9, Fenster 1,5 Wandfläche zu außen 25 m² Wärmeverluste bei Δθ = 30 K (20 °C - (-10) °C): Wand: 25 × 0,9 × 30 = 675 W Fenster: 6 × 1,5 × 30 = 270 W Dach (anteilig): 30 × 0,4 × 30 = 360 W Gesamt 1.305 W
Bad 8 m², 1 Außenwand, 1 Fenster 1 m², Wassersoll 24 °C, Δθ = 34 K: Wand 5 m² × 0,9 × 34 = 153 W Fenster 1 × 1,5 × 34 = 51 W Dach 8 × 0,4 × 34 = 109 W Gesamt 313 W
Beachte: Bad braucht pro m² mehr als Wohnzimmer (313/8 = 39 W/m² vs. 1.305/30 = 44 W/m²) — überraschend ähnlich, weil Wohnzimmer mehr Außenfläche pro m² hat. Bei kleinen Bad mit nur einer Außenwand kann das pro-m²-Heizlast niedriger sein als bei großem Wohnzimmer.
Raum-Aggregation: alle Räume summiert ergibt die Gesamt-Heizlast für die WP-Auslegung.
Innen-Wärmequellen#
DIN EN 12831 berücksichtigt keine Innen-Wärmequellen — die Heizlast ist die maximale Wärmemenge zur Beheizung. Innen-Wärmequellen reduzieren den tatsächlichen Heizbedarf:
Personen: 80 W pro erwachsene Person bei normaler Aktivität (sitzend), 130 W bei Bewegung. 4-Personen-Haushalt: 320 W permanent während Anwesenheit.
Geräte: Kühlschrank (modernes Modell): 50 W Gefriertruhe: 80 W Fernseher LED: 100 W (im Betrieb) Computer-Arbeitsplatz: 200–400 W Kochherd: 1.500 W (kurzzeitig) Waschmaschine: 100–500 W (variabel) Geschirrspüler: 100–800 W (variabel) Beleuchtung LED: 5–20 W pro Lampe
Gesamt-Innen-Wärmequellen 4-Personen-Haushalt: 400–800 W permanent, 1.500–2.500 W bei voller Familien-Aktivität (Kochen, alle zuhause). Über 24 h gemittelt: ca. 500 W.
Bei Heizlast 10 kW reduziert das den effektiven Bedarf um 5 %. Bei kleinem KfW-55-Haus mit 4 kW Heizlast aber 12,5 % — relativ höher.
Sonnen-Gewinne#
Solar-Gewinne durch Süd-Fenster reduzieren den Heizbedarf zusätzlich. Berechnung:
Spezifische Solar-Strahlung in DE-Heizperiode (Oktober-April): Nord-Fenster: 30 W/m² Mittel Ost-/West-Fenster: 60 W/m² Mittel Süd-Fenster: 90 W/m² Mittel Dach-Fenster Süd: 120 W/m² Mittel
Bei 15 m² Süd-Fenster: 1.350 W permanent in der Heizperiode-Mittel. Tagsüber bei Sonne deutlich mehr (bis 4.000 W), nachts 0.
Durch Sonnen-Gewinne wird Heizlast reduziert um durchschnittlich 5–15 %, je nach Süd-Fenster-Anteil und Verschattung. In Passivhäusern werden Sonnen-Gewinne aktiv geplant — Süd-Fenster-Anteil 30–40 % statt der üblichen 15–20 %, mit Verschattung im Sommer.
Für WP-Auslegung 2026: Innen-Wärmequellen + Sonnen-Gewinne in der Auslegung NICHT subtrahieren — das ist die Sicherheits-Reserve. Real-Verbrauch ist meist 10–20 % unter dem berechneten Wert. Diese Reserve gibt Komfort-Polster bei extremen Wetter-Tagen.
Häufige Fragen — Mindest-Innentemperaturen nach DIN
Welche Innentemperatur gilt für welchen Raum?▾
Was bringt 1 K weniger Heizen?▾
Werden Innen-Wärmequellen berücksichtigt?▾
Wie wirken Sonnen-Gewinne?▾
Soll ich höhere Innentemperaturen wählen?▾
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