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Heizlast

Mindest-Innentemperaturen: Werte nach DIN

Die Innentemperatur-Vorgaben der DIN bestimmen die Heizlast pro Raum. Hier sehen Sie die Werte und ihren Einfluss auf die Wärmepumpen-Auslegung.

5 Min. Lesezeit6 Abschnitte·Xpora-Redaktion · geprüft 2026

DIN-Werte je Raum-Typ#

Nach DIN EN 12831 (Anhang B) gelten folgende Mindest-Innentemperaturen:

Wohnzimmer, Esszimmer: 20 °C Küche: 20 °C (mit Grundausstattung) oder 19 °C (mit Aktivitätswärme) Schlafzimmer: 18 °C (Erwachsene) oder 20 °C (Kinder, Senioren) Badezimmer mit Wanne/Dusche: 24 °C Badezimmer ohne Wanne (Gäste-WC): 20 °C Flure: 18 °C Treppenhaus (beheizt): 15 °C Keller (beheizt): 15 °C Keller (unbeheizt): 5–8 °C Büro im Eigenheim: 20 °C Werkstatt/Hobby-Raum: 15 °C

Für die Heizlast-Berechnung wird raumweise mit diesen Werten gerechnet — nicht pauschal mit 20 °C für das ganze Haus. Das macht die Berechnung präziser, weil ein Bad mit 24 °C einen deutlich höheren Heizbedarf pro m² hat als ein Schlafzimmer mit 18 °C.

Höhere Innentemperaturen — Sonderfälle#

Bei Sonderanforderungen können höhere Innentemperaturen gewählt werden:

(1) Senioren-Haushalt: 22 °C in allen Wohnräumen statt 20 °C, 26 °C im Bad statt 24 °C. Heizlast steigt um 5–10 %.

(2) Kinder-Haushalt: ähnlich wie Senioren in Schlafzimmern und Bädern.

(3) Personen mit Erkrankung (z. B. Rheuma, Asthma): individuelle Erhöhung um 1–2 K. Mit ärztlichem Attest in Krankenkassen-Anträgen begründbar.

(4) Tropisches Aquarium oder Reptilien-Terrarium im Wohnraum: Raum-Temperatur bis 26 °C nötig.

(5) Hochwertige Holzbau-Substanz (z. B. Antiquitäten, Klavier): konstante 21–22 °C ohne Schwankung empfohlen.

Für die Wärmepumpen-Auslegung wichtig: Bei höheren Innentemperaturen steigt die Vorlauftemperatur (FBH bei 22 °C-Raum statt 20 °C: 4 °C höhere Vorlauf nötig), was die JAZ um 10 % senkt. Praxis: bei Standard-Auslegung 20 °C Soll planen, bei Bedarf Heizkurve nachjustieren.

Niedrigere Innentemperaturen — Spar-Modus#

Reduzierung der Innentemperatur als Spar-Maßnahme:

Faustregel: 1 K weniger Innentemperatur spart ca. 6 % Heizenergie. Bei 20 → 18 °C also 12 % Ersparnis.

Bei einem 130-m²-EFH mit 27.000 kWh Heizenergiebedarf: 12 % = 3.240 kWh. Mit JAZ 4 sind das 810 kWh Strom oder 230 Euro/Jahr.

Komfort-Grenzen

  • Wohnzimmer unter 19 °C: empfindliche Personen frieren
  • Bad unter 22 °C: unangenehm beim Duschen
  • Schlafzimmer 16–18 °C optimal für Schlaf
  • Räume unter 15 °C: Schimmel-Risiko bei ungelüfteten Ecken

Nacht-Absenkung: 2 K Reduktion (20 → 18 °C) für 8 h ist Standard. Spart ca. 5 % Jahresenergie. Bei Wärmepumpen aber mit Vorsicht — siehe Pillar 'Heizkurve-Optimierung': zu starke Absenkung führt zu morgendlichem Hochheizen mit hoher Vorlauftemperatur, JAZ-Verlust.

GEG-konform sind alle Werte über 18 °C. Unter 18 °C im Hauptwohnbereich ist energetisch sparsam, aber für viele Eigentümer komfort-grenzwertig.

Raum-spezifische Heizlast#

Die Heizlast wird raumweise berechnet — bei verschiedenen Soll-Temperaturen ergeben sich unterschiedliche Werte:

Beispiel-Räume in 130-m²-EFH:

Wohnzimmer 30 m², 2 Außenwände, 2 Süd-Fenster 6 m²: U-Werte 1990er: Wand 0,9, Fenster 1,5 Wandfläche zu außen 25 m² Wärmeverluste bei Δθ = 30 K (20 °C - (-10) °C): Wand: 25 × 0,9 × 30 = 675 W Fenster: 6 × 1,5 × 30 = 270 W Dach (anteilig): 30 × 0,4 × 30 = 360 W Gesamt 1.305 W

Bad 8 m², 1 Außenwand, 1 Fenster 1 m², Wassersoll 24 °C, Δθ = 34 K: Wand 5 m² × 0,9 × 34 = 153 W Fenster 1 × 1,5 × 34 = 51 W Dach 8 × 0,4 × 34 = 109 W Gesamt 313 W

Beachte: Bad braucht pro m² mehr als Wohnzimmer (313/8 = 39 W/m² vs. 1.305/30 = 44 W/m²) — überraschend ähnlich, weil Wohnzimmer mehr Außenfläche pro m² hat. Bei kleinen Bad mit nur einer Außenwand kann das pro-m²-Heizlast niedriger sein als bei großem Wohnzimmer.

Raum-Aggregation: alle Räume summiert ergibt die Gesamt-Heizlast für die WP-Auslegung.

Innen-Wärmequellen#

DIN EN 12831 berücksichtigt keine Innen-Wärmequellen — die Heizlast ist die maximale Wärmemenge zur Beheizung. Innen-Wärmequellen reduzieren den tatsächlichen Heizbedarf:

Personen: 80 W pro erwachsene Person bei normaler Aktivität (sitzend), 130 W bei Bewegung. 4-Personen-Haushalt: 320 W permanent während Anwesenheit.

Geräte: Kühlschrank (modernes Modell): 50 W Gefriertruhe: 80 W Fernseher LED: 100 W (im Betrieb) Computer-Arbeitsplatz: 200–400 W Kochherd: 1.500 W (kurzzeitig) Waschmaschine: 100–500 W (variabel) Geschirrspüler: 100–800 W (variabel) Beleuchtung LED: 5–20 W pro Lampe

Gesamt-Innen-Wärmequellen 4-Personen-Haushalt: 400–800 W permanent, 1.500–2.500 W bei voller Familien-Aktivität (Kochen, alle zuhause). Über 24 h gemittelt: ca. 500 W.

Bei Heizlast 10 kW reduziert das den effektiven Bedarf um 5 %. Bei kleinem KfW-55-Haus mit 4 kW Heizlast aber 12,5 % — relativ höher.

Sonnen-Gewinne#

Solar-Gewinne durch Süd-Fenster reduzieren den Heizbedarf zusätzlich. Berechnung:

Spezifische Solar-Strahlung in DE-Heizperiode (Oktober-April): Nord-Fenster: 30 W/m² Mittel Ost-/West-Fenster: 60 W/m² Mittel Süd-Fenster: 90 W/m² Mittel Dach-Fenster Süd: 120 W/m² Mittel

Bei 15 m² Süd-Fenster: 1.350 W permanent in der Heizperiode-Mittel. Tagsüber bei Sonne deutlich mehr (bis 4.000 W), nachts 0.

Durch Sonnen-Gewinne wird Heizlast reduziert um durchschnittlich 5–15 %, je nach Süd-Fenster-Anteil und Verschattung. In Passivhäusern werden Sonnen-Gewinne aktiv geplant — Süd-Fenster-Anteil 30–40 % statt der üblichen 15–20 %, mit Verschattung im Sommer.

Für WP-Auslegung 2026: Innen-Wärmequellen + Sonnen-Gewinne in der Auslegung NICHT subtrahieren — das ist die Sicherheits-Reserve. Real-Verbrauch ist meist 10–20 % unter dem berechneten Wert. Diese Reserve gibt Komfort-Polster bei extremen Wetter-Tagen.

Häufige Fragen — Mindest-Innentemperaturen nach DIN

Welche Innentemperatur gilt für welchen Raum?
Wohnzimmer 20°C, Schlafzimmer 18°C, Bad 24°C, Flur 18°C, Küche 19-20°C, Treppenhaus 15°C, Werkstatt 15°C. Nach DIN EN 12831 Anhang B.
Was bringt 1 K weniger Heizen?
Etwa 6 % Heizenergie-Ersparnis. Bei 20 → 18 °C: 12 % = ca. 230 Euro/Jahr bei mittlerem EFH. Komfort-Grenze in Wohnräumen ca. 19 °C.
Werden Innen-Wärmequellen berücksichtigt?
In der Heizlast-Berechnung nach DIN nein. Real reduzieren sie aber den Verbrauch um 5-10%. Personen 80 W/Stk, Geräte 400-800 W gemittelt im 4-Personen-Haushalt.
Wie wirken Sonnen-Gewinne?
Reduzieren den Heizbedarf um 5-15% je Süd-Fenster-Anteil. Süd-Fenster bekommen 90 W/m² Mittel in Heizperiode, Nord 30 W/m², Ost/West 60 W/m².
Soll ich höhere Innentemperaturen wählen?
Bei Senioren oder Kinder ggf. ja. Heizlast steigt um 5-10%. Bei Standard-Auslegung 20°C planen, später Heizkurve nachjustieren ist flexibler.

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