Eignungs-Check — passt eine Wärmepumpe zu Ihrem Haus?
Nicht jedes Haus ist gleich gut für eine Wärmepumpe geeignet. Hier die 5 wichtigsten Eignungs-Faktoren — von der Vorlauftemperatur über die Gebäudehülle bis zum Stromanschluss.
Faktor 1: Aktuelle Vorlauftemperatur
Der wichtigste Eignungs-Faktor. Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur. Bei 35 °C (Fußbodenheizung): JAZ 4,0-4,5, exzellent geeignet. Bei 50 °C (gut dimensionierte Heizkörper): JAZ 3,0-3,5, gut geeignet. Bei 65 °C (kleine Heizkörper Altbau): JAZ 2,5-2,8, Hochtemperatur-WP nötig. Bei über 70 °C: WP nicht mehr wirtschaftlich, vorher Heizflächen anpassen oder Hülle dämmen. Praktisch: Aktuelle Vorlauftemperatur an der Heizung ablesen oder den Heizungsbauer fragen. Eigene Tests: Heizung im Winter auf 50 °C einstellen — bleiben Räume warm? Wenn ja: WP-geeignet. Wenn nein: Sanierung erforderlich.
Faktor 2: Heizflächen-Dimensionierung
Heizkörper müssen ausreichend groß sein, um auch mit niedriger Vorlauftemperatur ausreichend Wärme abzugeben. Faustregel: Plattenheizkörper Typ 22 oder 33 in Standard-Höhe (60 cm) sind meist ausreichend für 50-55 °C Vorlauf. Klassische Gliederheizkörper aus den 1960er-1970er Jahren oft zu klein. Fußbodenheizung: ideal, niedrige Vorlauftemperatur 30-40 °C möglich. Bei zu kleinen Heizkörpern: Tausch gegen größere Modelle oder Niedertemperatur-Heizkörper, BAFA-förderfähig im Rahmen der WP-Maßnahme. Kosten Heizkörper-Tausch in einem 6-Zimmer-EFH: 4.000-8.000 € (förderfähig bis 30 % BAFA).
Faktor 3: Gebäudehülle und Sanierungs-Stand
Wärmepumpe lohnt sich umso mehr, je besser gedämmt das Gebäude ist. Indikator: Heizkosten-Verbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche. Unter 100 kWh/m²/Jahr: gut gedämmt, WP wirtschaftlich. 100-180 kWh/m²: mittlerer Sanierungs-Stand, WP geht, Hülle ggf. parallel verbessern. Über 180 kWh/m²: Sanierungsstau, WP-Effizienz reduziert, vor WP-Investition Hülle dämmen oder Hochtemperatur-WP einsetzen. Praktisch: Heizkosten-Abrechnung der letzten 3 Jahre teilen durch Wohnfläche und Heizöl-/Gas-Heizwert (10 kWh/Liter Öl bzw. 10 kWh/m³ Erdgas).
Faktor 4: Stromanschluss und Aufstellort
Eine Wärmepumpe braucht einen ausreichenden Stromanschluss — typisch 3-phasig 16-32 A. Bei alten Häusern mit nur einphasiger Versorgung: Anschluss-Verstärkung beim Netzbetreiber beantragen, Kosten 1.500-3.500 €. Aufstellort Außeneinheit: 1-2 m² Stellfläche im Garten, Innenhof oder auf dem Flachdach. Mindestabstand zu Nachbargrenzen für TA-Lärm-Konformität (typisch 3 m, je nach Modell und Schallschutz). Bei Innenaufstellung: 2-3 m² Heiztechnik-Raum mit Lüftungs-Anschluss nach außen. Wichtig: Vor Auftragsvergabe Aufstellort mit Heizungsbauer besprechen — bei Genehmigungs-Problemen entstehen sonst Folgekosten.
Faktor 5: Bewohner-Verhalten und Anwendungs-Kontext
Wärmepumpen funktionieren am besten mit gleichmäßiger, moderater Heiznutzung. Schlechte Eignung bei: Wohnungen mit häufigem Komfort-Heiz-Spitzen (sehr unterschiedliche Temperaturen tags/nachts), sehr großen Heizflächen-Räumen mit kurzen Aufheiz-Zeiten (z.B. Wintergärten). Gute Eignung: Standard-Wohnnutzung mit kontinuierlicher Heizung, gut gedämmte Räume, Tages-Anwesenheit. Wer nicht sicher ist: WP-Eignungs-Beratung über Verbraucherzentrale (~50 € Vor-Ort-Termin) oder BAFA-zugelassenen Energieberater (200-800 €). Lohnt sich vor jedem Wärmepumpen-Vorhaben.
Häufige Fragen
Wie messe ich meine aktuelle Vorlauftemperatur?▾
Was, wenn meine Heizkörper zu klein sind?▾
Wer macht den Eignungs-Check für mich?▾
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