Primärenergiefaktor Strom — die unsichtbare Kennzahl
Der Primärenergiefaktor (PE-Faktor) ist eine technische Kennzahl, die den Strom aufwertet oder abwertet je nach Erzeugungsart. Für Wärmepumpen-Eigentümer wichtig: Der PE-Faktor entscheidet über Effizienzhaus-Standards und ist im Energieausweis sichtbar.
Was ist der Primärenergiefaktor?#
Der Primärenergiefaktor (PE-Faktor) gibt an, wie viel Primärenergie (z.B. Kohle, Erdgas, Wasserkraft) aufgewendet werden musste, um eine bestimmte Endenergie (z.B. Strom in der Steckdose) bereitzustellen. Beispiele: Erdgas hat PE-Faktor 1,1 (geringer Verlust durch Förderung und Transport), Heizöl 1,1, Strom in Deutschland aktuell 1,8 (mit zunehmendem erneuerbaren Anteil sinkend). Die Bedeutung: Eine WP mit JAZ 4,0 verbraucht 1 kWh Strom für 4 kWh Wärme. Mit PE-Faktor 1,8 entspricht das einem Primärenergie-Aufwand von 1,8 / 4 = 0,45 kWh Primärenergie pro kWh Wärme — sehr effizient.
Aktuelle PE-Faktoren in Deutschland#
Stand 2024 nach EnEV-Anhang: Erdgas 1,1, Heizöl 1,1, Steinkohle 1,1, Braunkohle 1,2, Strom 1,8 (sinkend), Holz 1,2, Biomasse 1,1, Solarthermie 0,0, Umweltwärme (Luft, Erde, Grundwasser) 0,0. Wichtig: Mit dem zunehmenden erneuerbaren Anteil im Strommix sinkt der PE-Faktor Strom kontinuierlich. Prognose: 2030 etwa 1,5, 2040 etwa 1,2. Das macht Wärmepumpen primärenergetisch immer überlegener gegenüber fossilen Heizungen — ein wichtiger Aspekt für die langfristige Effizienzhaus-Bewertung.
Auswirkungen auf den Energieausweis#
Im Energieausweis (Bedarfsausweis) werden zwei zentrale Werte ausgewiesen: 1) Endenergie-Bedarf — die tatsächlich vom Gebäude verbrauchte Energie (Strom, Gas etc.) pro m² und Jahr. 2) Primärenergie-Bedarf — die mit PE-Faktor multiplizierte Endenergie. Der Primärenergie-Bedarf entscheidet über die Effizienzhaus-Klasse (EH 40, EH 55 etc.). Konsequenz: Eine Wärmepumpe verbessert den Primärenergie-Bedarf deutlich gegenüber Gas-Brennwertkessel — selbst wenn der Endenergie-Bedarf (Strom-kWh) ähnlich hoch ist wie der Gas-Verbrauch wäre.
Praxis-Auswirkung auf KfW-Förderung#
Bei KfW-Effizienzhaus-Förderung ist der Primärenergie-Bedarf die entscheidende Bemessungsgröße: KfW EH 55 erfordert max. 55 % des Primärenergie-Bedarfs eines Referenz-Neubaus. KfW EH 40 max. 40 %. Mit Wärmepumpe ist EH 40 oder EH 40 Plus oft erreichbar, was bei Brennstoff-basierten Heizungen sehr aufwändig wäre. Faktisch: Die Wärmepumpe ist physikalisch effizient (JAZ 4,0+) UND energetisch optimal (PE-Faktor Strom mit Wärmepumpen-Multiplikator 0,4-0,5). Diese Doppel-Effizienz macht sie zur ersten Wahl für KfW-Komplettsanierungen.
Häufige Fragen
Wo steht der PE-Faktor in meinem Energieausweis?▾
Sinkt der PE-Faktor Strom wirklich?▾
Warum wird Strom 'aufgewertet' und Erdgas nicht?▾
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