Startseite/Ratgeber/Primärenergiefaktor Strom verstehen
Energie-Bilanz

Primärenergiefaktor Strom — die unsichtbare Kennzahl

Der Primärenergiefaktor (PE-Faktor) ist eine technische Kennzahl, die den Strom aufwertet oder abwertet je nach Erzeugungsart. Für Wärmepumpen-Eigentümer wichtig: Der PE-Faktor entscheidet über Effizienzhaus-Standards und ist im Energieausweis sichtbar.

2 Min. Lesezeit4 Abschnitte·Xpora-Redaktion · geprüft 2026

Was ist der Primärenergiefaktor?#

Der Primärenergiefaktor (PE-Faktor) gibt an, wie viel Primärenergie (z.B. Kohle, Erdgas, Wasserkraft) aufgewendet werden musste, um eine bestimmte Endenergie (z.B. Strom in der Steckdose) bereitzustellen. Beispiele: Erdgas hat PE-Faktor 1,1 (geringer Verlust durch Förderung und Transport), Heizöl 1,1, Strom in Deutschland aktuell 1,8 (mit zunehmendem erneuerbaren Anteil sinkend). Die Bedeutung: Eine WP mit JAZ 4,0 verbraucht 1 kWh Strom für 4 kWh Wärme. Mit PE-Faktor 1,8 entspricht das einem Primärenergie-Aufwand von 1,8 / 4 = 0,45 kWh Primärenergie pro kWh Wärme — sehr effizient.

Aktuelle PE-Faktoren in Deutschland#

Stand 2024 nach EnEV-Anhang: Erdgas 1,1, Heizöl 1,1, Steinkohle 1,1, Braunkohle 1,2, Strom 1,8 (sinkend), Holz 1,2, Biomasse 1,1, Solarthermie 0,0, Umweltwärme (Luft, Erde, Grundwasser) 0,0. Wichtig: Mit dem zunehmenden erneuerbaren Anteil im Strommix sinkt der PE-Faktor Strom kontinuierlich. Prognose: 2030 etwa 1,5, 2040 etwa 1,2. Das macht Wärmepumpen primärenergetisch immer überlegener gegenüber fossilen Heizungen — ein wichtiger Aspekt für die langfristige Effizienzhaus-Bewertung.

Auswirkungen auf den Energieausweis#

Im Energieausweis (Bedarfsausweis) werden zwei zentrale Werte ausgewiesen: 1) Endenergie-Bedarf — die tatsächlich vom Gebäude verbrauchte Energie (Strom, Gas etc.) pro m² und Jahr. 2) Primärenergie-Bedarf — die mit PE-Faktor multiplizierte Endenergie. Der Primärenergie-Bedarf entscheidet über die Effizienzhaus-Klasse (EH 40, EH 55 etc.). Konsequenz: Eine Wärmepumpe verbessert den Primärenergie-Bedarf deutlich gegenüber Gas-Brennwertkessel — selbst wenn der Endenergie-Bedarf (Strom-kWh) ähnlich hoch ist wie der Gas-Verbrauch wäre.

Praxis-Auswirkung auf KfW-Förderung#

Bei KfW-Effizienzhaus-Förderung ist der Primärenergie-Bedarf die entscheidende Bemessungsgröße: KfW EH 55 erfordert max. 55 % des Primärenergie-Bedarfs eines Referenz-Neubaus. KfW EH 40 max. 40 %. Mit Wärmepumpe ist EH 40 oder EH 40 Plus oft erreichbar, was bei Brennstoff-basierten Heizungen sehr aufwändig wäre. Faktisch: Die Wärmepumpe ist physikalisch effizient (JAZ 4,0+) UND energetisch optimal (PE-Faktor Strom mit Wärmepumpen-Multiplikator 0,4-0,5). Diese Doppel-Effizienz macht sie zur ersten Wahl für KfW-Komplettsanierungen.

Häufige Fragen

Wo steht der PE-Faktor in meinem Energieausweis?
Im Bedarfsausweis ist der Primärenergie-Bedarf direkt ausgewiesen. Der zugrunde liegende PE-Faktor ist in der Berechnungs-Methodik angegeben — typisch in Anhängen oder Erläuterungen.
Sinkt der PE-Faktor Strom wirklich?
Ja, mit dem zunehmenden erneuerbaren Anteil. 2010 lag er bei 2,4, heute 1,8, prognostiziert 1,2 in 2040. Wärmepumpen werden energetisch immer effizienter — auch ohne technische Verbesserung des Geräts.
Warum wird Strom 'aufgewertet' und Erdgas nicht?
Stromerzeugung hat hohe Verluste (Kraftwerks-Wirkungsgrade 35-50 %, Übertragungs-Verluste). Erdgas wird quasi 1:1 zum Verbraucher transportiert. Die hohen Verluste werden im PE-Faktor abgebildet — mit zunehmendem erneuerbaren Anteil sinken sie.

Energieberater zur GEG-konformen Lösung

Ein BAFA-Energieberater plant Ihre GEG-konforme Heizungs-Strategie.